"Auch Freiheitskämpfer wurden geschlagen"

Italien wegen Folter verurteilt: SHB kritisiert Rechtslage in Italien

Donnerstag, 09. April 2015 | 22:16 Uhr

Bozen – „Es ist ein weiterer Beweis dafür, dass in Italien gefoltert wurde und wird.“ So nimmt der Südtiroler Heimatbund die Verurteilung Italiens wegen Folter durch den Europäischen Gerichtshof zur Kenntnis. „Genauso wie in den Sechziger Jahren hatte die Polizei auch beim G8-Gipfel 2001 in Genua auf wehrlose Menschen eingeschlagen.“ Es sei unfassbar, so Roland Lang, „dass der Gerichtshof für Menschenrechte außerdem feststellte, dass das Land zudem keine geeigneten Gesetze habe, solche Täter zu überführen.“

„Bereits beim Folterprozess in Trient 1963, bei dem die Misshandlungen der Südtiroler Häftlinge durch die Carabinieri behandelt wurden, zeigte die italienische Rechtsprechung diese Lücken auf. Die Folterknechte wurden zumeist freigesprochen, notfalls amnestiert. Einige Tage später dann sogar für ihren Einsatz ausgezeichnet“, so Lang.

„In den Sechziger Jahren verstarben drei Freiheitskämpfer durch die erlittenen Folterungen. Luis Amplatz wurde im Schlaf mit einer Polizeipistole erschossen. Viele Freiheitskämpfer litten ihr Leben lang an den erlittenen Verletzungen“, erinnert der SHB.

Genua 2001

„Sie traten und schlugen brutal auf die Wehrlosen ein und noch heute leidet ein Italiener unter den Folgen des gewalttätigen Polizeieinsatzes beim G8-Gipfel. Mit großer Zivilcourage reichte der Gepeinigte Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein und erhielt Recht: Die Straßburger Richter verurteilten Italien wegen Folter. Nicht die 45.000 Euro Schadenersatz, die der Italiener richtigerweise zugesprochen bekam, sondern die Schande, als ein europäisches Land durch einen internationalen Gerichtshof der Folter überführt zu sein, sollte Anlass sein, dass die italienische Justitz endlich die Misshandlungen an Wehrlosen durch Polizei und Carabinieri aufarbeitet und wiedergutmacht. Auch jene an den Südtirolern“, schließt Lang

Von: ©lu

Bezirk: Bozen