„Grüne Frauenpolitik ist rückschrittlich“

Kopftuchverbot: Schlagabtausch zwischen Mair und Grünen Frauen

Dienstag, 14. April 2015 | 09:54 Uhr

Bozen – Nachdem sich die freiheitliche Landtagsabgeordnete Ulli Mair für ein Kopftuchverbot ausgesprochen hat, konterten die Grünen Frauen und sprachen sich dagegen aus.

Mair zeigt sich in einer Aussendung wenig verwundert über die Reaktion der Grünen Frauen auf die Forderung des Kopftuchverbotes. „Diesen sind doch seit jeher die multikulturelle Gesellschaft und der Einwandererschmusekurs wichtiger als Frauenrechte. Zudem rechtfertigt deren multikulturelles Weltbild den Zwang, Frauen unter den Schleier zu drängen. Anders als es die Grünen Frauen offensichtlich vermuten, hat sich auch die Unterfertigte in den letzten Jahren intensiv mit der Verschleierung auseinandergesetzt und ist dabei zum Schluss gekommen, dass dieser Schleier für ein sexistisches Weltbild steht, in dem Frauen ohne Schleier ‚Flittchen‘ sind. Die Grünen Frauen tun so, als sei das muslimische Kopftuch ein freiwilliges Accessoire. Wenn dem so wäre, dann könnte es die SVP-Kandidatin ja abnehmen. Zahlreiche emanzipierte Frauen muslimischen Glaubens in Europa verteufeln das Kopftuch als Zeichen der Unterdrückung sowie als Zeichen der Abgrenzung und das steht nicht für Integration, die meiner Auffassung entspricht“, schreibt Mair.

"Ich nehme zur Kenntnis, dass es die Grünen Frauen also nicht als Integration erachten, wenn eine Muslimin ein Kopftuch abnimmt. Vielmehr schauen Grüne Frauen zu, wie Muslime, die zu uns kommen, die ersten Jahre vielleicht auf das Kopftuch verzichten, durch die verstärkte muslimische Präsenz aber wieder darauf zurückgreifen. Auch das bestätigen uns in Europa lebende, emanzipierte und selbstbestimmte Musliminnen, dass das Kopftuch identitätsstiftend sei, aber nicht zwangsläufig zum Glauben dazugehört. Also Abgrenzung! Die Grünen Frauen tun so, als gäbe es keine Scharia und der Hass der Grünen Frauen auf abendländische Werte zwingt sie dazu, beide Augen zudrücken vor dem, was uns durch eine Islamisierung blüht. Sie schweigen auch zu Zwangsverheiratung, Beschneidung, Unterdrückung von Frauen im Islam, weil das nicht politisch korrekt ist, versuchen aber permanent und krampfhaft westlichen Frauen, denen jede Tür und jedes Tor offensteht einzureden, dass sie aufgrund ihres Geschlechtes schwach und chancenlos seien und hetzen die Geschlechter untereinander auf. Grüne Frauen ignorieren den Islamismus und den religiösen Fanatismus bei Muslimen und stehen nur so lange für Laizismus, wie es gegen das gehasste Christentum geht und drücken sonst beide Augen zu“, so Mair weiter.

"Ich darf abschließend noch daran erinnern, dass der grüne Vordenker Alexander Langer 1982 Gaddafi besucht hat, um sich von dem ein paar politische Ideen abzuschauen und eine Zusammenarbeit anzuregen. So fortschrittlich ist grüne Gesellschaftspolitik: Zurück in die 80-er Jahre bei Gaddafi, Frauen unter den Schleier und vielleicht auch ein wenig Polygamie. Und so fortschrittlich ist grüne Frauenpolitik: Frauen unter den Schleier zwingen, die Scharia hochhalten und so tun, als sei das nur ein ‚Lifestyle‘, weil das multikulturelle Gedankengut jeden Irrsinn rechtfertigt", schließt Mair.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (13.04.2015)

Die Grünen Frauen wehren sich gegen ein Kopftuchverbot, das per Gesetz verordnet wird. „Krampfhaft versuchen die KollegInnen der Rechtsparteien in periodischen Abständen die Kopftuchdebatte auf Südtirol auszudehnen. Diesmal offenbar mit einer Landtagsinitiative der Freiheitlichen, in der man das Tragen von Kopftüchern in öffentlichen Institutionen wie Bildungseinrichtungen, Schulen, Kindergärten, Ämter, Behörden und Gemeinderäten verbieten will“, so die Grünen Frauen.

„Wir haben uns schon seit Längerem mit dem Thema der Verschleierung auseinandergesetzt und dies, vermutlich im Unterschied zu Ulli Mair, in Zusammenarbeit mit Musliminnen getan“, so die Grünen Frauen.

Sie sind aus mehreren Gründen gegen Kopftuchverbote: „In Italien gilt seit 1975 (Gesetz Nr. 152) das Vermummungsverbot, weswegen das Verhüllen des Gesichtes außer bei Sportveranstaltungen sowieso schon verboten ist. In Südtirol hat das Kopftuch eine lange Tradition, zum Teil auch mit katholischem Hintergrund. Es wäre absurd, diese kopftuchtragenden Frauen durch ein generelles Kopftuchverbot aus den Institutionen auszuschließen – andererseits wäre es diskriminierend und verfassungswidrig, das Kopftuchverbot für eine einzige Religionsgemeinschaft auszusprechen. Aus feministischer Sicht könnte argumentiert werden, dass das Kopftuch Zeichen der Unfreiheit ist, weil es Mädchen und Frauen aufgezwungen wird. Dieser Fall ist möglich. Daneben es gibt viele muslimische Frauen, die das Kopftuch als Zeichen ihres Glaubens selbstbestimmt wählen. Die Situation der muslimischen Frauen ist oft durchaus problematisch. Diese Probleme, die daraus entstehen, dass sie sozusagen in einem „doppelten Patriarchat“ (also dem muslimischen und dem „abendländischen“) leben, werden aber durch ein Kopftuchverbot weder gelöst noch gemindert. Wir sind der Meinung, dass die Förderung von Frauen generelles Anliegen der Politik sein muss. In den meisten Fällen sind Forderungen von Kopftuchverboten nicht Aktionen für Frauen, sondern vielmehr Aktionen gegen MigrantInnen. Wer sich also als BefreierIn der muslimischen Frauen aufspielt, arbeitet in Wirklichkeit gegen Aufgeschlossenheit und echte Inklusion. In jedem Fall ist das Thema gemeinsam mit den Musliminnen anzugehen. Nur dann entsteht Verständnis und Differenzierung. Gegen die politische Ausschlachtung eines so sensiblen Themas sprechen wir uns ganz ausdrücklich aus“, so die Grünen Frauen.

Von: ©mk