Landesrat Florian Mussner zieht Bilanz zur Halbzeit

Minderheitenkultur stärken, Kultur vernetzen und Menschen bewegen

Montag, 27. Juni 2016 | 15:43 Uhr

Bozen – Minderheitenkultur stärken, Kultur vernetzen und Menschen bewegen: Dies waren die Schwerpunkte der #halbzeit-Pressekonferenz von LR Florian Mussner.

Bei seiner #halbzeit-Pressekonferenz am 27. Juni in der Remise der Rittner Bahn in Oberbozen verwies Landesrat Florian Mussner auf die Wichtigkeit der Autonomie für Südtirol. In allen Bereichen sei die Autonomie die Basis für die Weiterentwicklung des Landes gewesen. Mussner gab sowohl in die geleistete Arbeit in Form von Daten- und Übersichtstabellen Einsicht, berichtete vor allem über die wichtigsten Weichenstellungen für die Zukunft in den Bereichen ladinische Schule und Kultur, Denkmalpflege, Museen, Straßendienst, Tiefbau und Mobilität

Mehr Präsenz des Ladinischen im Internet und im täglichen leben privaten Bereich, Mitnahme der Familien beim Ladinisch-Unterricht, Zusammenarbeit der Kultur mit der Wirtschaft und grenzüberschreitende Förderung des Ladinischen in Souramunt – diese sind die zentralen Botschaften von Ladinerlandesrat Florian Mussner für die Förderung der ladinischen Minderheitenkultur nächsten zweieinhalb Jahre seiner Amtszeit. Die Ladiner hätten alle Einrichtungen, um das Ladinische weiterzuentwickeln, so Mussner. Noch nie zuvor waren so viele Menschen hauptberuflich im Einsatz, um sich um den Schutz und die Weiterentwicklung der ladinischen Schule und Kultur zu kümmern, sagte der Landesrat.

Um eine Minderheitensprache und -kultur längerfristig zu erhalten, müsse besonders bei Kinder und Jugendlichen die Sprache und Kultur im Alltag verstärkt zum Thema gemacht werden, unterstrich der Landesrat. „Sprache und Kultur müssen gelebt werden und das beste Beispiel geben dafür die Familien, die verstärkt vom ladinischen Schulamt durch Aktionen und Publikationen unterstützt werden müssen, damit das Ladinische auch im privaten Bereich einen höheren Stellenwert bekommt“, sagte der Landsrat. Deswegen soll weiters die Erarbeitung von didaktischen Materialien, Sachbüchern, Wörterbüchern und anderen nützlichen Materialien für die Schüler, Lehrer und Interessierte besonders in Ladinischer Sprache stark gefördert werden. Es gelte, so der Landesrat, gerade die neuen Medien und Kommunikationsmittel für die ladinische Sprache und Kultur zu nutzen. Deshalb sollen künftighin die Nutzung der neuen Kommunikationsmittel, die gerade bei jungen Menschen sehr beliebt sind auch im Bildungsbereich mehr Gewicht haben (z.B. Online-Wörterbücher, Apps, Internetseiten auf Ladinisch, Social Media usw.)  Auch soll auf die bereits bestehenden ladinischen Angebote aus dem Bildungsbereich, der öffentlichen Verwaltung sowie der Kultureinrichtungen mehr Aufmerksamkeit gelegt werden, damit sich die Ladiner immer mehr auf Ladinisch informieren.

Ein wichtiger Punkt der Amtszeit bleibt laut Mussner weiters auch die Zusammenarbeit mit den ladinern außerhalb Südtirols wie etwa die Förderung der Zusammenarbeit mit den Gemeinden in Souramunt, auch als Zeichen gelebter Euregio. Nicht in den Hintergrund geraten soll auch in Zukunft die Erarbeitung von Maßnahmen gegen die Abwanderung der Jugend aus den ladinischen Tälern, auch in Zusammenarbeit mit den Gemeinden.

Kultur vernetzen

Über den Erhalt, die Pflege und die Vernetzung des Kulturerbes hat LR Mussner im zweiten Teil der Pressekonferenz zur Halbzeit der Amtszeit gesprochen.

