Rätselhafte Krankheit stürzt Freiberufler in die Armut

Notleidende Familie: “Wurden von Organisationen unterstützt”

Donnerstag, 02. April 2015 | 13:09 Uhr

Schenna – Um nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, dass er und seine Familie nach dem Schicksalsschlag im Jahr 2012 von niemand unterstützt wurden, hat sich der frühere Freiberufler Alvin Perkmann, dessen Leben nach einer rätselhaften Krankheit aus der Bahn geraten war, dazu entschlossen, eine weitere Stellungnahme abzugeben.

„Als die Krankheit im Mai 2012 ausgebrochen ist, und wir in den verschiedenen Krankenhäusern unser Glück zwecks meiner Krankheit versuchten und ich nicht mehr arbeiten konnte, haben uns die Bewohner der Gemeine Schenna, Verdins und Obertall mit verschiedenen Mittel unterstützt. Auch die Gemeinde Schenna hat uns in dieser Zeit nicht im Stich gelassen und uns finanziell im Bereich Schule – zum Beispiel Auspeisung und Kindertransport unterstützt. Ich hatte das Glück, in der schwierigen Zeit, Hilfe von der Caritas, vom Bäuerlichen Notstandsfond und von verschiedenen Organisationen zu bekommen“, unterstreicht Perkmann.

„In dieser Zeit ging alles drunter und drüber, wir hatten kein Einkommen mehr, die Krankheit hatte keine Definition, Invalidengeld und Pflegegeld bekamen wir auch erst nach einer Zeit, als eine provisorische Diagnose gestellt wurde“, Wie Perkmann gegenüber Südtirol News erklärt, zahlten die abgeschlossenen Versicherungen nicht, da eine Krankheit ohne Diagnose nicht im Reglement der Verträge steht.

„Unser Auto ging plötzlich kaputt. Wir wohnen auf dem Berg, ohne Auto kommt unsere Familie einfach nicht aus. Unsere Geldreserven waren in die Raten des Hauses aufgegangen. Nur mithilfe des Bäuerlichen Notstandfonds und der Caritas konnten wir dieses Problem lösen. Organisationen haben uns geholfen, Strom zu bezahlen, wir bekamen Kleider und Schuhe. Unser Pfarrer hilft uns auch, eine Lösung für unsere Wohnsituation zu finden. Ich bekräftige hiermit meine größte Dankbarkeit an alle, die uns bis jetzt unterstützt haben und unterstützen werden“, so Perkmann.

Alvin Perkmann distanziert sich von den Beschimpfungen und negativen Bemerkungen gegenüber dem Land und deren Organisationen.

„Auch möchte ich klarstellen, dass es mir nicht leicht fiel, diesen Hilferuf über die Medien starten zu lassen. Denn ich möchte niemanden betteln, unsere Schulden zu tilgen oder unser Haus zu retten. Aber als die Idee und Empfehlung von außen und von mehreren Orten kam, habe ich mich dazu durchgerungen, da wir, wie es scheint, wirklich in einer sehr blöden Situation sind: Aufgrund der Art und Häufigkeit meiner Anfälle brauche ich eine 24-Stunden-Betreuung, da ich mich schwer verletzen kann und teilweise im Anfall mich auch selbst verletze. Eine Sozialwohnung können wir leider nicht bekommen, da in der Gemeinde Schenna alle Sozialwohnungen bereits vergeben sind, und außerhalb der Gemeinde das aktuelle Gesetz nicht vorsieht, dass wir eine Sozialwohnung bekommen. Das Hilfsprojekt des Landes greift in unserem Fall nicht, da ich auch Firmenschulden habe und der Wert des Hauses nicht ausreicht, um alles zu tilgen. Und die Versicherungen zahlen nicht, weil meine Krankheitsdiagnose keine Hilfe vorsieht. Trotzdem bin ich aber 100 Prozent Invalide und Pflegefall. Auch die Politik hat sich unsere Probleme angehört, konnte aber bis jetzt keine Möglichkeit finden, uns innerhalb der gesetzlichen Parameter zu helfen“, schreibt der Familienvater.

Seine Bitte um Hilfe richtet sich an alle, die ihm vom Herzen gerne helfen möchten, „denn“, so wie er sagt,  „ich/wir haben uns diese Situation nicht ausgesucht, noch sind wir stolz darauf. Man kann mir auch vorwerfen, dass ich zum Teil selbst Schuld daran bin. Aber ich kann selbst im Moment nichts machen, um meiner Familie die nötige Grundsicherheit zu bieten. Deshalb nehme ich allen Mut zusammen und bitte herzlichst: wer möchte, bitte helft uns“, so Perkmann.

WAS BISHER BERICHTET WURDE  (1.4.2015)

Alvin Perkmann stand eigentlich eine idyllische Zukunft bevor – bis eine rätselhafte Krankheit sein Bilderbuchleben und das seiner sechsköpfigen Familie aus den Fugen warf. Das Problem dabei ist: Das Geld reicht hinten und vorne nicht.

