"Führung des FAS unter der Fuchtel der SVP?"

Pöder: “Filmförderung muss überarbeitet werden”

Samstag, 06. Juni 2015 | 16:41 Uhr

Bozen – Als "eigenartige Reaktion" bezeichnet der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion, Andreas Pöder, die Aussendung des Verbandes der Filmschaffenden Südtirols zu seinem Beschlussantrag für die Neuordnung der Südtiroler Filmförderung.

"Ich habe doch mit dem Verband nichts am Hut. Mir geht es um die Sache, dieses Verbandsdenken liegt mir seit jeher fern. Die komische Reaktion der Verbandsführung lässt sich vielleicht so erklären: Entweder die Verbandsführung steht unter der Fuchtel der SVP oder sie hat ein gestörtes Verhältnis zur Demokratie. Oder die Verbandsführung  muss dem Kulturlandesrat und SVP-Obmann Achammer zeigen, dass man immer brav bei der Stange bleibt", so Pöder. "Wie auch immer, als gewählter Abgeordneter frage ich nicht irgendeine Verbandsführung, ob ich im Landtag eine politische Initiative unternehmen darf oder nicht", so Pöder.

„Ich bleibe dabei, die Filmförderung in Südtirol muss neu definiert werden. Bereits bei der Einführung der Filmförderung in der derzeitigen Form mit dem Finanzgesetz 2011 habe ich die reine Wirtschaftsorientierung und Ausrichtung der Filmförderung kritisiert. Damals haben wir eine klare Stellungnahme eines Verbandes für eine bessere Filmförderung sehr vermisst. In der Folge wurde ich wiederholt auch von Filmschaffenden und Künstlern auf die falsche Praxis und den oft mangelnden Südtirolbezug sowie die mangelnde Miteinbeziehung  Südtiroler Filmemacher oder Schauspieler aufmerksam gemacht. Und  vor über einem Jahr habe ich wiederum einen Antrag zur Neuregelung der Filmförderung in Südtirol gestellt, der von der SVP abgelehnt wurde", so Pöder.

Pöder unterstreicht, dass er den Beschlussantrag vor kurzem wieder im Landtag zur Behandlung vorgelegt hat. „Künftig sollte die Förderung nur mehr für Filme mit eindeutigem Südtirolbezug erfolgen. Auch Kunst und Kultur soll bei der Filmförderung mehr im Zentrum stehen als bisher.“

Wie Pöder erklärt, wurden in den drei Jahren von 2010 bis 2013 über 15 Millionen Euro für rund 90 Filmprojekte ausgegeben.

BISHER (Diskussion um die Südtiroler Filmförderung)

Ein offener Brief einer Gruppe „Junger Südtiroler Filmregisseure“ und deren Vereinnahmung durch die „Bürgerunion Südtirol“ bzw. deren Vorsitzenden Andreas Pöder, hat in den vergangenen Tagen für Aufsehen gesorgt.

Der Verband der Filmschaffenden Südtirols (FAS) bezieht hierzu Stellung und sieht sich als Vertreter aller Filmschaffenden (z.B. RegisseurInnen, ProduzentInnen, Kameraleute, CutterInnen, Tonleute, KomponistInnen, BeleuchterInnen, FahrerInnen usw.) im Lande.

„Der Verband der Filmschaffenden FAS hat vor zehn Jahren begonnen, den Weg hin zu einer Filmförderung für Südtirol zu bereiten und dieses Ziel konnte in relativ kurzer Zeit durch den Aufbau der Filmcommission in der BLS erreicht werden. Diese Förderung hat die hiesige Filmwirtschaft zweifelsohne belebt und hat Südtirol in der Branche europaweit bekannt gemacht“, schreibt der Verband.

„Bei der BLS Förderung handelt es sich um eine Wirtschaftsförderung (und nicht um eine Tourismus- oder Kulturförderung), daher ist nicht die landschaftliche Wiedererkennung oder ein kultureller Bezug ausschlaggebend, sondern der wirtschaftliche Effekt. Jeder Euro Fördersumme muss mindestens 1,5-fach (meist mehr) in Südtirol investiert werden und fließt somit letztendlich in die Arbeit von lokalen Filmschaffenden und Dienstleistern. Trotzdem wurden viele Filme gefördert, die durchaus kulturell wertvoll sind und Südtirol etwa bei den Film-Festivals in Cannes oder Berlin bekannt machen, wenn auch nicht immer durch die Inhalte oder Bilder der Filme. In Südtirol nur Filme über Südtirol und die Geschichte des Landes zulassen zu wollen, halten wir für weltfremd und kontraproduktiv: die lokale Szene würde unweigerlich auf einem europäischen Markt chancenlos bleiben“, heißt es weiter.

Der Verband der Filmschaffenden arbeitet bereits seit geraumer Zeit an Vorschlägen zur Korrektur einiger Förderkriterien und des Antragsverfahrens zum Vorteil der Kreativen in und aus Südtirol und hat diese der BLS bereits unterbreitet. Diese Vorschläge überschneiden sich teilweise mit den Forderungen der „Jungen Autoren und Regisseure“.

„In den fünf Jahren seit Gründung der BLS-Filmcommission konnten alle Beteiligten wichtige Erfahrungen sammeln und wir halten nun die Zeit für reif, beispielsweise den lokalen Filmemachern den Zugang zum Fördertopf auch für kleinere und wirtschaftlich riskantere Projekte zu erleichtern, bzw. ihnen durch eine Anschubförderung den Einstieg in internationale Finanzierungsschienen zu ermöglichen“, schreibt die FAS.

„In Südtirol gibt es ein immenses kreatives und filmberufliches Potential, das – der Natur des Mediums entsprechend – auch in Zukunft grenzüberschreitend und ohne kulturelle Schranken genutzt werden sollte“, so die Filmschaffenden abschließend.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen