Fotoaktion der Süd-Tiroler Freiheit

Kritik an faschistischen Überbleibseln

Dienstag, 28. April 2015 | 11:43 Uhr

Meran – Ezra Pound ist ein umstrittener Künstler. Einerseits gilt der Amerikaner als herausragender Vertreter der italienischen Moderne. Andererseits bewunderte und unterstützte er während seines Italienaufenthalts von 1924 bis 1945 den italienischen Faschismus. Pound hat sich auch nach 1945 nicht vom Faschismus distanziert, sondern bekannte sich stattdessen zu seinem „Leben in der Gesamtheit von Höhen und Tiefen“.

Für die Süd-Tiroler Freiheit ist dies Grund genug, den Künstler abzulehnen. Der Meraner Ortssprecher Christoph Mitterhofer zeigt sich deshalb auch verwundert über die für Anfang Juni geplante Hommage an Ezra Pound in der Meraner Stadtbibliothek. „Ezra Pound war ein Fürsprecher des italienischen Diktators Benito Mussolini und verbreitete nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges antiamerikanische und antisemitische Propagandareden. Pound machte zudem die Juden für die Herrschaft des Wuchers und des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges verantwortlich“, wettert Mitterhofer.

Seiner Meinung nach sei eine solche Veranstaltung in Meran völlig deplatziert und sollte abgesagt werden. „Es reicht nicht, in Meran Schulen umzubenennen, jedoch weiterhin Mussolinis Fürsprecher zu hofieren und sich nicht von seinen Aussagen zu distanzieren“, so Christoph Mitterhofer.

Der Ortssprecher der Süd-Tiroler Freiheit bezieht sich damit auf den Schriftsteller Josef Wenter, ehemaliges NSDAP-Mitglied, nach welchem bis vor kurzem eine Mittelschule in Meran benannt war. Nach teils heftigen Protesten und intensiver Auseinandersetzung mit Wenter wurde die Schule wieder umbenannt.

„Es ist schizophren und bezeichnend, dass Ezra Pound immer noch – weitgehend unreflektiert – gefeiert wird und Straßen seinen Namen zieren. Ein Mann, der offen für den Faschismus eintrat und antisemitische Hetzreden im Radio verbreitete, scheint für Meran bzw. Südtirol kein Problem darzustellen. Nicht umsonst haben sich ‚Casa Pound‘, die selbsternannten ‚Faschisten des dritten Jahrtausends‘, diesen Namen gegeben“, so Mitterhofer abschließend.

Fotoaktion gegen Faschismus

Der Bezirk Burggrafenamt der Süd-Tiroler Freiheit führt anlässlich des Gedenktages der Befreiung Italiens vom Nationalsozialismus auch eine Fotoaktion durch. Ziel der Aktion sei es, „in der Bevölkerung das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die faschistische Vergangenheit Italiens in die Gegenwart hereinreicht“.

Dietmar Weithaler, der Sprecher der Bezirksgruppe, schreibt: „Eine fotografische Bestandsaufnahme von faschistischen Hinterlassenschaften im öffentlichen Raum des Burggrafenamtes soll Aufschluss verschaffen über die alltägliche Häufigkeit und den sorglosen Umgang mit Relikten aus jener unsäglichen Zeit.“

In der sogenannten „Demokratisierung“ Italiens gebe es seit dem offiziellen Ende des italienischen Faschismus immer noch viele Lücken, ist die Bewegung überzeugt. Bis heute kämen in Straßennamen sogenannte „Helden des Faschismus“ zu Ehren – unter anderem auch Ezra Pound.

Außerdem bekräftigt die Meraner Bezirksgruppe der Bewegung die Kritik an faschistischen Relikten in Südtirol.

Von: ©mk

Bezirk: Burggrafenamt