„Was für die ladinische Minderheitenkultur im Speziellen gilt, ist auch für die Kultur unseres Landes im Allgemeinen wichtig: Nämlich Kinder und Jugendliche möglichst früh für Kultur zu begeistern, das Kulturerbe erhalten, Kultur in den Alltag zu integrieren und Einrichtungen, die Kulturgüter dokumentieren, erhalten und sichtbar machen noch besser zu vernetzen“, betonte Mussner.

In diesem Sinne organisiere die Denkmalpflege diesen Winter einen internationalen Kongress zum Thema "Gesellschaft und kulturelles Erbe", durch den die Integration von Kultur in das tägliche Leben sowie Denkmalschutzbindungen und Denkmalpflege im regionalen Vergleich thematisiert werden sollen, kündigte Mussner an. Der Monumentbrowser der Abteilung Denkmalpflege mit nun mehr als 4000 denkmalgeschützten Bauten wird weiterhin aktualisiert. Archäologische Funde sollten möglichst vielen Menschen gezeigt werden, gemeinsam mit den Gemeinden, so der Landesrat. Für die Zukunft werde im Bereich Denkmalpflege eine Optimierung des Beitragswesens ins Auge gefasst. Es gilt laut Mussner gemäß dem Motto „schützen und nützen“, öffentliches und privates, kulturelles und wirtschaftliches Interesse abzuwägen und mit Bedacht zu wählen, was erhalten und geschützt gehört und dann die entsprechenden Unterstützungen zu bieten.

Gerade wenn es um den Erhalt, die Dokumentation und das Sichtbarmachen von Kulturgütern geht, sollten sich die verschiedenen Einrichtungen künftig mehr vernetzen und Synergien nutzen, sagte der Landesrat. Ein Beispiel ist das Portal der Kulturgüter in Südtirol, das in den kommenden Jahren unter der Federführung der Landesabteilung Museen noch weiter ausgebaut werden soll. Ziel ist es, alle in Südtirol bestehenden beweglichen Kulturgüter einheitlich zu erfassen, zu katalogisieren und als virtuelle Ausstellung für die Bürger bereit zu stellen.

In Ausarbeitung ist derzeit ein neues Museumsgesetz (derzeit gilt jenes von 1988). Landesrat Mussner rechnet damit, das neue Gesetz noch heuer in der Landesregierung besprechen zu können. Es sieht die Anpassung an die zeitgenössischen Qualitätskriterien entsprechend der Kriterien des internationalen Museumsrates vor. Ziel ist es, dass sich alle Museen in Südtirol zu einem tragfähigen kollegialen Netzwerk nach allen Regeln der Museums-Kunst zusammenschließen und sich als lebendige Kulturorte, weiterentwickeln. „Wichtigste Zielgruppe im Kulturbereich bleiben auch in den kommenden Jahren die Kinder und Jugendlichen“, sagt Mussner. In diesem Sinne geht das Projekt „Young & Museum“ weiter, bei dem Kinder und Jugendliche mit dem Südtirol Pass abo+ Fahrschein freien Eintritt in 57 Museen haben. „Young & Museum“ ist ein Beispiel wie sich zwei unterschiedliche Bereiche, nämlich Museen und Mobilität, optimal ergänzen.

Menschen bewegen

Unter dem Motto „Menschen bewegen“ berichtete LR Mussner bei der #halbzeit-Pressekonferenz über die Weichenstellung in punkto Mobilität.

Mit der Eingliederung der Abteilung Tiefbau in sein Ressort könne nun mit den Abteilungen Straßendienst und Mobilität noch zielgerichteter an einer Vernetzung der Mobilität, einem strategischen und vor allem nachhaltigen Miteinander aller Mobilitätsformen gearbeitet werden, wobei auch die finanzielle Ressourcen optimiert würden, sagte Landesrat Mussner.

