Carabinieri legen rumänischer Verbrecherbande das Handwerk

Prostitution, Raub und Diebstahl

Donnerstag, 02. April 2015 | 09:11 Uhr

Bozen – Die Carabinieri haben in der Nacht auf Mittwoch im Rahmen einer groß angelegten Operation mit dem Decknamen "Sabotage" einem rumänischen Zuhälterring das Handwerk gelegt.

Insgesamt 200 Ordnungshüter auf 70 Fahrzeugen, die Hundestaffel und Hubschrauber standen im Einsatz. 26 Haftbefehle wurden ausgestellt. Bislang konnten 19 Personen festgenommen und in Untersuchungshaft überstellt werden.

Noch am Mittwochabend waren Carabinieri-Beamte mit Hausdurchsuchungen beschäftigt, schreibt die Tageszeitung Alto Adige.

Ermittlungen im norditalienischen Raum

Die Ermittlungen kamen vor einigen Monaten ins Rollen. Koordiniert wurden sie von den Carabinieri in Bozen. Bald schon dehnten sich die Untersuchungen auf Norditalien bis nach Mailand, Genua, Turin und Trient aus. Auch hier gab es Verhaftungen und Hausdurchsuchungen.

Prostituierte mussten gewisse Anzahl an Männer beglücken

Die illegale Organisation soll junge Frauen für den norditalienischen Markt angeworben und sie dann ausgebeutet haben. Jede der Damen musste einer vorgegebenen Anzahl von Männern ein „Happy End“ bescheren.

Dabei wurden die Prostituierten von ihren Zuhältern streng überwacht. Nach getanem Werk mussten sie ihren Verdienst abtreten. Die Landeshauptstadt wurde dabei in „Zonen“ aufgeteilt, sodass sich keiner der beiden Clans in die Wege kam. Ihnen stand ein rumänischer Bandenchef aus Turin vor.

Die Logistik hinter der ganzen Sache ist beeindruckend: Die Frauen wurden mit Unterkunft, Essen, frischer Unterwäsche, Bekleidung und Kondomen versorgt. Außerdem gab es einen ständigen Wechsel zwischen Turin und Bozen, sodass die Kunden stets zufrieden waren.

Die rund 50 Prostituierten mussten bei jedem Wetter auf die Straße. Angeblich wurden sie sogar nur zwei Tage nach einer Abtreibung wieder zur Arbeit gezwungen.

Auch in Sachen Raub und Diebstahl aktiv

Gut organisiert waren auch die anderen Geschäftszweige der Verbrecherorganisation. Als sie in Bozen Fuß gefasst haben, wurde die Gruppe auch in Sachen Raub, Kupfer- und Fahrraddiebstahl aktiv. Vornehmlich waren ältere Leute im Visier der Kriminellen. Diese „Arbeit“ wurde einem weiteren rumänischen Clan, der darauf spezialisiert war, anvertraut.

Vergleich mit Mafia

Die Carabinieri erläutern, dass die kriminelle Organisation effizient und mit militärischer Hierarchie ans Werk ging, ähnlich wie die italienische Mafia. Die unterschiedlichen „Geschäftsfelder“ schienen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben.

Noch unklar ist, wie hoch der genaue Umsatz der Bande war. Im Rahmen von "Sabotage" wurden aber 20.000 Euro, acht Fahrzeuge und diverse Computer und Datenträger sichergestellt.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen