Einvernehmensprotokoll zur Aufwertung des Stilfser Jochs unterzeichnet

“Nur ein Eisenbahntunnel denkbar”

Montag, 27. Juli 2015 | 15:40 Uhr

Stilfser Joch – Landeshauptmann Arno Kompatscher hat heute im Rahmen einer Tagung der Region Lombardei gemeinsam mit deren Präsidenten, Roberto Maroni, das Einvernehmensprotokoll zur Aufwertung des Gebiets am Stilfser Joch unterzeichnet. Die Machbarkeit einer Tunnelverbindung unter dem Joch soll geprüft werden. "Für uns ist aus heutiger Sicht nur ein Eisenbahntunnel denkbar", so Kompatscher.

Die Aufwertung durch eine nachhaltige Entwicklung, Qualitätstourismus und eine wirtschaftliche Aufwertung unter Wahrung des Umweltschutzes: Das sind die Ziele, die im Einvernehmensprotokoll festgehalten sind. Es wurde im Rahmen einer Tagung heute am Stilfser Joch unterzeichnet. Landeshauptmann Arno Kompatscher unterstrich die Bedeutung des Stilfser Jochs. "Eine Zusammenarbeit bei der Führung des Parks wird jetzt noch besser funktionieren als vorher, weil sie nicht vom Staat auferlegt ist, sondern von den betreffenden Gebieten gewollt", sagte er bei der Tagung mit Roberto Maroni, dem Landeshauptmann des Trentino, Ugo Rossi, Ugo Parolo Untersekretär der Lombardei, und dem Präsidenten des Grenzgemeindenfonds, Roger De Menech.

Gemeinsame Strategien, auch für die Nutzung des Grenzgemeindenfonds, seien wichtig für die Weiterentwicklung des Gebiets, von denen nicht nur einzelne Gemeinden profitieren könnten, sondern die gesamte Region. Dies sei durch die neue Verwaltung des Grenzgemeindenfonds einfacher geworden. 80 Millionen Euro jährlich stehen zur Verfügung, die zum Teil für die Vorhaben einzelner Gemeinden genutzt werden; aber über 55,5 Millionen jährlich stünden für übergemeindliche und überregionale Projekte zur Verfügung, rechnete Roger de Menech vor: "Das ist eine große Chance, verantwortungsvoll und autonom für die Entwicklung eines Gebiets zu sorgen."

Ein weiteres Anliegen ist es, die Stilfser-Joch-Straße als technisches UNESCO-Weltkulturerbe anerkennen zu lassen, kündigten Kompatscher und Maroni an.Das heutige Treffen sei von großer Bedeutung, weil es auch im Hinblick auf den Start der Makroregion EUSALP im kommenden Jahr wegweisend für die Zukunft sei, meinte Maroni. Ab 1. Jänner 2016 werden acht italienische und insgesamt 48 Regionen innerhalb des Alpenbogens in einer Makroregion für gemeinsame Ziele und die gemeinsame Nutzung von EU-Geldern zusammenarbeiten

Teil des Einvernehmensprotokolls ist eine Machbarkeitsstudie für eine dauerhafte und ganzjährig nutzbare Verbindung, um das Stilfser Joch aufzuwerten. "Entscheidungen werden nur mit Einbeziehung der Gemeinden und Zuständigen vor Ort passieren", erklärte Roberto Maroni. Deshalb werde eine Zugverbindung angestrebt, kein Straßentunnel. "Wir haben bereits eine Weiterverbindung nach Bormio angedacht", so Maroni. "Wir denken auf jeden Fall an eine Zugverbindung und ziehen diese Möglichkeit vor", unterstrich auch Landeshauptmann Kompatscher. Es gehe in der Studie vor allem um die technische Machbarkeit und um die möglichen Auswirkungen auf die Umwelt auszuloten, erklärte der Landeshauptmann.

BISHER (Wird das Stilfserjoch untertunnelt?)

Auf einer Tagung auf dem Stilfserjoch, an der Landeshauptmann Arno Kompatscher und der Präsident der Lombardei, Roberto Maroni teilnehmen, wird auch ein Einvernehmensprotokoll unterzeichnet, das die Aufwertung des Stilfserjoch-Gebietes zum Ziel hat.

Im Gespräch ist diesbezüglich ein Straßentunnel unter dem Stilfserjoch. Die Lombardei will laut Medienberichten mit den Geldern aus dem Grenzgemeindenfonds eine Studie zur Untertunnelung des Stilfserjochs finanzieren. Unklar ist dabei, ob es sich um einen Straßen- oder einen Eisenbahntunnel handeln würde.

Der Dachverband für Natur- und Umweltschatz und die Umweltschutzgruppe Vinschgau warnen aber vor einem Tunnel unter dem Stilfser Joch. Dadurch würde die Verkehrsbelastung im Vinschgau steigen. Die Konsequenzen für die Bevölkerung, die Landwirtschaft und den Tourismus wären negativ.

Die Umweltschützer fordern Landeshauptmann daher in einem offenen Brief dazu auf, diesen Punkt aus dem Einvernehmensprotokoll zu streichen. Die direkte Anbindung an die Rhätische Bahn in der Schweiz sei für den Vinschgau prioritär.

Auch die Fünf-Sterne-Bewegung ist gegen eine Finanzierung der Studie zum Stilfserjoch-Durchstich mit Landesgeldern und verweist auf dringendere Projekte, wie die Umfahrung von Bozen oder das dritte Bahngleis im Unterland.

Von: ©lu/lpa

Bezirk: Bozen, Vinschgau