Anträge von Grünen und Süd-Tiroler Freiheit

Mehrsprachige Erziehung Thema im Landtag

Freitag, 18. September 2015 | 13:17 Uhr

Bozen – Die Grünen forderten Maßnahmen für die mehrsprachige Erziehung. Das Thema der mehrsprachig aufwachsenden Kinder sei im Kindergesundheitsbüchlein aufzunehmen, mit dem man alle Eltern erreiche, für die Eltern mehrsprachiger Kinder sollte eine Informationsschrift erarbeitet werden. In den Elternbriefen sei dem Thema nur eine halbe Seite gewidmet, bemerkte Brigitte Foppa. Viele Kinder würden in einem mehrsprachigen Kontext aufwachsen, den Eltern müsse eine Hilfestellung dazu gegeben werden, auch um den Erhalt der Muttersprache nicht zu gefährden. Südtirol werde nach außen oft als mehrsprachiges Gebiet beworben, nach innen gebe es dazu aber kaum Informationen.

Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) sah in dem Antrag den ideologischen Versuch, die mehrsprachige Erziehung bei allen Eltern zu propagieren. Um die sprachliche Erziehung sei Aufgabe der Schule. Er sehe hier keine Ideologie im Spiel, erklärte Dieter Steger (SVP), es gehe nur darum, den Eltern nützliche Informationen in die Hand zu geben. Daher stimme er dem Antrag zu.

Alessandro Urzì (Alto Adige nel cuore) freute sich über die Öffnung der SVP in dieser Frage, aber der Antrag stelle eigentlich keine konkreten Forderungen. Die Öffnung sei nur zaghaft, wenn man keine mehrsprachige Schule zulasse. Pius Leitner (Freiheitliche) sah in dem Antrag eine Begriffsverwirrung, aber wenn SVP, PD und Grüne etwas zusammen machten, komme nie etwas Gescheites heraus. In Südtirol würden mehr oder weniger alle Kinder mehrsprachig aufwachsen. In Wirklichkeit gehe es den Einbringern um die Mehrsprachigkeit der Zuwanderer.

Bei Leitners Ausführungen habe er eher spanisch verstanden, bemerkte Hans Heiss (Grüne). Der Antrag weise darauf hin, dass es zur nach außen hochgelobten Mehrsprachigkeit nach innen kaum Informationen gebe. Es wäre auch wünschenswert, dass viele Südtiroler Hochdeutsch lernten, einige unserer Sportler gäben diesbezüglich im österreichischen Fernsehen kein gutes Bild ab. Myriam Atz Tammerle (STF) bezeichnete das Kindergesundheitsbüchlein als das falsche Vehikel für dieses Anliegen. Sie stellte fest, dass immer noch das Recht auf Gebrauch der Muttersprache oft missachtet werde, und plädierte dafür, das Erlernen des Englischen mehr zu fördern.

Elena Artioli (Team Autonomie) unterstützte das Anliegen. Die Sprachkurse für Ausländer sollten auch Einheimischen offen stehen, sonst sei es eine Diskriminierung. Mehr als eine Broschüre würde sie sich aber konkrete Angebote wünschen. Ulli Mair (F) kritisierte die Verwendung der Begriffe "deutschsprachige, italienischsprachige oder ladinischsprachige Südtiroler". Es gebe in Südtirol Deutsche, Italiener und Ladiner.

LR Philipp Achammer stimmte dem beschließenden Teil zu und wunderte sich über die unterschiedlichen Interpretationen des Antrags. Zunächst gehe es um die Beherrschung der Muttersprache, dann um das Erlernen anderer Sprachen. In einer Broschüre könne man den Eltern Ratschläge geben, wie man das angehen könne. Es brauche z.B. auch eine Antwort auf die Frage, wie man mit anderen Sprachen umgehe, ohne dass die eigene darunter leide. Achammer forderte dazu auf, von einer ideologischen Diskussion abzukommen. In die Informationen für die Eltern sollten vor allem wissenschaftliche Erkenntnisse einfließen. An Artioli gerichtet erklärte er, dass es ein reiches Angebot an Sprachkursen auch für Einheimische gebe.

