200 Lehrpersonen bilden Menschenkette

Luftballons gegen Schulreform

Freitag, 05. Juni 2015 | 16:58 Uhr

Bozen – Heute hat eine Kundgebung der Lehrpersonen der deutschen und italienischen Schulen auf den Talferwiesen in Bozen stattgefunden.

Es waren rund 200 Lehrpersonen anwesend, die sich in Form einer "Menschenkette" anschließend an territoriale Versammlungen – von den Talferwiesen Höhe Ex-Pippobär bis zur Talferbrücke begeben haben, bewaffnet mit Luftballons und Flugblättern. Das Motto: Gesetzentwurf "la Buona Scuola": SO NICHT!

Grund der Kundgebung: Die Lehrer üben Kritik am aktuellen Gesetzentwurf zur die Schulreform, der derzeit im Senat diskutiert wird.

Die heißtesten Punkte sind laut den Lehrern:

„- die Entmachtung der Mitbestimmungsgremien zugunsten einer Machtanhäufung der Schulführungskräfte;

– Schulführungskräfte sollen ohne transparente Regeln, ihre Lehrpersonen aus einem Provinzverzeichnis ("ambito territoriale") aussuchen dürfen, mit vorprogrammiertem Chaos;

– Vertragliche Elemente sollen zunehmend von oben herab verordnet werden- es werden seit vielen Jahren keine Verträge auf gesamtstaatlicher Ebene mehr erneuert;

– 200 Millionen Euro sollen gesamtstaatlich relativ willkürlich, ohne klaren Kriterien oder nötigen Erhebungskompetenzen als Leistungsentlohnung auf eine noch unbekannte Anzahl von Lehrpersonen verteilt werden. Vorgesehen sind Bewertungskomitees die aus Schulführungskraft, zwei Lehrpersonen und zwei Eltern bestehen ( an Oberschulen statt ein Eltern- ein Schülervertreter). Die Arbeit ist unentgeltlich, wie so viele Neuerungen des Gesetzentwurfs;

– Mehrere Elemente der fast 30 Artikel sollen Schulen in rationalisierte Betriebe umwandeln, ohne Aspekte der Zusammenarbeit, des Vertrauens oder der menschlichen Zuwendung zu berücksichtigen, welche im Umgang mit Kindern und Jugendlichen unumgänglich sind. Kriterien der Betriebsführung und Produktionsverwaltung wie zentralisierte Verwaltung von oben, Förderung starken Konkurrenzdenkens (durch zehn Prozent "Vorarbeiter" Lehrpersonen) oder willkürliche Leistungserhebung soll Verbesserung bringen, an gut 20 Stellen des Gesetzentwurfs wird jedoch darauf verwiesen, dass die meisten Neuerungen zugleich keine Mehrkosten verursachen dürfen, wie zum Beispiel die ohne Kriterien oder Vorkenntnissen auszuführende "Leistungserhebung" der Lehrpersonen;

– Es gibt auch konstruktive Elemente in diesem Gesetzentwurf, aber noch zu viele bedrohen durch die derzeitige Formulierung auch das gut funktionierende Schulsystem in Südtirol, Das Land hat bezgl. Schulen staatlicher Art keine primäre Zuständigkeit und muss also innerhalb von sechs Monaten ab Verabschiedung des Staatsgesetzes seine Gesetzgebung der gesamtstaatlichen anpassen, oder innerhalb 90 Tagen eine Anfechtung am Verfassungsgerichthof von eigenen, verschiedenen Bestimmungen riskieren.“

Von: ©lu

Bezirk: Bozen