Das Mobilitätskonzept für die kommenden Jahre soll Mobilität und Lebensqualität, aber auch Umweltschutz vereinen. „Dazu gilt es, Verkehr zu vermeiden, die Straßen sicher zu machen, Orte vom Verkehr zu entlasten, möglichst viel Verkehr auf Bus, Zug und alternative Verkehrsmittel zu verlagern, öffentliche Verkehrsmittel qualitativ zu verbessern und Mobilität in all ihren Formen zu vernetzen“, fasste Mussner die Ziele für die Zukunft zusammen.

Auf den Südtiroler Verkehrswegen habe weiterhin Sicherheit oberste Priorität, so der Landesrat.  Mit allen drei Abteilungen werde daran gearbeitet, zum einen an den technischen Voraussetzungen für sichere Straßen sowie neuen Infrastrukturen und zum anderen an der Sensibilisierung, erklärte der Landesrat.

Im Dreijahresprogramm (2016- 2018) für den Tiefbau gibt es insgesamt 352 Vorhaben, unter anderem Eingriffe für stabilere Brücken (42 Projekte), sicherere und besser beleuchtete Tunnels (60) und Steinschlagschutz (60). Sämtliche Arbeiten werden laut Mussner nach Prioritätenlisten abgewickelt. Auf dem Programm stünden zudem eine ganze Reihe von Ausschreibungen, bei denen möglichst lokale Unternehmen zum Zug kommen sollten, so der Landesrat.

Die  Verkehrswege, für die das Land zuständig ist, und das sind immerhin 2826 Straßenkilometer mit 1662 Brücken und 206 Tunnels, brauchen weiterhin Instandhaltung (Schneeräumung, Grünschnitt, Reinigung, tägliche Kontrolle) durch den Straßendienst. „Asphaltierungen, Stützmauern und kleinere Sicherheitseingriffe sind für jedes Jahr verteilt auf alle Bezirke vorgesehen“, betonte Mussner.

Auf dem Programm ist eine ganze Reihe von kleineren und größeren Aktionen zur Sensibilisierung für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Dazu gehören z.B. Besuche der Schüler im Safety Park ebenso dazu wie die beiden großen bereits seit Jahren erfolgreichen Kampagnen „SOS Zebra“ und „No credit“.

Nachgebessert wird laut Mussner weiterhin in punkto Umfahrungen für mehr Lebensqualität und flüssigeren Verkehr (Küchelbergtunnel Meran, Mittelanschluss in Brixen/Vahrn, Branzoll, Einfahrt ins Gadertal, Kastelbell, Kiens und Percha).

Eine gut instand gehaltene und an die modernen Erfordernisse angepasste Straßeninfrastruktur garantiere eine schnelle, kapillare und effiziente Mobilität für die einzelnen Verkehrsteilnehmer, die Wirtschaftstreibenden und Urlaubsgäste, aber auch für den öffentlichen Personennahverkehr auf Rädern, erläuterte der Landesrat.

Ein wichtiges Ziel ist es für Landesrat Mussner aber, künftig nachhaltig unterwegs zu sein. Wie von der Landesregierung beschlossen, soll sich Südtirol bis 2030 zu einer Modellregion für nachhaltige, alpine Mobilität entwickeln.

Die Weichenstellung dafür bildet das von Landesrat Mussner eingebrachte, im Vorjahr genehmigte neue Landesgesetz für Mobilität, aus dem nun der Landesmobilitätsplan für Südtirol entwickelt wird, den Mussner in erster Fassung noch im Herbst der Landesregierung zur Genehmigung vorlegen will. Das Landesgesetz für Mobilität bündelt alle Mobilitätsnormen, ist EU-konform, zielt auf Einsparungen bei steigender Qualität und schützt regionale Wirtschaftskreisläufe. Der Landesmobilitätsplan wird das Planungs- und Programmierungsinstrument der Infrastrukturnetze und der Personenverkehrsdienste (Einzugsgebiete, Frequenz, Vertaktung, Ausschreibungen, Qualitätskriterien Nachhaltigkeit, Finanzbedarf usw.) für die nächsten zehn Jahre.

