"Urzì liegt falsch"

Polemik um Schützengewehre

Mittwoch, 08. Juli 2015 | 12:18 Uhr

Bozen – Die berüchtigte Bozner Hitze hat wohl dazu geführt, dass gewisse Leute nicht mehr einen kühlen Kopf behalten können. Anders lässt sich die konstruierte Polemik rund um die Gewehre der Tiroler Schützen nicht erklären. Dies schreiben die Schützen in einer Aussendung.

Der Landtagsabgeordnete Alessandro Urzì findet es nämlich problematisch, dass die deaktivierten Gewehre der Schützen vom Typ Karabiner 98k sind, da dieses Gewehr unter anderem im Zweiten Weltkrieg  von der Wehrmacht verwendet wurde.

Ein alter Hut, finden die Schützen, da es diesbezüglich bereits eine Landtagsanfrage von Degasperi/Bottamedi (M5S) im Trentino gab.

„Alessandro Urzì scheint mit seiner Anfrage reichlich verspätet dran zu sein, da genau dieselbe inhaltslose Polemik schon im März 2014 von den Welschtiroler Landtagsabgeordneten Degasperi und Bottamedi in einer Landtagsanfrage entfacht wurde.

Wenig verwunderlich, dass bereits damals der Versuch misslang, die Schützen zu diskreditieren. Neben der Wehrmacht wurde dieser Typ in vielen Heeren anderer Ländern verwendet, nach dem Weltkrieg auch in Albanien, Äthiopien, der Bundesrepublik Deutschland, China, Dänemark, DDR, Finnland, Frankreich, Israel (!), Jugoslawien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Sowjetunion, Spanien, Tschechoslowakei, Türkei, Vietnam“, klärt der Schützenbund auf.

Jugoslawische M48

„Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass die Mauser-Karabiner des Südtiroler Schützenbundes meist jugoslawischer Bauart, vom Untermodell M48 sind. Einige wenige Einzelstücke stammen aus anderen Quellen, jedoch dürften kaum welche der von den in den Südtiroler Schützenkompanien verwendeten deaktivierten Gewehre aus Wehrmachtsbeständen stammen. Somit fanden sich auch ursprünglich auf den Stempeln der Gewehre keine Reichsadler oder Hakenkreuze, sondern in praktisch allen Fällen kyrillische Buchstaben“, heißt es weiter.

Warum ein Mauser 98k.

Das Mauser Modell 98 wurde ab 1898 in verschiedenen Ausführungen hergestellt. Die kurze Version dieses Gewehres, eben 98k, wurde nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt, wobei „k“ nach der Zahl für „kurz“ steht. Eine Zwischenstufe war der Mauser-Standard-Karabiner aus den 1920-er-Jahren. 1935 ging die 98k Produktion dann in Serie und wurde bis in die 1960-er Jahre in verschiedenen Staaten in Lizenz hergestellt.

„Noch heute sind dies fast die einzigen geeigneten Gewehre, die in verfügbaren Mengen zu vernünftigen Preisen in der deaktivierten Version am Markt erhältlich sind – und nebenbei die einzigen, die laut derzeitigen Vereinbarung mit dem italienischen Innenministerium von den Schützenkompanien Südtirols verwendet werden können. Steyr Mannlicher oder Werndl-Gewehre, wie sie neben verschiedenen Mauser 98-Modellen auch von den Tiroler Standschützen verwendet worden waren, sind heute nicht in ausreichender Stückzahl verfügbar“, erklären die Schützen.

„Wie es andere machen“

„Sonderbar, dass es Herrn Urzì scheinbar nicht stört, dass bei den Paraden bei den Kaiserforen (fori imperiali) in Rom auch „echte“ Mauser 98k (keine jugoslawischen M48) von der Bundeswehr verwendet wurden. Ganz besonders darf man sich wundern, dass sich Herr Urzì nicht empört, wenn das italienische Heer und die Staatspolizei bis in die 1980-er Jahre noch tatsächlich Gebrauch vom Gewehr Carcano Mod. 91 machte und auch heute noch in historischen Uniformen mit diesem ausrückt. Es ist dies genau jenes Gewehr, mit dem Italien all seine Angriffskriege des 20. Jahrhunderts geführt hat – unter anderem auch die Überfälle auf Äthiopien und Griechenland“, heißt es in der Aussendung weiter.

„Reductio ad Hitlerum“

„Jedem analytischen Beobachter dürfte klar sein, woher Urzìs Wind weht: in Ermangelung ernsthafter Themen versucht er es mit einem einfachen, aber sehr tiefen Rhetoriktrick: die Reductio ad Hitlerum. Sonderbar, dass sich Herr Urzì nicht gleich noch über die Mercedeslimousinen vieler Politiker mokiert, wo doch Adolf Hitler genau diese Automarke so sehr schätzte und sehr oft einen Mercedes fuhr – oder besser – gefahren wurde“, so der SSB.

„Echte Überbleibsel des Nazifaschismus bekämpfen“

„Herr Urzì könnte seine Energien viel sinnvoller einsetzen, indem er sich gegen wirkliche Symbole des Totalitarismus in Südtirol einsetzt: angefangen von der Tolomeische Toponomastik, bis hin zu den faschistischen Straßennamen in Bozen und – besonders pikant – die faschistischen Relikte“, schließen die Schützen.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen