Flüchtlinge in Wiesen

Lega: “Die Bewohner des Pfitschtales sagen Nein”

Dienstag, 28. April 2015 | 22:50 Uhr

Wiesen – Parallel zu den Entwicklungen im restlichen Italien sieht sich nun auch Südtirol mit der Aufgabe konfrontiert, sich dem Schicksal der Migranten anzunehmen und in Anbetracht der gewaltigen menschlichen Tragödie von Flucht und Auswanderung tätig zu werden, indem eine Anzahl von Personen aufgenommen werden soll, die einem Prozent der eigenen Bevölkerung entspricht. Dies betont der Koordinator der Lega Nord im Eisack- und im Pustertal, Massimo Bessone, in einer Aussendung.

Die von der Provinz vorgeschlagenen Lösungen für die Unterbringung der Flüchtlinge werfen seiner Meinung nach einige Fragen auf. Die angedachte Lösung sehe vor, dass die Flüchtlinge in Zentren untergebracht werden, die auf ehemaligen Militäranlagen und in Kasernen errichtet werden sollen, wo die Flüchtlinge mehr oder weniger zusammengepfercht leben würden, so auch in der mittlerweile teils verfallenen Kantine in der Gnutti-Kaserne am Eingang zum Pfitscher Tal.

„Von den 420 Flüchtlingen, die sich momentan in Südtirol aufhalten, sind 360 in Bozen untergebracht. Damit stellen sie 0,33 Prozent der Stadtbevölkerung dar – ein Prozentsatz, von dem fraglich ist, ob die Flüchtlinge aufgrund ihrer Anzahl erfolgreich in die Stadtbevölkerung integriert werden können. Aus diesem Grund überlegt die Provinz, eine noch nicht genau definierte Anzahl von Flüchtlingen – zunächst war die Rede von 44 bis 50 Personen – in die kleine Gemeinde Pfitsch zu übersiedeln, wo sie 1,8 Prozent der Bevölkerung stellen würden. Pfitsch hat 2.800 Einwohner“, erklärt Bessone.

Abgesehen vom Prozentsatz, der im Vergleich zur Situation in Bozen in keinem Verhältnis steht, müsse die gewählte Struktur zur Unterbringung ernsthaft in Frage gestellt werden, fährt die Lega fort. „Die Bürgerinnen und Bürger reagieren auf den Vorschlag, 50 Menschen in einer alten Ausspeisung unterzubringen, die überdies noch nicht einmal über die nötigen Sanitäranlagen verfügt, verständlicherweise verwundert. Ein halb verfallener Komplex, über dessen Abbruch man schon seit über zehn Jahren spricht – kann da noch die Rede von Menschenwürde sein?“, fragt Bessone.

„Die Pfitscher Bürgerinnen und Bürger jedoch erhalten von allen Seiten nur leere Versprechen oder aber werden der mangelnden Zusammenarbeit beschuldigt, weil sie vorschlagen, die Anzahl der Zuwanderer geringer zu halten und stattdessen einen Prozentsatz anzustreben, der mit jedem in Bozen vergleichbar ist“, fährt Bessone fort. Eine geringere Anzahl von Flüchtlingen würde es seiner Meinung nach ermöglichen, eine alternative, angenehmere und menschenwürdigere Unterbringung zu finden und die Zuwanderer für den Zeitraum, für den sie beschließen Gemeindemitbürger zu sein, besser zu integrieren.

„Dieser Vorschlag scheint der Provinz allerdings nicht zu gefallen. Während sie der Pfitscher Bevölkerung beteuert, dass von 50 Migranten keine Gefahr ausgehe und dass diese Anzahl auch keine Integrationsschwierigkeiten bereite, lehnt sie den Vorschlag der Verteilung dieser Zuwanderer in Kleingruppen auf die gesamte Provinz ausgerechnet aus Sicherheitsgründen ab, und widerspricht sich somit selbst“, argumentiert Bessone.

Seiner Ansicht nach erhärte sich der Verdacht, dass die Provinz genaue Vorstellungen davon hat, in welchen – scheinbar privilegierten – Gebieten der Region die Flüchtlinge ein schlecht integrierbares „Problem“ darstellen würden, und dass sie deswegen versuche, die Zuwanderer an Orten zusammenzupferchen, die touristisch von geringer Bedeutung sind und außerdem noch möglichst nahe an der Brennergrenze liegen.

„Wie von Landesrätin Stocker kürzlich bei einer Sitzung bekannt gegeben, handelt es sich bei den Flüchtlingen, welche in der Gnutti-Kaserne untergebracht werden sollen, ausschließlich um Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren. Beinahe scheint es so, als wolle man diese zwischen den schroffen, unnachgiebigen Steilhängen des Pfitscher Tales verschanzen“, meint Bessone abschließend.

Von: ©mk

Bezirk: Wipptal