In Sachen öffentlicher Personennahverkehr sei das Land mit steigenden derzeit sehr gut unterwegs, freute sich Mussner. Auch der Ausbau der autofreien Verbindungen nach außen und von außen gehe voran, so der Landesrat. Inzwischen wurden die Weichen für eine künftige Elektrifizierung der Vinschger Bahn gestellt. Das 2015 mit der italienischen Betreibergesellschaft für das Schienennetz RFI abgeschlossene Rahmenabkommen bildet die Grundlage für die weitere Optimierung und den Ausbau des lokalen Bahnverkehrs, und zwar über den Bau der Riggertalschleife, den Ausbau Meraner Linie mit Potenzierung Sigmundskron-Terlan und der Möglichkeit weiterer Verdichtung des Bahnangebotes zwischen den Ballungszentren. Zu den derzeit 16 Flirt-Zügen, die in Südtirol über die Schiene rollen, sollen sieben neue Flirt-Züge, die derzeit in Produktion sind, dazukommen. Gefördert wird auch die Freizeitmobilität (Bus- und Bahn hin zu Ausflugszielen und Wintersportgebieten wie z.B. Skiexpresse).

Als moderne und klar strukturierte Verkehrspunkte, an denen alle „Fäden“ der Mobilität zusammen laufen, sollen sich laut Mussner die Mobilitätszentren in Bruneck, Brixen, Meran,  (im Visier auch Innichen, Sigmundskron, Klobenstein, Bozen) entwickeln.

Inzwischen seien, so der Landesrat, bereits einige Meilenstein in punkto grenzüberschreitender Mobilität gesetzt worden, um den Austausch mit den Nachbarländern zu fördern und als Zeichen „gelebter Euregio“ (Direktzüge Bozen-Innsbruck, Direktzüge Franzensfeste-Innichen-Sillian/Lienz, Grenzüberschreitende Buslinien: Santo Stefano, Timmelbus, Schweiz usw). Die Verhandlungen laufen für die stündliche Direktzüge Bozen – Innsbruck laufen. Im Visier hat Landesrat Mussner zudem  einige neue grenzüberschreitenden Vorhaben, zu denen teils bereits Studien gemacht werden, und zwar für die Bahnverbindungen Venetien-Cortina-Pustertal, Mals-Graubünden/Landeck und Vinschgau-Lombardei.

Gerade auch, was den Gütertransport anbelangt, ist laut Mussner ein Maßnahmenpaket zur Verlagerung von der Straße auf die Schiene in Umsetzung (intermodale Güterbeförderung, RoLa-Förderungen, Brennerbasistunnel, Zusammenarbeit in der EUREGIO, makroregionale EU-Strategie für den Alpenraum EUSALP usw.).

Bis 2030 soll sich Südtirol zu einer Modellregion für nachhaltige, alpine Mobilität entwickeln. Dafür will Landesrat Mussner Mobilität vernetzen und ganzheitlich planen, erneuerbare Energien anstelle von alternativen zu fossilen Treibstoffen nutzen, Elektromobilität und Fahrrad-Mobilität sowie wie die Seilbahnen als komfortable, umweltschonende und emissionsfreie Transportmittel und das gemeinsame Nutzen von Verkehrsmitteln (Carsharing) zu fördern. Auch die Kombination der Verkehrsmittel soll gefördert werden. „Augenmerk liegt auf dem Ausbau der Elektro-Mobilität“, sagt Mussner. Bis 2020 sollen mindestens 1000 Elektroautos in Südtirol verkehren. Es gilt somit, bis 2018 mindestens 30 Schnell-Ladestationen für E-Fahrzeuge errichten.

Vor einigen Monaten wurde die Arbeitsgruppe zur Green Mobility eingesetzt. Sie soll Strategien und Maßnahmen für nachhaltige Mobilität erarbeiten, deren Umsetzung überprüfen sowie Aktionen im Bereich koordinieren und die öffentlichen Verwaltungen beraten.

In meinem Ressort für Ladinische Bildung und Kultur, Denkmalpflege und Museen, Straßendienst und Mobilität arbeiten insgesamt 1368 Menschen mit, die angepeilten Meilensteine zu erreichen, ihnen allen gilt ein Dankeschön für ihre wertvolle Arbeit“, schloss Landesrat Mussner seine #halbzeit-Pressekonferenz.

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen