LR Schuler für Verringerung der Verwendung von Glyphosat

Glyphosat: “Nichts beschönigen, aber auch keine Panik”

Freitag, 10. Juli 2015 | 18:05 Uhr


Bozen – Darf das weltweit meistverkaufte Herbizid Glyphosat weiterhin eingesetzt werden? Während dazu das EU-Genehmigungsverfahren läuft, kursieren zum Wirkstoff gegensätzliche Meinungen. "In Südtirol", betont Agrarlandesrat Schuler, "wird jedenfalls alles getan, um die Ausbringung dieses Mittels und generell von Unkrautbekämpfungsmitteln immer mehr zu reduzieren".

"Es wird weiterhin gearbeitet und geforscht, damit der Einsatz von Glyphosat verringert werden kann und stattdessen alternative und mechanische Mittel zur Unkrautbekämpfung verwendet werden", unterstreicht Landesrat Arnold Schuler.

Glyphosat wird wie jeder andere Pflanzenschutzmittelwirkstoff im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung bei Auslaufen der Zulassung Ende des Jahres hinsichtlich seiner Risiken für Gesundheit und Umwelt so wie seiner Wirksamkeit neu bewertet. Diese Neubewertung erfolgt derzeit, wobei Deutschland als Berichterstatter für die Prüfung und Bewertung zuständig ist. Bewertet werden im Rahmen dieses Verfahrens die gesundheitlichen Risiken bei Anwendung und Rückständen. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit überprüft ihrerseits die möglichen Risiken aufgrund der neuesten Erkenntnisse zum Wirkstoff und erstellt ein entsprechendes Gutachten für die EU-Kommission, die letztendlich entscheidet; diese Entscheidung ist für Glyphosat noch innerhalb dieses Monats zu erwarten.

Glyphosat ist ein seit über vier Jahrzehnten in vielen Ländern verwendeter Herbizid-Wirkstoff, der in Mitteln wie "Roundup" und anderen Mischungen im Handel erhältlich ist. Es wird in der Landwirtschaft, in Gärten und an Verkehrswegen wie etwa Bahntrassen eingesetzt, um das Wachstum von Unkraut zu unterdrücken.

Für Aufsehen sorgte die vor kurzem erfolgte Einstufung von Glyphosat durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer IARC) der WHO, die den Wirkstoff in eine Liste mit "wahrscheinlich für den Menschen krebserzeugenden" Substanzen aufnahm. Das IARC-Gremium schloss dabei aufgrund einiger weniger Studien auf einen theoretisch möglichen Zusammenhang zwischen Krebsentstehung und Glyphosat. Eigene Forschungsarbeiten wurden vom IARC nicht durchgeführt, das Gefährdungspotential von Glyphosat in der Praxis wurde nicht untersucht. Von Fachleuten wurde diese IARC-Einstufung kritisiert, da sie zu einer Verunsicherung der Bevölkerung führen könnte.

Auch das Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hebt hervor, dass Glyphosat in den vergangenen Jahren mehrmals durch verschiedene Behörden, nationale und internationale Expertengremien überprüft und als nicht krebserregend bewertet wurde. Dabei wurden Hunderte Studien berücksichtigt. Auch im Rahmen der neuesten Überprüfung von Glyphosat durch die EU wurden basierend auf der Neubewertung von mehr als tausend Studien keine Hinweise auf eine krebserregende Wirkung gefunden. Der IARC standen für die Entscheidung, Glyphosat als karzinogen einzustufen, keine neuen, international anerkannten Studien zur Verfügung.

"Wie verschiedene Stellungnahmen zeigen, herrscht derzeit sehr viel Unsicherheit", sagt Landesrat Schuler, "dies ist für die Südiroler Landwirtschaft, die Landes- wie die Gemeindenverwaltung ein zusätzlicher Grund, die Verwendung nicht nur von Glyphosat, sondern grundsätzlich von Herbiziden einzuschränken".

"Es geht nicht darum, etwas zu beschönigen", schließt Landesrat Schuler, "es ist derzeit aber auch nicht angebracht, Panik zu verbreiten."

Von: ©LPA