45-Jähriger sitzt im Gefängnis

Mordversuch: War B. B. zurechnungsfähig?

Mittwoch, 08. Juli 2015 | 12:00 Uhr

Meran – In Meran wurden am Montagvormittag dem 45-jährigen B. B. wegen Mordversuchs an seiner Ehefrau die Handschellen angelegt.

Das Ehepaar lebt seit einigen Wochen getrennt. Die Frau hat sich Medienberichten zufolge wegen wiederholter häuslicher Gewalt an die Ordnungskräfte gewandt und war seitdem mit ihren vier Kindern im Meraner Frauenhaus untergebracht.

Mit dieser Tatsache wollte sich der Mann offenbar nicht abfinden: Angeblich passte der Kosovare seine Frau, die mit dem Fahrrad unterwegs war, ab und fuhr sie mit seinem Auto an. Dabei wurde sie auf die Motorhaube und Windschutzscheibe geschleudert, die dabei zu Bruch ging.

Als die Frau auf dem Boden lag, schlug er noch minutenlang auf sie ein. Dabei sollen ihm folgende Worte über die Lippen gekommen sein: „Wenn ich eine Pistole hätte, würde ich dich erschießen.“ Schließlich wurde er von Anwohnern überwältigt.

Frau noch am Abend aus dem Spital entlassen

Glücklicherweise wurde die Mutter nicht schwer verletzt. Die alarmierten Rettungskräfte versorgten sie und brachten sie für weitere Kontrollen ins Krankenhaus. Noch am Montagabend konnte sie entlassen werden. Die Ärzte haben für ihre erlittenen Verletzungen eine Heilungsdauer von drei Wochen angegeben.

Termin vor dem U-Richter

Ihr Mann wurde hingegen von den Carabinieri wegen Mordversuchs festgenommen und ins Gefängnis überstellt. Jetzt gilt es zu klären, ob der Mann bei vollem Bewusstsein gehandelt hat oder die Tat die Folge eines Raptus war.

Am Donnerstag wird er dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Sein Rechtsbeistand, Fernando Pontecorvo, hat bereits angekündigt, dass sein Mandant vom Recht, die Aussage zu verweigern, Gebrauch machen wird. Die Staatsanwaltschaft wird aller Voraussicht nach beantragen, die Sicherungsmaßnahme gegen den Mann aufrecht zu halten.

War der 45-Jährige zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig?

Zudem unterstrich Rechtsanwalt Pontecorvo, dass B. B. nur seine Kinder habe sehen wollen und keine Mordabsichten hegte. Er geht auch davon aus, dass der 45-Jährige zum Zeitpunkt der Tat nicht zurechnungsfähig war, sondern ausgerastet ist.

Laut dem Tagblatt Dolomiten konnte er aber zumindest im Anschluss an die Tat klar denken. Laut seinem Anwalt habe er selbst die Carabinieri alarmiert

Schock im Frauenhaus

Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus befindet sich die Frau wieder im Frauenhaus. Dort wird sie gemeinsam mit ihren Kindern betreut, um den Angriff zu verarbeiten.

Zwar werden Frauen, die in der Einrichtung Schutz suchen, öfters von ihren Männern oder Lebensgefährten bedroht. Doch so gefährlich sei es noch nie gewesen, erklärt eine der Mitarbeiterinnen.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen, Burggrafenamt