Seit 2007 wohnt die Familie in Obertall bei Schenna in einem Reihenhaus, nachdem sie aus Meran umgezogen war, weil sich vor zehn Jahren eine Möglichkeit bot, beim geförderten Wohnbau in Obertall mit zu bauen. Dadurch kam die Familie günstig an eine eigene Wohnung. Die vier Kinder von Alvin Perkmann, die zwischen fünf und zwölf Jahre alt sind, und seine Frau fühlen sich wie er hier zu Hause.

Doch dann wurde alles anders: Aufgrund seiner schweren Krankheit, die Alvin Perkmann im Mai 2012 überrumpelte, musste er seine selbstständige Tätigkeit aufgeben. „Ich war im IT-Sektor mit meiner Firma tätig, spezialisiert im Bereich Netzwerk und Telekommunikation. Meine Mitarbeiter musste ich entlassen, Kundenprojekte konnte ich nicht mehr abschließen, Lieferanten nicht mehr bezahlen. Auch die Zahlung der Raten für das Haus musste ich Ende 2012 einstellen. Nun kommt es am 6. Oktober dieses Jahres zur Zwangsversteigerung unserer Immobilie“, erzählt Perkmann.
 
Die Krankheit begann im Mai 2012 mit einer Lungenentzündung, welche sich erfolgreich behandeln ließ. Während der Therapie traten allerdings Kopfschmerzen und starker Drehschwindel auf. „Anfangs dachten der Hausarzt und ich, dass dies Nebenwirkungen der Behandlung seien. Die Lungenentzündung heilte aus, Kopfweh und Drehschwindel blieben und wurden wöchentlich schlimmer“, so Perkmann.

Im November 2012 hatte er plötzlich schwere Probleme beim Gehen und ab Dezember 2012 bekam er plötzlich mehrmals am Tag Bewusstseinsstörungen. „Diese Bewusstseinsstörungen kommen immer wieder ohne Vorzeichen, lassen mich entweder erstarren oder zusammensacken. In der Zeit des Anfalls bin ich ohne Bewusstsein. Da diese Bewusstseinsstörungen in jeder Lebenslage ohne erkennbares Muster auftreten, passiert es immer wieder, dass ich schwer stürze und mich meistens am Kopf verletze. Aufgrund der Stürze, musste ich öfters in der Ersten Hilfe behandelt werden. Daher krabble ich zu Hause nur mehr auf allen Vieren und außer Haus bewege ich mich nur mehr mit einem Rollstuhl fort“, berichtet Perkmann.

Seine Frau kann auch nicht arbeiten gehen, da sie auf die vier Kinder und jetzt auch noch auf ihren Mann den ganzen Tag aufpassen muss. Mittlerweile braucht Alvin Perkmann eine 24-Stunden-Betreuung.

Die Anzahl der Anfälle bewegen sich zwischen 25 und 40 pro Tag mit unterschiedlicher Dauer. Die Anfälle können fünf Minuten, aber auch mehrere Stunden anahlten. Perkmann wurde mittlerweile 100-prozentige Invalidität zuerkannt.
 
„Wir bestreiten unseren Lebensunterhalt mit der Invalidenrente und dem Pflegegeld der Stufe drei, doch kommen wir damit kaum über die Runden. Das Pflegegeld brauchen wir für die Fahrten jeden Tag zu den verschiedenen Therapien und vielfach für Privatärzte – auch im Ausland. Anfangs war ich in den Krankenhäusern in Meran, Brixen, Bozen, Pisa, Bruneck und dann über zwei Monate in Innsbruck“, berichtet der Mann.

Nach langem Hin und Her wurde von den Ärzten eine „dissoziative Störung mit schweren Gangstörungen“ diagnostiziert. Bis jetzt konnte keine Therapie und medikamentöse Behandlung eine erkennbare Besserung bringen. Im Gegenteil, die Anzahl und die Stärke der Anfälle haben sich sogar wesentlich erhöht.

Auch die finanziellen Probleme bleiben. „Das Hilfsprojekt des Landes, in welchem das Wohnbauinstitut das Haus vor der Versteigerung kauft und die Schulden tilgt, ist in unserem Fall nicht umsetzbar, da ich auch Firmenschulden habe und der Wert des Hauses nicht alle Schulden abdeckt“, so Perkmann.

Obwohl die Familie Anrecht auf eine Sozialwohnung hätte, fällt auch diese Lösung flach, da in Schenna keine Sozialwohnungen frei sind und auch nächster Zeit keine gebaut werden. „Es ist gesetzlich nicht vorgesehen, dass wir außerhalb der Gemeinde Schenna eine Sozialwohnung beziehen können. Ich habe mehrmals mit dem Wohnbauinstitut und dem zuständigen Landesrat Kontakt aufgenommen, um nach einer Lösung zu suchen. Es konnte bis heute keine Lösung gefunden werden. Eine Wohnung mit normaler Miete können wir uns aber trotz Mietzuschuss nicht leisten“, berichtet Perkmann über seine verzweifelte Lage.

Die Familie hat sich nun an mehrere Medien gewandt und ein Spendenkonto eingerichtet, wobei sie auf die Unterstützung in der Bevölkerung hofft.

Spendenkonto Fam. Perkmann

Raiffeisenkasse Schenna
Kontonummer: 000300243116
IBAN: IT26C 08234 58880 000300243116
SWIFT-BIC: RZSBIT21033

Von: ©mk

Bezirk: Burggrafenamt