Autonomie und Minderheitenschutz

LH Kompatscher empfängt slowenische Minderheit

Mittwoch, 29. Juni 2016 | 11:11 Uhr

Bozen – Um Autonomie und Minderheitenschutz, um Pflege von Sprache und Kultur ging es bei einem Treffen, zu dem LH Kompatscher Slowenen aus dem Friaul empfangen hat.

Über Minderheitenschutz und Minderheitenrechte im gesamtstaatlichen Kontext und im Lichte der geplanten Verfassungsreform, aber auch über den Schutz und die Pflege von Muttersprache und Kultur hat am gestrigen Abend Landeshauptmann Arno Kompatscher mit einer Delegation der slowenischen Minderheit gesprochen. Mit dabei war auch Bildungslandesrat Philipp Achammer. In der slowenischen Delegation waren sowohl die Konföderation der slowenischen Organisationen (svet slovenskih organizacij) mit Präsident Walter Bandelj, als auch die slowenische Kultur- und Wirtschaftsunion (Slovenska kulturno-gospodarska zveza) mit Präsident Rudi Pavšič vertreten. 

Einen Überblick über die Situation in Südtirol aus der Perspektive des Minderheitenschutzes gab bei dem gestrigen Treffen Landeshauptmann Kompatscher. Die international verankerte Autonomie garantiere den Schutz der Minderheiten und bilde die Grundlage für deren Entwicklung. 

Beide Seiten übten gestern Kritik an der zentralistischen Ausrichtung der geplanten Verfassungsreform. Landeshauptmann Kompatscher bekräftigte dabei den Standpunkt des Landes, das trotzdem zur Reform stehe: "Durch die Schutzklausel im Artikel 39 bleibt Südtirols Autonomiestatut so lange rechtskräftig, bis es einvernehmlich überarbeitet worden ist." Gesprochen wurde gestern auch über das Schulsystem und den Sprachunterricht. 

Ähnlich wie die deutsche und ladinische Minderheit in Südtirol, aber noch nicht so lange, sind die Slowenen als Minderheit anerkannt und geschützt. Insbesondere in den Provinzen Triest und Görz, aber auch in der Provinz Udine, werden der Gebrauch der Muttersprache im Umgang mit der öffentlichen Verwaltung und der muttersprachliche Unterricht bis hin zur staatlichen Oberschul-Abschlussprüfung garantiert. Etwa 4000 Schüler besuchen die slowenischen Schulen.

Die slowenischen Minderheit in Italien zählt insgesamt rund 80.000 Personen, den Großteil davon machen mit etwa 61.000 die autochthonen Slowenen in Friaul-Julisch Venetien aus, die längs der Staatsgrenze in den Provinzen Triest, Görz und Udine leben. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung Friaul-Julisch Venetiens beläuft sich der Anteil der Slowenen fünf Prozent. Slowenisch wird im Kanaltal, in der Beneška Slovenija (Slavia veneta), im Gebiet Collio, im Görzer Karst, in einigen Gemeinden der Bisiacaria und im Résiatal gesprochen. 

Von: ©luk