Duale Ausbildung stärken

Lehrlingspakt unterzeichnet

Donnerstag, 25. Juni 2015 | 14:10 Uhr

Bozen – Die duale Ausbildung in Südtirol ist ein Erfolgsmodell, das es zu stärken gilt. Für dieses Ziel haben auf Initiative von Landesrat Philipp Achammer Vertreter aller Sozialpartner und der Landesverwaltung in den letzten Monaten intensiv an einem "Lehrlingspakt" gearbeitet. Der Pakt wurde heute unterzeichnet.

Von der dualen Berufsausbildung profitieren die jungen Menschen und die Wirtschaft gleichermaßen: Die Lehre ermöglicht den Jugendlichen eine ganz besondere Verbindung von Ausbildung und Arbeit. Für die Wirtschaft sind Lehrlinge wichtig, um den Fachkräfte-Nachwuchs zu sichern.

Die übergeordneten Ziele der auf drei Jahre (2015-18) angelegten Initiative "Lehrlingspakt" sind, die Zahl der Lehrlinge von 2014 auf jeden Fall zu halten und möglichst um 5 Prozent zu steigern und die Qualität der dualen Ausbildung zu fördern. Bildungslandesrat Philipp Achammer und die Sozialpartner haben den Pakt heute (25. Juni) im Rahmen einer Pressekonferenz im Landhaus 1 der Öffentlichkeit vorgestellt und gemeinsam unterzeichnet.

"Die duale Ausbildung in Südtirol ist ein Erfolgsmodell mit langer Tradition, das von vielen Regionen Italiens als Vorbild gesehen wird", unterstrich Landesrat Achammer, "die Verantwortlichen der acht Arbeitgeberverbände, der vier Gewerkschaften und der betroffenen Landesämter haben mit viel Engagement gemeinsam am Lehrlingspakt gearbeitet. Um die traditionelle Lehre zu stärken, ist es notwendig, dass alle Ausbildungspartner an einem Strang ziehen."

Die Partner haben dafür konkrete Maßnahmen in vier Handlungsfeldern festgelegt: Einerseits geht es darum, die Jugendlichen beim Einstieg in die Arbeitswelt z.B. durch Workshops oder Praktika zu unterstützen. Ein zweiter Punkt betrifft die Entlastung der Lehrbetriebe und die Wertschätzung ihrer Ausbildungsleistung. So erhalten künftig Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, die Plakette "Wir bilden Lehrlinge aus" und werden dadurch in der Öffentlichkeit als Lehrbetriebe sichtbar. Zudem wird die Arbeitssicherheits-Grundausbildung für Arbeitnehmer vollständig in den Berufsgrundstufen-Unterricht an den Berufsschulen integriert. Als dritter Aspekt sollen den Jugendlichen die Vorteile der dualen Ausbildung nähergebracht werden. Dafür sind beispielsweise Prämierungen der besten Absolventen der Berufs- und Fachschulen vorgesehen, aber auch vorbildhafte Lehrbetriebe sollen der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Zudem wird für die Absolventen der Lehre die Durchlässigkeit zu weiterführenden Ausbildungen gefördert und die berufsbegleitende Matura in der Berufsschule forciert. Der vierte Handlungsbereich schließlich betrifft die Förderung der Qualität in der Lehrlingsausbildung, was vor allem durch eine engere Zusammenarbeit zwischen der Schule und der Wirtschaft erreicht werden soll.

"Es gibt in Südtirol noch zu viele Jugendliche, die die Lehre im Betrieb und die Berufsschule erfolgreich abschließen, dann aber nicht zur Lehrabschlussprüfung antreten", berichtete Landesrat Achammer, "auch für diese Jugendlichen wollen wir zusätzliche Angebote, wie Vorbereitungskurse auf die Prüfung schaffen und zusammen mit den Sozialpartnern für das Thema sensibilisieren."

Auch der Präsident des Südtiroler Wirtschaftsrings, Philipp Moser, hob die Bedeutung des Lehrlingspaktes für die Wirtschaft hervor. "Es gibt keine Ausbildung, die praxisnäher ist, als die Lehre", sagte Moser, "die Lehrlinge eignen sich bei dieser Form der Ausbildung wichtige Sozialkompetenzen an. Zudem erhalten sie in der Schule neue Impulse, von denen auch die Betriebe profitieren." Moser betonte auch, dass es wichtig sei, bereits in der Mittelschule die Lehrkräfte und Direktoren für die Lehre zu sensibilisieren.

Für Tila Mair, die stellvertretend für die Gewerkschaftsorganisationen sprach, ist vor allem die Tatsache von Bedeutung, dass erstmals die verschiedenen Partner – das Land, die Unternehmerorganisationen und die Gewerkschaften – gemeinsam Verbindlichkeiten eingegangen sind. Eine der Aufgaben für die Gewerkschaften sieht sie darin, konstruktiv bei der Umsetzung des Paktes mitzuarbeiten und Informationen zu geben. "Wir stehen mit Überzeugung hinter der dualen Ausbildung. Die wirtschaftliche Krise in Italien hat auch in Südtirol Spuren hinterlassen, daher ist es wichtig, das Angebot der Lehrlingsausbildung quantitativ und qualitativ zu verbessern", sagte Mair.

Zum Abschluss der Pressekonferenz unterschrieben die Vertreter den Lehrlingspakt. Dieser ist vorerst auf einen Zeitraum von drei Jahren angelegt.

Von: lpa

Bezirk: Bozen