Auch LR Christian Tommasini begrüßte den Antrag. Die Südtiroler Kinder würden in einem mehrsprachigen Kontext aufwachsen. Das Angebot sei vielfältig, man müsse den Eltern dazu einen Wegweiser geben, auch um Ängste zu nehmen, die z.B. viele italienische Familien dazu verleiteten, ihre Kinder in deutsche Schulen einzuschreiben. Südtirol habe die besten Voraussetzungen, damit man gut Sprachen lernen könne, bemerkte LR Florian Mussner. Hilfreich wäre mehr Freude beim Sprachenlernen. Ihr Antrag habe ein praktisches Anliegen, erklärte Brigitte Foppa, sie wolle vor allem eine Hilfestellung für Paare aus unterschiedlichen Sprachgruppen, die oft unsicher seien, wie sie die Spracherziehung ihrer Kinder meistern sollten. Im Kindergesundheitsbüchlein gehe es auch um Spracherziehung, daher sei dies die richtige Adresse. Der Antrag wurde in zwei Teilabstimmungen (22-23 Ja, zehn-elf Nein) angenommen.

Die Süd-Tiroler Freiheit forderte eine Studie zu einer Bahnverbindung Mals-Landeck über den Reschen. Die Landesregierung prüfe derzeit zusammen mit der Lombardei einen Ortler-Durchstich, bemerkte Sven Knoll, aber Ing. Gomperz habe in einer Studie bereits aufgezeigt, dass es hier Probleme bei Trassenführung und Rentabilität gebe. Daher sollte man zusätzlich auch die Möglichkeit einer Reschenbahn prüfen, die die Fortsetzung der Vinschgerbahn wäre. Es habe alte Studien und Pläne für diese Bahn gefunden, deren Trasse könnte zum Großteil übernommen werden. Auch eine Verbindung ins Engadin sei in diesem Rahmen zu sehen. Sigmar Stocker (F) unterstützte den Antrag. Die Landesregierung sollte eine Prioritätenliste für die Verkehrsinfrastrukturen vorlegen, damit man wisse, was in den nächsten Jahren komme. Die Vinschgerbahn sei ein Erfolgsprojekt, das durch die Erweiterung noch erfolgreicher würde, jedenfalls mehr als der Flughafen.

Andreas Pöder (BU) wies darauf hin, dass Südtirol noch keine Bahnverbindung nach dem westlichen Teil Tirols habe, das angesprochene Projekt sei zu begrüßen. Er plädierte dafür, sich auch über einen Alternativantrieb für die Bahn Gedanken zu machen. Bernhard Zimmerhofer (STF) bezeichnete die Bahn als Verkehrsmittel der Zukunft, deren Entwicklung den Flughafen immer sinnloser mache. Natürlich gebe es auch die Frage der Finanzierung, aber solche Bahnprojekte, die wie im Pustertal, beliebte Skigebiete erreichten, seien auch wirtschaftlich ein Gewinn.
Hans Heiss (Grüne) begrüßte das Anliegen, fragte aber, wie groß das Interesse auf Nordtiroler Seite sei.

Die Elektrifizierung der Vinschgerbahn werde immer aktueller, der Antrag komme also zur rechten Zeit, meinte Pius Leitner (F). Er fragte, ob die Landesregierung sich bereits entschieden habe und damit der Vorschlag Nogglers (Wasserstoffantrieb) hinfällig sei. Wenn man die Pustetaler Strategie, die Talstationen an die Bahnhöfe zu bauen, weiter verfolge, dann werde auch das Reschenprojekt Erfolg haben. Alessandro Urzì (AAnc) fragte, welche Art von Bahnverbindung das werden solle, auch für den Warentransport oder nur für ein paar Touristen. Das sollte man in einer Machbarkeitsstudie berücksichtigen. LR Florian Mussner gratulierte Knoll für seine Recherchen, er habe sie mit Freude gelesen. 2012 habe man zusammen mit der Schweiz eine Studie für eine Verbindung Mals-Scuol in Auftrag gegeben. Scuol könnte man dann mit Landeck verbinden. Eine Reschenbahn sollte man sich ganz genau überlegen. Knoll schaue mit seinem Projekt weit voraus, und das bei Mobilitätsprojekten auch richtig. Das Land habe bereits eine Prioritätenliste, antwortete Mussner auf die Aufforderung von Sigmar Stocker. Man sollte da aber nicht Dinge hineinstecken, für die noch die Finanzierung fehle. Mussner sprach sich schließlich gegen die von Knoll geforderte Studie aus, schlug aber vor, mit der Tiroler Landesregierung darüber zu reden. Das Projekt könnte auch ein Thema für den Dreier-Landtag sein.

Eine Absprache mit dem Bundesland Tirol sei sicher sinnvoll, erklärte Sven Knoll und schlug vor, dass der Landtag sich grundsätzlich für das Projekt ausspreche und die Landesregierung zu Gesprächen mit Tirol und der Schweiz beauftrage. Er werde die entsprechende Neuformulierung am achmittag vorlegen. Die Arbeiten werden um 14.30 wieder aufgenommen.

Von: ©lt

Bezirk: Bozen