Südtiroleffekt beträgt knapp vier Millionen Euro

LH von Filmförderung überzeugt: Neun Projekte genehmigt

Dienstag, 28. Juni 2016 | 15:40 Uhr

Bozen – Die Landesregierung hat die Bezuschussung von Filmproduktionen mit insgesamt 142 Drehtagen genehmigt – der Südtiroleffekt beträgt knapp vier Millionen Euro.

„Ein Südtirolbezug haben und einen hohen sogenannten Südtiroleffekt erzeugen müssen die Filmprojekte, die für eine Förderung infrage kommen“, sagt Landeshauptmann Arno Kompatscher bei der heutigen Landespressekonferenz.

Heute Vormittag hat er die von der Kommission der Südtiroler Filmförderung ausgewählten neun Filmprojekte der Landesregierung vorgelegt und für Zuschüsse im Wert von insgesamt 1,79 Millionen Euro grünes Licht erhalten. Mehr als doppelt so viel, nämlich 3,945 Millionen Euro beträgt der Südtiroleffekt dieser Zuschüsse.

Darunter versteht man jenen Umsatz der Produktionsfirmen, der dem Wirtschaftsstandort Südtirol zugute kommen wird. „Denn die Produktionsfirmen müssen mindestens 150 Prozent des Zuschussbetrages in Südtirol ausgeben, in diesem Fall sind es sogar mehr als 220 Prozent“, sagt der Landeshauptmann. Im Südtiroleffekt noch nicht eingerechnet ist der Werbeeffekt für die Tourismusdestination Südtirol, der schwer zu beziffern ist. Bei der Bewertung fällt beispielsweise auch die Anzahl der Drehtage in Südtirol ins Gewicht, denn sie sind es, die am Ende diesen Werbeeffekt verstärken. Bei diesen neun Produktionen wird an 142 Tagen in Südtirol gedreht.

Von Vorteil für die Bewertung ist es zudem, wenn die Projekte in der Produktionsvorbereitung einen Bezug zu Südtirol aufweisen und Südtiroler Künstler oder Unternehmen einbeziehen. „Aus all diesen Gründen bin ich nach wie vor überzeugt, dass diese Steuermittel gut investiert sind“, unterstreicht der Landeshauptmann. Mittlerweile sei eine kleine, erfolgreiche Dienstleisterbranche rund um die Filmproduktionen in Südtirol entstanden. Auch die Wertschöpfung bei dieser Art von Dienstleistungen ist verhältnismäßig hoch.

Dies ist der zweite sogenannte Call in diesem Jahr, insgesamt 25 Projekte hatten diesmal um Förderung angesucht. Die acht Projekte des ersten Einreichtermins hat die Landesregierung am 22. März genehmigt. Betreut werden die Filmprojekte von einem Team der Abteilung Filmförderung des Wirtschaftsdienstleisters IDM.

Diese veröffentlicht heute eine ergänzende Pressemitteilung mit näheren Informationen zu den bezuschussten Filmen. Hervorzuheben sind ein TV-Krimi („Schlussrechnung“) mit den bekannten Schauspielern Tobias Moretti und Robert Palfrader, ein Bergsteiger-Dokumentarfilm mit Reinhold Messner als Regisseur, ein Kinderfilm mit Fritz Karl und eine italienische Komödie („Mister Felicità“). Letztere Produktion generiert sogar vier Mal soviel Umsatz in Südtirol wie sie Zuschüsse erhält.

Von Messners Doku bis zum TV-Krimi mit Moretti

Klingende Namen vor und hinter der Kamera, Projekte mit hohem Marktpotential für Kino und TV, große Beteiligung Südtiroler Filmschaffender und Dienstleister und viel Sichtbarkeit für Südtirol: Die neun Filmprojekte des zweiten Calls 2016, die vom Südtiroler Filmfonds unterstützt werden, können sich sehen lassen. Thematisch reicht der Bogen vom TV-Krimi mit Tobias Moretti („Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit“) und Robert Palfrader („Braunschlag“) über die Komödie mit Alessandro Siani („Il principe abusivo“) und den Kinderfilm mit Fritz Karl („Der stille Berg“) bis zur Berg-Doku, bei der Reinhold Messner für Drehbuch und Regie verantwortlich ist. Auch eine TV-Serie mit Josephine Ehlert („Im Labyrinth des Schweigens“) in der Hauptrolle ist mit dabei. Alle Projekte werden vor Ort von der IDM Südtirol betreut, die auch den Südtiroler Filmfonds verwaltet. 

Insgesamt 1,79 Millionen Euro bekommen die neun Film- und TV-Projekte als Unterstützung aus dem Südtiroler Filmfonds, an die 3,95 Millionen Euro werden sie wieder in Südtirol ausgeben. Dafür drehen sie gesamt über 140 Tage lang in verschiedensten Teilen des Landes. Zwei Projekte kommen aus Südtirol, zwei aus anderen Regionen Italiens, vier sind deutsche Produktionen und eine Produktion kommt aus Österreich. Acht Projekte erhalten eine Produktionsförderung, eines hat um Produktionsvorbereitungsförderung angesucht.

