Bär wandert in Richtung Schweiz weiter

Honigschlecker im Vinschgau unterwegs

Mittwoch, 02. September 2015 | 12:00 Uhr

Mals – Im Vinschgau soll im August ein Bär durch die Gegend gestreift sein. Bei dem Tier handelte es sich offensichtlich um ein wahres Schleckermaul. Wie Hanspeter Gunsch, der Leiter des Glurnser Außenamtes der Nationalparkverwaltung, gegenüber dem Tagblatt Dolomiten erklärt, habe sich der Bär auf das Plündern von Bienenstöcken spezialisiert.

Schafe gerissen hat der Jungbär bisher allerdings nicht. Für die Bevölkerung bestehe derzeit kein Anlass zur Sorge. "Allerdings soll man sich darüber bewusst sein, dass der Bär ein Raubtier ist und dass sehr wohl gefährliche Situationen entstehen können", betont Gunsch.

Meldungen über beschädigte und zerstörte Bienenstöcke waren beim Glurnser Außenamt der Nationalparkverwaltung und bei der Forststation Mals eingegangen. Derzeit gibt es Hinweise, dass der Bär inzwischen in Richtung Münstertal in der Schweiz weitergezogen ist.

Vor wenigen Tagen soll das Tier offensichtlich noch im Gemeindegebiet von Mals im Bereich des Calvenwaldes unterwegs gewesen und dort auch von einem Augenzeugen gesehen worden sein. Es wird stark vermutet, dass es sich bei dem Exemplar um den zweijährigen Braunbären M32 handelt.

Letzte Gewissheit sollen Kot- und Haarproben geben, die Anfang August in Latsch von Mitarbeitern der Nationalparkverwaltung sichergestellt und zur weiteren Untersuchung an ein Labor geschickt worden waren.

Wie umgehen mit Bären und Wölfen? Steuerungsgruppe tagt

"Der Umgang mit den Großraubtieren in unserem Land", unterstrich Landesrat Schuler gestern bei der ersten Sitzung der Steuerungsgruppe, "bleibt eine Herausforderung, und das Management ist eine Aufgabe für alle".

"Das Thema Bären und Wölfe", betonte Landesrat Arnold Schuler, "ist spannend und spannungsgeladen". Zur Versachlichung der häufig kontrovers geführten Diskussion setzten sich gestern Betroffene verschiedener Bereiche an einen Tisch: Neben Vertretern der Landesabteilung Forstwirtschaft, des Amtes für Jagd und Fischerei und des tierärztlichen Dienstes diskutierten Vertreter der Bauern und der Jäger, der Kleintier- und der Bienenzüchter, der Hoteliers und Gastwirte und der Gemeinden, vom Natur- und Umweltschutz und vom Alpenverein. Das Thema Großraubtiere, wurde dabei deutlich, betrifft nicht nur eine kleine Gruppe, sondern bewegt breite Bevölkerungsschichten und wird emotional geführt.

"Eine Patentlösung", erklärte der Leiter des Amtes für Jagd und Fischerei Andreas Agreiter, "hat in Mitteleuropa noch niemand gefunden: Wo ein Miteinander von Mensch und Großraubtieren funktioniert, herrschen andere Rahmenbedingungen als bei uns". Die Imker, sagten gestern deren Vertreter, seien mit der Bärenpopulation gar nicht glücklich; zufrieden sei man hingegen mit der Arbeit des Amtes für Jagd und Fischerei, etwa im Zusammenhang mit Schadensvergütungen. In Südtirol sind Bärenschäden an Bienenstöcken auf das Gebiet des Mendelkammes konzentriert. Die Kleintierzüchter berichteten von einem gemeinsamen Projekt mit dem Trentino und mit Slowenien im Jahr 2007 und von der Einführung von Herdenschutztieren, auf die Proteste vonseiten der Tourismusvertreter gefolgt seien.

Das Verbreitungsgebiet des Wolfes im Alpenbogen, führte Amtsdirektor Agreiter aus, ist noch relativ gering, ein nationaler Managementplan auf Regionenebene ist geplant. Bereits im Jänner, berichtete er, wurde in einer Aussprache zwischen Landesrat Schuler und Vertretern des Bauernbundes vorgeschlagen, angesichts der Zuwanderung des Wolfes die Möglichkeiten von vorbeugenden Maßnahmen zur Verminderung der Konflikte zwischen Artenschutz und Weidewirtschaft zu prüfen. Daraufhin begann eine Zusammenarbeit mit der Agridea, einer Schweizer Beratungsorganisation mit Erfahrung und Schwerpunkt in der Prävention von Großraubwildschäden.

Am 29. September tagt in der Forstschule Latemar ein grenzüberschreitender Arbeitskreis zum Großraubtiermanagement. An dieser Tagung, wurde angeregt, sollte auch die neue Steuerungsgruppe teilnehmen. Landesrat Schuler regte weiters an, dass innerhalb der Steuerungsgruppe Fachgruppen zum Herdenschutz und zum wissenschaftlichen Aspekt sowie zur Information gebildet werden; das Amt für Jagd und Fischerei koordiniert und lädt zur nächsten Sitzung ein.

Von: ©mk/lpa

Bezirk: Vinschgau