PAN Italia zieht Bilanz

Pestizide: “Südtirol noch immer kein Vorreiter”

Montag, 07. September 2015 | 08:31 Uhr

Bozen – Am 1. Juli 2014 hat die Südtiroler Landesregierung unter Federführung von Landesrat Arnold Schuler neue Vorschriften im Bereich der Verwendung von Pestiziden erlassen. „Das Versprechen, italienweit bzw. europaweit eine Vorbildfunktion und Vorreiterrolle einzunehmen, hat sich nach einem Jahr noch nicht bewahrheitet“, erklärt Koen Hertoge, Vorstandsmitglied von Pan Italia in einer Aussendung. De Vereinigung zieht nach rund einem Jahr Bilanz. Es sei Landesrat Arnold Schuler sicher hoch anzurechnen, dass er damals so schnell eine längst fällige Gesetzesinitiative gestartet hat. Allerdings seien bei diesem Gesetzesdekret Mängel und auch Mutlosigkeit festzustellen, kritisiert PAN Italia.

Die neue Vorschriften im Bereich der Verwendung vom Pestiziden stellten nicht mehr als eine sprachliche Übersetzung des Nationalen Aktionsplanes (NAP) dar. Auf dies habe PAN-Italia bereits in Juli 2014 hingewiesen. „Auch das Vorsorgeprinzip wurde nicht in seiner weitreichenden Bedeutung berücksichtigt, und die Bevölkerung bleibt die Leidtragende. Es wurden vor allem die wirtschaftlich-finanziellen Interessen und Forderungen der sogenannten konventionellen Landwirtschaft (vor allem im Obstbau) geschützt und sogar noch verstärkt. Wenn schon wirtschaftliche Interessen geschützt werden sollen, wäre gerade die biologisch arbeitende Landwirtschaft zu schützen, weil die Erweiterung der konventionellen Landwirtschaft ihre Existenz gefährdet. Die Situation bei den biologisch arbeitenden Landwirten hat sich nicht wesentlich verbessert – ganz im Gegenteil. Mehrere Proben haben gezeigt, dass trotz neuer Richtlinien, das Problem der Abdrift und der Pestizid-Rückstände nicht gelöst wurde. Gerade das Beispiel des Kräuterschlössl in Goldrain zeigt jedoch, dass trotz eindeutiger Beweise (Fotoaufnahmen, Videoaufzeichnungen usw.), und einer scheinbar klaren Gesetzeslage, bis jetzt bei Verstößen mit einer Ausnahme kaum Sanktionen ausgesprochen wurden. Dafür musste der Latscher Bürgermeister Helmut Fischer – selber auch Obstbauer – herbe Kritik von einigen Obstbauern hinnehmen“, so PAN  Italia.

„Auch in diesem Jahr konnte man in Südtirol immer wieder beobachten, dass die Sprühnebel die Zielfläche weit verfehlten, und bis zu 30 Meter überstiegen. Diese für den Menschen, und vor allem Kinder, schädlichen Pestizide blieben dann nicht nur auf den Grundstücken der Obstbauern, sondern werden kilometerweit Richtung Spielplätze, Fahrradwege, Schulhöfe, biologisch bearbeitete Flächen, Wohnungen, Hausgarten (sprich: sensible Zonen) verfrachtet. Auch die Luft in Südtirol wird über Monate mit Pestizide kontaminiert“, fügt PAN Italia hinzu.

PAN-Italia legt der Südtiroler Landesregierung und insbesondere Landesrat Schuler nahe, einige wesentliche Punkte (z.B. bessere Schutz der Bevölkerung, genauere Definition abdriftmindernder Massnahmen, Sanktionen, usw.) zu überarbeiten.

Aber auch der Bauernbund, Beratungsring, Laimburg, Obstgenossenschaften und konventionelle Bauern sollten ihre gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit Pestiziden und die Auswirkungen auf der Gesundheit der Bevölkerung und Umwelt ernster nehmen, betont PAN Italia abschießend.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen