U-Haft für Bozner bestätigt

Kinderpornografie: 23-Jähriger bot sich als Babysitter an

Samstag, 04. Juli 2015 | 12:00 Uhr

Bozen/Trient – Der 23-jährige S. M., der kürzlich verhaftet wurde, weil die Postpolizei bei ihm über 500 kinderpornografische Videos gefunden hat, bleibt vorerst im Gefängnis. Untersuchungsrichter Emilio Schönsberg sieht Tatwiederholungsgefahr.

Die Ermittlungsergebnisse lassen zudem darauf schließen, dass der Bozner im Internet auch seine Dienste als Babysitter angeboten haben soll.

Er soll in einem Elternforum, wo nach Kleinkindbetreuern gesucht wird, inseriert haben. Darin soll er aufgelistet haben, dass er viel Geduld habe, Erfahrung mitbringe und schnell Freundschaft mit Kindern schließe. Nach bisherigem Erkenntnisstand soll es dazu glücklicherweise nicht gekommen sein.

Die Trienter Staatsanwaltschaft hat aber ihre Vorwürfe gegen den 23-jährigen in Bezug auf die bei ihm sichergestellten Filme erweitert, berichtet das Tagblatt Dolomiten.

Wurde dem Bozner zunächst zur Last gelegt, die Videos zu besitzen, wird er nun auch verdächtigt, sie mit anderen Personen im Internet getauscht zu haben. Mindestens 14 der Filme, bei denen Kinder in eindeutig sexuellem Kontext zu sehen sein sollen, seien auf diese Weise weitergegeben worden, glauben die Fahnder um den Trienter Staatsanwalt Davide Ognibene. Einige der Kinder auf den Videos sollen nicht älter als zwei Jahre sein, heißt es weiter.

Auch Fotos wurden beschlagnahmt: Es besteht der Verdacht, dass S. M. sie selbst geschossen haben könnte.

Der 23-jährige hält sich derzeit im Bozner Gefängnis in Einzelhaft auf – auch zu seiner eigenen Sicherheit. Häftlinge, die im Verdacht stehen, pädophil zu sein, haben im Gefängnis keinen guten Stand.

Gestern wurde der 23-Jährige dem Haftrichter Emilio Schönsberg vorgeführt und zog es vor, die Aussage zu verweigern.

Der Richter bestätigte die U-Haft und begründete dies mit der Gefahr der Tatwiederholung. Die weiteren Ermittlungen in dem Fall bleiben in der Hand der Trienter Staatsanwaltschaft. Der Prozess wird jedoch in Bozen abgewickelt werden, weil die angelasteten Straftaten in Südtirol begangen wurden.

So kamen ihm die Fahnder auf die Schliche

S. M. galt bisher als unbescholten. Er geriet ins Fadenkreuz der Postpolizei, nachdem sich die Fahnder in schwer zugängliche, einschlägige Internetgruppen eingeschleust hatten, um mutmaßliche Mitglieder von Pädo-Ringen auszuforschen.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (1.7.2015)

Die Polizei hat einen 23-jährigen Bozner wegen Besitzes und Verteilens von Kinderpornographie verhaftet und ins Gefängnis überstellt.

Die Postpolizei von Trient nahm die Ermittlungen gegen den jungen Mann auf.

Wie sich herausstellte, lagen die Fahnder richtig. Er soll über das Internet Kinderpornographie mit anderen Männern ausgetauscht haben – auch in Nicht-EU-Staaten.

Auf seinem Rechner fanden die Ordnungshüter Hunderte Videos und Fotos, die Kinder in freizügiger Pose zeigen. Einige Kinder waren keine zehn Jahre alt. Ob auch kinderpornografisches Material von dem 23-Jährigen selbst hergestellt wurde, müssen weiterführende Ermittlungen zeigen.

Der junge Mann lebt gemeinsam mit seinen Eltern in einer Wohnung. Diese sollen von allem nichts mitbekommen haben.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen