Bozner entgeht Anschlag in Nizza nur knapp

“Ich war völlig geschockt”

Sonntag, 17. Juli 2016 | 10:35 Uhr

Bozen/Nizza – 84 Menschen sind durch das Lkw-Attentat in Nizza ums Leben gekommen, viele weitere wurden verletzt und schweben in Lebensgefahr. Neben der 29-jährigen Verena Oberhofer aus Meran erlebte auch der Bozner Michael Plattner den Terror hautnah mit.

Am vergangenen Donnerstag um 23.00 Uhr fuhr ein Lkw auf der Promenade des Anglais in die Menschenmenge, während der Fahrer wild um sich schoss.

„Es war eine spontane Entscheidung, nach Nizza zu fahren“, erzählt der Kellner, der mit seiner Freundin unterwegs war, gegenüber der Sonntagszeitung Zett. Zunächst wollten die beiden von Caorle nach Cinque Terre an der ligurischen Küste fahren.

Auf der Suche nach einem Hotel kamen sie gegen 23.30 Uhr an der Promenade des Anglais vorbei. Zunächst staunte das Pärchen über die vielen Menschen und Familien, die aufgeregt in verschiedene Richtungen liefen. Überall standen Feuerwehrautos, Polizei- und Rettungswagen. Bald kamen die beiden nicht mehr weiter.

„Den Laster selbst haben wir nicht gesehen. Aber wir haben auch nicht danach gesucht. Immerhin wussten wir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, was passiert war. Sonst wäre er uns bestimmt aufgefallen.

Als er an einem Polizeiwagen vorbeifuhr, bemerkte Plattner, dass der Polizist, der ihn weitergewinkt hatte, nach rund drei Metern Entfernung die Pistole auf ihn richtete. Ab da wurde den beiden bewusst, dass etwas nicht stimmte. „Ich war in dem Moment völlig geschockt“, erklärt Plattner gegenüber der Zett. Erst nun sei ihm klar geworden, dass er und seine Freundin nur knapp einem Terror-Anschlag entgangen waren.

Seine Freundin behielt hingegen einen kühlen Kopf und empfahl, ein Hotel außerhalb von Nizza zu suchen. Dort verfolgten sie dann die Nachrichten. „Als wir am nächsten Tag aufwachten, war das ungute Gefühl noch da“, betont Plattner laut Zett. Gleichzeitig herrschte eine ungemeine Erleichterung: „Wir leben noch. Uns ist nichts passiert.“

Als der Bozner mit seiner Freundin am nächsten Tag nach Nizza zurückgekehrt sei, bot sich dort ein überraschend normales Bild. Zwar, war ein Teil der Promenade weiter abgesperrt, doch ansonsten spazierten die Leute wieder die Straße entlang, lachten und viele lagen bereits wieder am Strand. „Die Menschen haben sich vom Terror nicht einschüchtern lassen“, ist Plattner laut Zett überzeugt.

Die Kellner in Nizza hätten hingegen ihr Bestes gegeben, die Angst und die Gedanken an den Terror zu zerstreuen.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen