"SHB-Obmann reduziert Realität auf ein simples Schwarz-Weiß-Bild"

Musikkapelle Zwölfmalgreien kritisiert Langs “Frontalangriff”

Mittwoch, 01. April 2015 | 11:05 Uhr

Bozen – Die Musikkapelle Zwölfmalgreien reagiert mit einer Aussendung auf die Kritik von Roland Lang, dem Obmann des Südtiroler Heimatbundes.

„Lang, hat infolge der Teilnahme der Musikkapelle Zwölfmalgreien an einer Veranstaltung der Alpini-Sektion Bozner Boden einen medialen Frontalangriff auf die Musikkapelle gestartet. Als demokratisch gesinnter Verein erkennen wir das Recht auf freie und auch kritische Meinungsäußerung an. Gemäß unseren Satzungen sind wir ein unpolitischer Verein, aber wir finden es verwerflich, dass auf diese Weise versucht wird, auf unsere Kosten politisch motivierte und ideologisch eingefärbte Grabenkämpfe neu anzufachen“, so die Musikkapelle.

„Zuallererst sei vorausgeschickt, dass am 22. März 2015 im Stadtteil Bozner Boden der traditionelle Kirchtag gefeiert wurde, in dessen Rahmen die Alpini ihren neuen Sitz im Premstallerhof einweihten: Diese Feier hat die ‚Böhmische’ der Musikkapelle Zwölfmalgreien unentgeltlich musikalisch umrahmt. Die Bewahrung der Tiroler Traditionen ist die wichtigste Aufgabe unseres Vereins. Darüber hinaus möchten wir aber auch zu einem friedlichen und respektvollen Zusammenleben aller Mitbürgerinnen und Mitbürger in Bozen beitragen. Wenn uns also ein Verein im Rahmen der Eröffnung seines neuen Sitzes in unmittelbarer Nähe unseres Probelokals freundschaftlich und sogar (fast) perfekt zweisprachig einlädt, an dieser Feier teilzunehmen, sind wir gerne bereit, dieser Einladung im Sinne einer guten Nachbarschaft nachzukommen“, erklärt die Musikkapelle Zwölfmalgreien.

„Wir erleben die Alpini-Sektion Bozner Boden seit Jahren als uns freundlich gesinnten Verein, der sich am gesellschaftlichen Leben dieses Stadtteils beteiligt, ohne auf sprachlichen oder kulturellen Unterschieden herumzureiten. Dies werten wir als Zeichen, dass sich in Bezug auf das Zusammenleben der Sprachgruppen hierzulande in den letzten 100 Jahren einiges verbessert hat. Gelegentliche gemeinsame Initiativen wie der Kirchtag oder das Stadtviertelfest empfinden wir als förderlich für ein friedliches MITeinander und werden uns auch künftig daran beteiligen“, heißt es weiter.

„Der Vorwurf, dass wir unseren Wahlspruch ‚Gott zur Ehr’, dem Bürger zur Freud, der Heimat zum Stolz’ nicht ernst genug nehmen und unsere Wurzeln vergessen würden, entbehrt jeglicher Grundlage: Es ist hinlänglich bekannt, dass wir seit Jahrzehnten eine Vielzahl von traditionellen Veranstaltungen wie Messfeiern, Prozessionen und Kirchtagen mitgestalten. Die historischen Fakten zur faschistischen und nationalsozialistischen Epoche in Italien und rund um die Annexion Südtirols sind uns sehr wohl bekannt und bewusst, genau so wie die Tatsache, dass deren Aufarbeitung ganz offensichtlich bis heute unzureichend erfolgt ist“, so die Musikkapelle.

Der Heimatbund-Obmann reduziere die Realität auf ein simples Schwarz-Weiß-Bild: Dies erleichtere es natürlich ungemein, pauschalisierende Aussagen zu treffen und Dinge nur aus einer einzigen Perspektive zu betrachten. „Unsere Welt ist jedoch glücklicherweise bunt und facettenreich. Selbstverständlich gibt es leider auch Dinge und Ereignisse, die dunkle Schatten auf die Gesellschaft und Geschichte werfen und die keinesfalls ignoriert werden dürfen. Es ist aber nicht die Aufgabe einer Musikkapelle, die geschichtliche Aufarbeitung einer Epoche voranzutreiben, die ganz Europa und dessen Geschichte im 20. Jahrhundert entscheidend geprägt hat“, unterstreicht die Musikkapelle Zwölfmalgreien.

Die Musikkapelle betont, dass man lediglich zur Presseaussendung des SHB Stellung genommen habe. Man wolle sich auch weiterhin nicht auf politische und ideologische Diskussionen einlassen.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (28.3.2015)

Scharfe Kritik am Ausschuss der Musikkapelle Zwölfmalgreien übt der Südtiroler Heimatbund. „Die Einweihung des neuen Sitzes der Alpini am Bozner Boden und der Kirchtag am 22. März haben anscheinend zur Verbrüderung der Musikkapelle mit den italienischen Alpini geführt. Bereits die Ankündigung für die anscheinend gemeinsame Veranstaltung mit grünweißrot eingerahmten Plakaten ist bezeichnend. Man sieht, wohin das Pendel ausschlägt“ , so Obmann Roland Lang.

„Sicher haben jene Alpini, die in den hiesigen Alpinigruppen zusammengeschlossen sind, nichts mit den Geschehnissen im Ersten Weltkrieg oder mit den Kriegsverbrechen in Abessinien und Russland zu tun. Sie tragen keine Schuld, aber sie tragen die Verantwortung der Aufarbeitung und Erinnerung, der sie in keiner Weise gerecht werden. Im Gegenteil! Und solange sich die Alpini nicht für bzw. von ihrer faschistischen Vergangenheit und den grausamen Kriegsverbrechen in Afrika entschuldigen bzw. distanzieren, bleiben sie immer ein Teil des Faschismus“, erklärt Lang.

„Auch die lokale Alpini-Vereinigung ist auch heute noch auf ihre faschistische Vergangenheit stolz: Ein Blick auf die lokale Internetseite der Alpini genügt. Dort erklären die Verantwortlichen, dass ihre Organisation zusammen mit dem Siegesdenkmal im Jahre 1928 entstanden ist und die Alpini immer als die Hüter der Unrechtsgrenze angesehen wurden bzw. sich dafür eingesetzt haben. Nicht zu vergessen sind auch die „Einsätze“ der Alpini in den sechziger Jahren“, so der SHB.

„Es bleibt zu hoffen, dass die Musikkapelle Zwölfmalgreien ihren Wahlspruch  „Gott zur Ehr, dem Bürger zur Freud und der Heimat zum Stolz!“ wieder mehr beherzigt und sich nicht mehr für italienische Feste einspannen lässt. Denn zu einem Alpini Hut passt keine Tiroler Tracht“, meint Lang abschließend.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen