Selbstauferlegte political correctness bedrohe die Pressefreiheit

Pöder: „Antidiskriminierung ist die neue Zensur“

Samstag, 12. September 2015 | 18:24 Uhr

Bozen – Für Andreas Pöder (BürgerUnion) kommt „die neue Zensur und wohl auch die neue Diktatur in subtiler Form daher, verkleidet als ‘Antidiskriminierung’ und ‘political correctness’.“ Subtil sei diese Form der Zensur deshalb, weil sie als ‘gute’ Selbstregulierung der Medien verkauft werde. Es werde mehr oder weniger sanfter Druck von Mainstream-Meinungs- und Antidiskriminierungswächtern ausgeübt, dem immer seltener Widerstand geleistet wird.

 „Bei uns gibt es die selbsternannten, oft aber auch beamteten und nicht selten berufsmäßigen Antidiskriminierungswächter, die mit der Antidiskriminierungskeule niemanden verletzen, dafür aber Meinungs- und Pressefreiheit erschlagen“, kritisiert Pöder. „Heute wird einfach die Verbindung zwischen Relevanz und Diskriminierung hergestellt und schon ändert sich die Berichterstattung, fallen Informationen weg und werden Meldungen gefiltert oder unterschlagen. Man solle bitteschön bei Meldungen über einen Einbruch oder über andere Delikte nicht das Herkunftsland des mutmaßlichen oder auch später verurteilten Täters nennen, vor allem dann nicht, wenn es sich um einen Zuwanderer handelt. Diese Nennung sei für die Meldung nicht relevant und gleichzeitig diskriminierend.“

Nach dieser Logik sei der gesamte Bericht nicht relevant, so Pöder. Die Zeitungen und Nachrichtensendungen wären sehr dünn, wenn man die Frage nach der Relevanz diskutieren und einige wenige darüber entscheiden ließe. „Ein simpler Wohnungseinbruch in Bruneck ist tatsächlich nicht relevant für einen Meraner, ja nicht einmal für einen Brunecker, der nicht gerade im selben Haus lebt. Dieser Einbruch ist für niemanden wirklich lebensverändernd, außer für den Bestohlenen, die Täter und indirekt für die herbeigerufenen Ordnungskräfte. Wenn Relevanz ein objektives Kriterium der Berichterstattung wird, das von Außenstehenden festgelegt werden darf, dann wird der Beruf des Journalisten bald ein sterbender Beruf sein“, meint Pöder.

 „Es ist also nicht relevant, ob ein Täter Einheimischer, Lananer, Bozner, Albaner oder Österreicher ist? Kann sein. Dann ist es auch nicht von Bedeutung, ob es sich um eine Täterin oder einen Täter handelt (Genderdiskriminierung). Auch die Herkunft des Opfers ist nicht von Bedeutung, der Ort der heimgesuchten Wohnung, nicht einmal der genaue Zeitpunkt und auch nicht die Beschaffenheit des Diebesgutes (Privacy!).

Also bliebe folgende Meldung übrig: ‘Irgendwo, ist irgendwann irgendetwas passiert und irgendjemand ist davon betroffen während irgendjemand verhaftet wurde.’“, so Pöders Argumentation. „Es kann auch gefragt werden, warum die Nationalität eines mutmaßlichen oder überführten Täters publiziert werden soll. Gegenfrage: Warum nicht? So lange die Meldung stimmt und nicht erfunden ist, darf der Leser sich immer noch jene Meinung bilden, die er für richtig hält.“

Heute gehe man zunehmend in jene Richtung, in der man im Zweifel Zensur oder Selbstzensur übe. „Ich denke, dass freier Journalismus im Zweifel berichten sollte, so lange die berichteten Umstände wahr sind.“ Es sei für die Berichterstattung sehr wohl relevant, ob eine bestimmte Zahl von Delikten von einer bestimmten Nationalität bzw. von Ausländern oder Einheimischen verübt werde. Nur in einer tendenziösen, der modernen Zensur unterzogenen Berichterstattung würden solche Meldungen unterschlagen, so Pöder.

Von: (c) mh