Jugend stellt Forderungen an den Landesrat

Offener Brief: Südtirols Zukunft #neudenken – heute für morgen!

Dienstag, 01. September 2015 | 18:12 Uhr

Bozen – Im Zuge der aufflammenden Diskussion über die doppelte Staatsbürgerschaft und über die allgemeine Zukunft Südtirols beschlossen mehrere junge engagierte Südtiroler aus Politik und Gesellschaft, gemeinsam einen überparteilichen Brief an den Landesrat für Deutsche Bildung und Kultur und für Integration, Philipp Achammer, zu senden. Darin heißt es:

Sehr geehrter Herr Landesrat,

seit der Streitbeilegung im Jahre 1992 hat sich in Südtirol autonomiepolitisch kaum etwas verändert. Während andere Regionen Europas, ob Schottland, Katalonien, Flandern oder auch Venezien, konkrete Visionen für ihr Heimatland entwickeln und politischen Druck ausüben, herrscht in Südtirol politischer Stillstand. Immer neue Abkommen mit Italien, die von Italien ständig wieder gebrochen und in Frage gestellt werden, sind weder bleibende Lösungen für Südtirol und schon gar nicht eine Südtirol-Politik im Sinne der geistigen und politischen Väter unserer Südtirol-Autonomie.

Im Jahr 2020 jährt sich die Annexion Südtirols durch Italien zum 100. Mal. Kein Volk kann auf Dauer in einem fremden Staat überleben. Ständig muss es sich wehren und seine Rechte behaupten, bis es die Kraft zur Verteidigung seiner Identität verliert und dann vom fremden Staat aufgesaugt wird.

„Südtirols Zukunft #neudenken“ bedeutet heute, in Südtirol im Jahre 2015, dass auf politischer Ebene endlich auch Zukunftsmodelle ergebnisoffen und>, die über diese heutige Südtirol-Autonomie und über Italien hinausreichen. Eine bleibende und definitive Lösung für Südtirol kann nur darauf hinauslaufen, dass das Südtiroler Volk endlich nach seinem Volkswillen befragt und dass dieser im Sinne des Selbstbestimmungsrechtes der Völker durchgesetzt wird.

Sehr geehrter Herr Landesrat!

Sie sind als junger Politiker mit einem neuen politischen Stil angetreten und haben eine ergebnisoffene Diskussion um Südtirols Zukunft versprochen. Sie stehen als Landesrat für das junge Südtirol und für eine neue Generation. Ihr Motto ist bekanntlich „neudenken“. Deshalb fordern wir, dass Sie die alten Gräben zuschütten und zum Wohle des Landes endlich die Jugend richtig einbeziehen.

Wir möchten einbezogen werden, deshalb wünschen wir uns konkret eine Arbeitsgruppe zur Zukunftsfrage unseres Landes! Wir sind die Bürger von morgen und möchten heute über unsere Zukunft mitentscheiden. Lassen wir die Vergangenheit ruhen und suchen nach Gemeinsamkeiten, anstatt uns gegenseitig zu „zerfleischen“.

Es wäre zudem ein Zeichen von echtem europäischem Geist und von Fortschritt in der Südtirol-Politik, wenn die Südtiroler bis zum Jahre 2018 über eine österreichische Staatsbürgerschaft verfügen würden. Setzen wir uns gemeinsam dafür ein, dass die Parteien in Österreich einen Konsens für Südtirol suchen und finden. Gerade im Europa von morgen muss es möglich sein, dass eine deutsch-ladinische Minderheit auch über die österreichische Staatsbürgerschaft verfügen darf.

Wir als junge Südtiroler ersuchen Sie, alles Mögliche zu versuchen und zu unternehmen, um diese Ziele in der Südtirol-Politik zu erreichen. Wir fordern ein „Neudenken“, das über die Südtirol-Autonomie hinausgeht. Wir erwarten uns Einsatz und Herzblut, sowie einen neuen politischen Stil, bei dem das Südtiroler Volk mitentscheiden darf. Die drängenden Fragen nach der politischen Zukunft unseres Landes dürfen nicht mehr länger aufgeschoben und den Südtirolern vorenthalten werden, vor allem nicht der Jugend.

Südtirols Zukunft #neudenken – heute für morgen!

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung und verbleiben mit freundlichen Grüßen,

Benjamin Pixner, Kastelbell-Tschars

Michael Demanega, Salurn

Stefan Taber, Lana

Alexander Wurzer, Bozen

Hannes Zingerle, Vintl

Natascha Santer Naturns

Hannes Innerhofer, Gargazon

Stefan Zelger, Tramin

Simon Auer, Gais

Christoph Mitterhofer, Meran

Matthias Hofer, Olang 

Isidor Hölzl, Rasen-Antholz

Peter Gruber, Lana

Tamara Gurschler, Schnals

Lukas Pfeifer, Eggen

Benjamin Theiner, Naturns

Dietmar Rainer, Naturns

Von: ©ka