Bei "Bersaglio"-Studie werden Gesundheitssysteme von 14 italienischen Regionen verglichen

Gesundheitswesen: Grün als Ziel

Freitag, 24. Juni 2016 | 17:56 Uhr

Bozen – Am Dienstag, den 24.6.2016, fand zum ersten Mal das jährliche Treffen des "Netzwerks der Regionen" in Bozen statt. Im Rahmen des von Sabina Nuti, Verantwortliche des „Laboratorio Management e Sanità“ der „Scuola Superiore Sant’Anna“ in Pisa, koordinierten Treffens, wurden die Ergebnisse der Performance-Bewertung der regionalen Gesundheitssysteme vorgestellt.

Bei der so genannten "Bersaglio"-Studie des Laboratorio Management e Sanità werden Performance, Ziele und Leistungen der Gesundheitssysteme von 14 italienischen Regionen anhand von 270 vorher festgelegten Indikatoren verglichen und bewertet. Die Ergebnisse der darauffolgenden Analyse werden in Form einer Zielscheibe in den Farben Rot, Grün, Orange und Gelb dargestellt – daher auch der Name. Grün bedeutet Ziel erreicht, Rot bedeutet unmittelbarer Handlungsbedarf, Gelb und Orange sind die Abstufungen dazwischen.

In Sachen kurze Wartezeiten bei der Onkologischen Chirurgie (Tumore) und Wartezeiten in den Notaufnahmen liegt der Südtiroler Sanitätsbetrieb im grünen Bereich. Und in keiner anderen italienischen Region wird weniger Antibiotika verbraucht und bei Schenkelhalsfrakturen schneller reagiert, sprich operiert. Letzteres ist für den Heilungsverlauf ein zentraler Faktor. Die gesammelten und analysierten Daten zeigen aber auch klar die Schwachstellen der regionalen Gesundheitssysteme auf. In Südtirol sind das die niedrige Impfabdeckung, die geringe Nutzung von Generika, variables und damit unübersichtliches chirurgisches Angebot in den vier Gesundheitsbezirken, hohe Gesundheitsausgaben pro Kopf und vor allem die hohe Hospitalisierungsrate.

Domenico Mantoan, Generaldirektor des Bereichs Gesundheit und Soziales der Region Venetien, hob in der Podiumsdiskussion die Wichtigkeit der durch die Bersaglio-Studie gewonnen Daten hervor: „Einmal zeigen uns diese Zahlen, dass das oft schlechtgeredete italienische Gesundheitssystem gar nicht so schlecht ist und zum anderen sind diese Zahlen ein effizientes Instrument, um Schwachstellen erkennen und damit gezielt verbessern zu können.“

SABES-Generaldirektor Thomas Schael wies darauf hin, dass durch diese Studie, deren Ergebnisse seit 2010 jährlich veröffentlicht werden, in Italien Schwachstellen früher erkannt werden konnten, als etwa in anderen Ländern Europas. „Jetzt aber“, so Schael weiter, „müssen wird dieses Instrument auch richtig nutzen.“

Giovanni Gorgoni, Leiter des Gesundheitsressorts der Region Apulien, wies darauf hin, dass es wichtig sei, die Ergebnisse innerhalb und außerhalb des Betriebes richtig zu kommunizieren und hob hervor, dass bei der Bemühung um Verbesserung bei den Schwachstellen es besonders wichtig sei, Netzwerke zu knüpfen.

Paola Casucci von der Regionaldirektion der Region Umbrien unterstrich in ihrer Wortmeldung, dass es bei der Umsetzung von Maßnahmen, die aufgrund der gewonnenen Daten der Bersaglia-Studie geplant werden, es wichtig sei, alle davon Betroffenen in den Verbesserungsprozess miteinzubeziehen.

Für Francesco Longo von der Universität Bocconi war die Vorstellung der Bersaglio-Studie Anlass, um auf die Vorzüge des italienischen Modells der Gesundheitsversorgung hinzuweisen. Dieses benötige aber künftig mehr denn je eine solide Finanzierung: „Die Generaldirektoren benötigen die ökonomische, rechtliche und organisatorische Planungssicherheit, um die großen Herausforderungen schultern zu können, die sich beispielsweise durch die stark steigende Anzahl der chronisch- und multimorbiden Kranken ergeben.“ Laut Longo habe sich auch gezeigt, dass jene Regionen die besten Ergebnisse vorzuweisen hätten, die sowohl über eine starke politische Führung als auch ein starkes betriebliches Management verfügen.

Weiters wurden die Prozeduren der Zulassung und Verschreibungsmodelle von neuen onkologischen Medikamenten vorgestellt und diskutiert. Die Wichtigkeit der Motivierung und des Engagements als Hebel für die Verbesserung und Weiterentwicklung der Organisation und des Managements wurde in einem weiteren Redebeitrag erörtert.

Eine Bestrebung des Netzwerkes der Regionen ist es auch, italienweit vergleichbare Zufriedenheitsbefragungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verbesserung der Organisation und Weiterentwicklung des Managements durchzuführen.

Michael Mayr, Vertreter des gastgebenden Ressorts für Gesundheit, zeigte sich erfreut über das große Interesse an der nationalen Tagung in Bozen und der hohen Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der nationalen Befragung zur Mitarbeiterzufriedenheit. Diese hatte Verbesserungspotential im Bereich der EDV und des Controllings zu Tage gefördert sowie Stärken in der Kommunikation von oben nach unten im Südtiroler Sanitätsbetrieb.

Von: ©ka