Hierzulande wohl prominentester Drehbuchautor und Regisseur aller neun geförderten Produktionen ist wahrscheinlich Reinhold Messner, der für seine Bergsteigerdoku „Der Heilige Berg“ auch in Sulden drehen wird. Verfilmt wird die Geschichte von Peter Hillary, Sohn des Erstbesteigers des Mount Everest, Sir Edmund Hillary, der mit drei Bergkameraden die Erstbesteigung der  Mingbo-Wand angeht und an einer Eislawine scheitert. Nicht weniger dramatisch ist die Produktion „Zweitland“ der Bozner Echo Film („Von Männern und Vätern“), eine Drei-Länder-Koproduktion mit der Salzburger SK Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft und der Starhaus Filmproduktion aus München. In Klausen, Partschins und Meran soll die Geschichte der ungleichen Brüder Paul und Anton filmisch umgesetzt werden, die im Südtirol der Bombenjahre spielt. „Der Stoff dieser Produktion wurde bei der ersten Auflage des Drehbuchautorenprogramms RACCONTI der IDM – damals noch BLS – vom Brunecker Autor Michael Kofler entwickelt und dann auch in der Vorbereitung unterstützt. Somit konnten wir dieses Projekt von Anfang an begleiten und freuen uns sehr darüber, dass es nun von einer Südtiroler Produktionsfirma verfilmt wird“, sagt Christiana Wertz, Leiterin der Filmförderung bei IDM. Michael Kofler wird beim Dreh – unter anderem mit den Darstellern Andreas Lust („Einer von uns“) und Florian Brückner (“Das finstere Tal”) – auch Regie führen.

Viel Marktpotential steckt in dem Projekt „Die Pfefferkörner und der Fluch der Berge“ der Letterbox Filmproduktion aus Hamburg („Nachtzug nach Lissabon“), das auf einer bekannten und sehr erfolgreichen Kinderbuchserie basiert. Dabei geht es um die Kinderdetektive Mia, Alice und Basti, die gemeinsam mit ihrem Südtiroler Freund Luca beim Schulausflug nach Südtirol in ein großes Abenteuer stolpern. Das Kinderabenteuer soll zum Großteil in Südtirol realisiert werden, gedreht wird im Vinschgau, Passeiertal und in Niederdorf, unter anderem mit Fritz Karl, der hierzulande bereits bei „Der stille Berg“ mitgewirkt hat. Italienweit gute Vermarktungschancen hat sicher auch das Projekt „Mister Felicità“ mit dem bekannten Regisseur und Schauspieler Alessandro Siani, in Südtirol bereits für seine Südtirol-unterstützte Produktion “Il principe abusivo” zu Gast. In seiner neuesten Komödie, produziert von Cattleya aus Rom, spielt er denn faulen Martino, den erst ein von ihm verschuldeter Unfall seiner Schwester Caterina zwingt, seine Lethargie aufzugeben und sich eine Arbeit zu suchen. Schauplätze in Südtirol für diesen Kinofilm werden Meran, Kaltern, Eppan, Schluderns und Auer sein.

Spannend hingegen wird‘s im TV-Krimi „Schlussrechnung“. Die Produktion der Allegro Film Wien („Das finstere Tal“) aus der Reihe der „ORF-Landkrimis“ wird zur Gänze in Meran und Umgebung abgedreht. In dem Plot um den österreichischen Kommissar Höllbacher, der nach Meran zieht und dort einem Serienmörder auf die Spur kommt, sind Tobias Moretti („Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit“) und Robert Palfrader („Wir sind Kaiser“) mit im Cast. Viel Südtirol steckt naturgemäß auch in der Dokumentation „Oswald von Wolkenstein“ über den Ritter, Dichter, Minnesänger des Spätmittelalters und Berater des deutschen Kaisers – nicht nur bei den Locations, die in Waidbruck, Brixen, Prissian und Bozen sein werden. Die Produktionsfirma Videocap von Klaus Romen („Die Heimatfront – La Grande Guerra in Alto Adige“), der auch Regie führen wird, kommt aus Bozen, viele weitere Südtiroler Kreative sind mit eingebunden. Gezeigt wird das fertige Produkt auf dem Sendeplatz „Alpen-Donau-Adria“ im deutschen Fernsehprogramm.

Die TV-Serie „Urban Divas“ der Lüthje Schneider Hörl Film aus München („Das letzte Schweigen“) dreht sich um die amourösen Abenteuer der Münchnerin Lou, die an ihrem 30. Geburtstag von ihrem Freund verlassen wird und nun die biologische Uhr ticken hört: Ein Mann muss her! Voraussichtlich sechs Drehtage wird die Serie mit Josephine Ehlert („Im Labyrinth des Schweigens“) Bozen und Umgebung sowie Meran bescheren, Regisseurin Natalie Spinell hat Südtiroler Wurzeln und deshalb engen Bezug zum Filmland Südtirol. Turbulente Liebesverwicklungen gibt es auch in der romantischen Komödie „Verliebt, verlobt,…vergeigt“ von Die Film GmbH aus München („Winterreise“). Bozen, Eppan, Ritten und Oberbozen werden die Locations sein, wo sich Rebecca Immanuel („Vera“) und Christoph M. Ohrt (“Nachbarn Süß Sauer”) als Claudia und Herb bei der Hochzeitsplanung ihrer Kinder ineinander verlieben.

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen