Das Thema Betteln wird in Südtirol kontrovers diskutiert

oew: “zebra.-Verkauf ist keine Bettelei”

Freitag, 10. Juli 2015 | 15:26 Uhr

Bozen – Seit einigen Tagen wird das Thema Betteln in Südtirol kontrovers diskutiert. Die Straßenzeitung zebra. ist eine Möglichkeit, aus dem Kreislauf des Bettelns auszusteigen. Sie schafft Verkäufern einen Zugang zur Südtiroler Arbeitsrealität, gibt die Organisation für Eine solidarische Welt oew zu bedenken.

Sie gibt die Straßenzeitung zebra. seit Jänner 2014 zweimonatlich heraus, am 1. Juli 2015 ist die zehnte Ausgabe erschienen. Wurde sie anfangs in einer Auflage von 5.000 gedruckt, ist sie inzwischen auf 15.000 Exemplare angewachsen.

Die aktuelle Ausgabe der Straßenzeitung wird von 40 registrierten Verkäuferinnen und Verkäufern in ganz Südtirol vertrieben. Die Organisation für Eine solidarische Welt oew stellt klar, dass der Verkauf der Straßenzeitung zebra. „keine Bettelei ist“. Gleichzeitig gibt die Organisation zu bedenken, „dass in Südtirol die Armut zunimmt. Bettelverbote ersetzen nicht das Recht der Südtiroler Bürger selbst zu entscheiden, ob sie Bettlern Geld, Zeit oder ein Gespräch schenken möchten.“

„Die Armut in Südtirol nimmt zu: Immer mehr Menschen sind arbeitslos oder kommen mit dem Einkommen nicht über die Runden. zebra. bietet Menschen, die durch alle Raster fallen, eine Einkommensmöglichkeit auf Augenhöhe, die ihnen ansonsten verwehrt bliebe. Potentielle Käufer können das Produkt annehmen oder ablehnen. Sie werden nicht angebettelt, sondern bekommen um zwei Euro eine Zeitung mit Informationen, die ein gutes Miteinander in Südtirol fördern“, so die oew.

„Die Verkäufer von zebra. betteln nicht“, erklärt der Vorsitzende der oew Philipp Frener. Der Verkauf der Straßenzeitung sei für sie ein erster Zugang zu Arbeit. zebra. biete Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein wertvolles Produkt an, das ihnen Selbstvertrauen, Anerkennung und Würde gibt.

„Die Verkäufer sind engagiert und stolz auf ihr Produkt“, sagt Frener. Es habe zwar einzelne Fälle von Beschwerden gegeben, wo sich Straßenverkäufer nicht an die Richtlinien der oew gehalten und mit der Zeitung gebettelt hätten. Aber die oew nehme solche Rückmeldungen ernst und habe vereinzelt auch den Ausweis abgenommen, erklärt der Vorsitzende des Vereins. Frener ergänzt: „Die Verkaufenden müssen sich jederzeit mit einem gut sichtbar angebrachten Ausweis der oew ausweisen können.“

Straßenzeitungen haben sich international bewährt. zebra. ist Teil des internationalen Straßenzeitungsnetzwerkes „International network of streetpapers“ INSP, welches weltweit rund 100 Straßenzeitungen in 40 Ländern vernetzt. Es wurde 1994 auf Initiative der Londoner Straßenzeitung "The Big Issue" gegründet. Das Netzwerk hat es sich zum Ziel gesetzt, gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen und sozial ausgegrenzte Menschen zu unterstützen.

Die oew, Organisation für Eine solidarische Welt, ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation mit Sitz in Brixen, Milland. Die Organisation ist aus der Idee heraus geboren, Projekte im Süden der Welt zu unterstützen. Ihr Aktionsradius hat sich im Lauf der Zeit ausgeweitet, geblieben ist die Vision: in einer Welt zu wohnen, in der alle Menschen gut leben.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen