Offizieller Grund sind Einsparungen - Freiheitliche und Grüne dagegen

Landeskonservatorin Kofler Engl wird zurückgestuft – Reaktionen

Mittwoch, 15. April 2015 | 12:40 Uhr

Bozen – Die Landesregierung hat den Auftrag von Waltraud Kofler Engl als Direktorin der Abteilung Denkmalpflege nach der Probezeit nicht verlängert. Stattdessen wird die Landeskonservatorin wieder zur Amtsdirektorin zurückgestuft.

Bekanntlich war Verhältnis das Waltraud Kofler Engl, die seit 2014 an der Spitze der Denkmalpflege steht, zur Politik öfters von Spannungen geprägt. Bereits 2007 wollte bereits 2007 Landeskonservatorin werden, war damals aber gescheitert.

Außerdem soll es innerhalb der Abteilung Denkmalpflege Schwierigkeiten bei der Mitarbeiterführung gegeben haben.

Offiziell heißt es allerdings, dass die Einsparungen der Grund sind, warum der Vertrag nicht verlängert wurde. Landesrat Florian Mussner erklärte laut Medienberichten, dass die Landesabteilung für Denkmalpflege ganz aufgelöst werde. Ein Teil soll der Abteilung Museen, ein anderer Teil dem Landschaftsschutz angeschlossen werden.

FH: „Südtirols Denkmäler verdienen sich und brauchen ein Denkmalamt“

„Ich bin schon mehr als verwundert und verärgert, dass die Landesregierung – sprich Landesrat Mussner – das Landesdenkmalamt auflösen und bei anderen Ämtern ansiedeln will. Man sieht einfach, dass diese Landesregierung unter Landeshauptmann Kompatscher kein Gefühl für den Denkmalschutz hat und ihm keine Wertschätzung gibt. Ein eigenes Landesdenkmalamt hat auch den Sinn, Denkmalschutz in den Vordergrund zu stellen, Menschen und die Bürger für Denkmalschutz und Schutz alter Bausubstanz zu sensibilisieren. Ohne Denkmalamt wird das nicht mehr geschehen. Südtirols Denkmäler verdienen und brauchen auch ein Denkmalamt – alles andere ist eine kulturelle Schande! Einen Beschlussantrag, dass das Landesdenkmalamt erhalten bleibt, werde ich im Landtag deponieren“, so der freiheitliche Landtagsabgeordnete Sigmar Stocker in einer Aussendung.
 
„Sonst reden immer alle g‘scheid von der Schönheit Südtirols auch durch die historische Bausubstanz – und nun sowas? Die Wahrheit ist wohl die, dass man einen aktiven Denkmalschutz zerstören will, weil er gar manchem Bauvorhaben, Bauherren oder Bürgermeister im Weg steht. Das Denkmalamt muss Zähne zeigen und nicht ein stilles Schaf sein. Wenn sich Südtirol kein Landesdenkmalamt leisten will, dann wird es bei den Denkmälern bald wie Italien dastehen: wo kultureller Reichtum leider immer mehr zusammenfällt oder zerstört wird. Aber man darf sich ja auch nicht wundern: die SVP mit Landeshauptmann Kompatscher will ja bei diesem Staat bleiben und sich immer mehr integrieren“, so Stocker abschließend.

Grüne: „Keine Auflösung der Abteilung der Denkmalpflege“

Die Südtiroler Landesregierung plant die Auflösung der Abteilung Denkmalpflege (Abt. 13) und die Aufteilung ihrer drei Ämter: das Amt für Baudenkmäler (13.1) soll der Abteilung für Raumordnung, Natur und Landschaft angeglieder, das Südtiroler Landesarchiv (13.3) und das Amt für Bodendenkmäler(13.2) der Abteilung Museen zugeschlagen werden. Dies betonten die grünen Landtagsabgeordneten Hans Heiss, Riccardo Dello Sbarba und Brigitte Foppa in einer Aussendung.

„Die geplante Zerschlagung der Abteilung ist weder sachlich sinnvoll noch organisatorisch zielführend. Erhalt und Pflege der Baudenkmäler sind keine Frage von Raumordnung, Landschaftserhaltung und –gestaltung, sondern dienen dem Schutz und der Aufwertung von Kulturgütern, wie dies eben historisch wertvolle Bauten darstellen. Diese im Kern tief kulturelle und erinnerungspolitische Aufgabe verdient ein eigenständiges Profil, zumal in Südtirol. In unserem Land ist die Erhaltung von Kulturgütern ein grundlegender Ausdruck des Schutzes von Minderheiten und Kultur, daher ein Grundauftrag der Autonomie. Zudem ist die Abteilung für Raumordnung, Natur und Landschaft, der das Amt für Baudenkmäler zugeschlagen werden soll, bereits derart aufgebläht, dass die Hinzunahme eines weiteren Amtes die Manövrierfähigkeit weiter einschränken würde. Vor allem aber würden die Handlungsfähigkeit und die Verantwortung der bisher autonomen Abteilung Denkmalpflege wesentlich geschmälert. Ihre Auflösung würde auch den bewährten Verbund von Bau- und Bodendenkmalpflege und Archäologie zerschlagen – die Folge wäre ein Verlust wichtiger Zusammenhänge, der den Schutz von Kulturgütern zusätzlich schwächen würde“, so die Grünen.

„Schließlich zielt die unter dem Argument der Reorganisation und Einsparung laufende Maßnahme auch darauf, die engagierte und kämpferische, im Juli 2014 ernannte Abteilungsdirektorin Waltraud Kofler Engl zu entmachten und zur Amtsdirektorin zurückzustufen. Auch wenn Probleme in der Führung der Abteilung aufgetreten sein mögen, so sind diese auf andere Weise lösbar als durch Zerschlagung der Abteilung. Das Landesdenkmalamt, das unter der Ägide von Mons. Karl Wolfsgruber 1973 ins Leben gerufen wurde, bildete einen wichtigen Ausdruck der neu gewonnenen Autonomie und darf nicht falsch verstandener Einsparung und verdeckter Disziplinierung zum Opfer fallen. Wir fordern die kulturbewussten Bürgerinnen und Bürger Südtirols auf, gegen diesen Schritt der Landesregierung aufzutreten – die Zerschlagung der Abteilung wäre ein Akt der Geschichtslosigkeit und verfehlter Reorganisation ebenso wie der verborgenen Diszplinierung einer mutigen Amtschefin“, erklären die Grünen abschließend.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen