Viele offene Fragen

Quici am Freitag vor Haftprüfungsrichter

Mittwoch, 08. April 2015 | 09:11 Uhr

Bozen – Am Freitag um 10.30 Uhr soll Ester Quici vor dem Haftprüfungsrichter in Bozen erscheinen. Wie berichtet, wird der Frau vorgeworfen, ihren Lebensgefährten Alessandro Heuschreck erstochen zu haben. Die Verteidigung, die an der Unschuld der Tatverdächtigen festhält, beantragte die Überstellung in den Hausarrest.

Quicis Anwälte Beniamino Migliucci und Enrico Lofoco halten eine U-Haft im Gefängnis für nicht gerechtfertigt, da sie sowohl Wiederholungs- als auch Fluchtgefahr ausschließen sowie die „schwerwiegenden Hinweise“ auf die Schuld ihrer Mandantin anzweifeln.

Womöglich könnte bei der Verhandlung auch ein erster Vergleich des Gutachtens der Anklage mit jenem der Verteidigung gezogen werden.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (31.03.2015)

Laut ihrem Verteidiger Enrico Lofoco gibt es keinen triftigen juristischen Grund, warum Ester Quici weiter in Untersuchungshaft im Gefängnis sitzen muss.

Zwar existierten schwerwiegende Indizien gegen Quici, doch die Wiederholungs- oder Fluchtgefahr sei nicht begründet, so Lofoco.

Er will bis Freitag Antrag auf Haftentlassung vor dem Überprüfungsgericht stellen und hofft, damit zumindest den Hausarrest für die unter Mordverdacht stehende 34-Jährige erwirken zu können, berichtet die Tageszeitung Alto Adige.  

In diesem Zusammenhang geht die Verteidigung auch auf die Interpretation der Autopsie-Ergebnisse ein. Es stimme zwar, dass einige der Einstich- bzw. Schnittwunden nicht vom Opfer selbst stammen können.

Doch laut Lofoco wisse man im Moment nur eine Sache mit absoluter Sicherheit: Alessandro Heuschreck und Ester Quici gerieten sich in die Haare. Die fraglichen Messerstiche seien im Zuge des Streits, bei dem Quici ihrem Partner das Messer entreißen wollte, zustande gekommen.

Ein weiterer Punkt, der vor Gericht ausschlaggebend werden könnte, ist das Verhalten von Ester Quici nach dem tragischen Ereignis. Bekanntlich alarmierte sie erst mit Zeitverzögerung die Rettungskräfte.

Laut Staatsanwaltschaft spricht dies für die Mordtheorie. Sie habe beabsichtigt, ihren Partner verbluten zu lassen. Für Lofoco scheint hingegen klar zu sein, dass Quici die Situation völlig falsch eingeschätzt hat. Sie habe versucht, die Verletzungen von Heuschreck zu verarzten, als er am Boden lag. Sie habe angenommen, dass er wieder auf die Beine komme. Dabei habe sie den Ernst der Lage verkannt und nicht bemerkt, dass der 50-Jährige verblutet.

Laut einem Bericht des Tagblatts Dolomiten haben indes Heuschrecks Brüder und seine Ex-Frau angekündigt, sich in ein anstehendes Strafverfahren als Nebenkläger einlassen zu wollen.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (30.3.2015)

Auch nachdem die ersten Ergebnisse der Autopsie vorliegen, bleiben im Fall rund um den Tod von Alessandro Heuschreck viele Fragen offen. Wie die Tageszeitung Alto Adige berichtet, erklärt der Anwalt von Ester Quici, die unter Mordverdacht steht, dass laut dem Gutachter der Verteidigung, Domenico De Leo von der Universität in Verona, die Frage, ob die Verletzungen selbst oder von einer anderen Person zugefügt wurden, nicht geklärt worden sei.

Laut Anwalt Enrico Lofoco würde eine Reihe von Indizien auf Selbstverletzung hinweisen. Dass es in der Wohnung zu einem Kampf gekommen ist, räumt auch der Anwalt ein und wurde von Quici bestätigt. Dabei hat sich die Frau mehrere Fingernägel gebrochen. Laut Lofoco würde dies aber darauf hindeuten, dass Quci das Messer nicht in der Hand gehalten habe. Immerhin sei es wenig wahrscheinlich, dass man in einer Hand ein Messer halte und mit der anderen das Opfer zu kratzen versuche, erklärt der Anwalt gegenüber der Tageszeitung Alto Adige.

Da eine entscheidende Wunde, die zum Tod führte, fehlt, schließt der Anwalt sogar Selbstmordabsichten aus. Stattdessen habe Alessandro Heuschreck die Frau durch sein Verhalten moralisch unter Druck setzen wollen, argumentiert Lofoco.

Deshalb wird es nötig sein, die genaue Dynamik des Vorfalls zu rekonstruieren. Vorläufig wollen sich die Gutachter der Anklage und der Verteidigung nicht mehr äußern. Dies soll erst geschehen, sobald detaillierte Ergebnisse vorliegen, wie Lofoco laut Alto Adige erklärt.

Selbst wenn die Verletzungen von Ester Quici zugefügt worden seien, gelte es immer noch zu beweisen, ob die Absicht zu töten bestand, um von vorsätzlichem Mord zu sprechen, fügt Lofoco hinzu. Ansonsten handle es sich um Körperverletzung mit Todesfolge.

Laut Alto Adige könnte eine weitere Strategie des Strafverteidigers darauf hinauslaufen, die geistige Zurechnungsfähigkeit seiner Mandantin anzuzweifeln.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (29.03.2015)

Die Autopsie am Leichnam vom 50-jährigen Alessandro Heuschreck ist am Samstagnachmittag im Bozner Spital durchgeführt worden.

Drei Pathologen – einer von der Verteidigung und zwei von der Staatsanwaltschaft – untersuchten akribisch den Körper des Toten, um eine Antwort auf die Frage zu finden, ob Heuschreck sich selbst verletzt haben könnte.

Doch wie aus einem Bericht von Alto Adige online hervorgeht, scheint eine eindeutige Antwort vorerst noch auszubleiben. Die Spezialisten der Staatsanwaltschaft – die Veroneser Gerichtsmedizinerin Gabriela Trenchi, der Trientner Pathologe Mattia Barbareschi  sowie Professor Domencio De Leo von der Universität in Verona – bestätigten, dass es sich um einen „komplexen Fall“ handle.

Heuschreck ist verblutet

Fest steht bislang, dass heute zwölf Messerstiche an der Leiche gezählt wurden – keiner davon soll tödlich gewesen sein. Damit gilt als gesichert, dass der 50-Jährige verblutet ist. Die Pathologen haben ihre Schlussfolgerungen den Ermittlungsbeamten mitgeteilt.

„Fremdgesteuerte“ Messerstiche

Allerdings sprachen die Pathologen auch von „fremdgesteuerten“ Messerstichen. Die schließen die Gutachter der Staatsanwaltschaft laut Alto Adige die Theorie der Selbstverletzung oder des Selbstmordes eher aus. Trotzdem seien noch rund drei Monate nötig, in denen umfangreiche Analysen des Gewebes sowie toxikologische Tests durchgeführt werden.

Damit bleiben die Vorwürfe gegen die 34-jährige Lebensgefährtin des Opfers, Ester Quici, vorerst aufrecht. Die Frau beteuert hingegen nach wie vor ihre Unschuld.

Zahlreiche Kratzer und Verletzungen

Aufgrund zahlreicher Kratzer und Verletzungen gehen die Ermittler davon aus, dass kurz vor dem Tod des Opfers zu einem Kampf – und damit auch zu einem Angriff – gekommen ist. Außerdem bleiben auch die anderen Verdachtsmomente nach wie vor aufrecht. Dazu zählen die fünf verschiedenen Versionen, die Quici den Carabinieri geliefert hat, als sie noch als „informierte Person“ vernommen wurde, aber auch der Umstand, dass sie den Boden und das Messer gereinigt sowie die Rettungskräfte erst mit Verspätung verständigt hat.

Der Gutachter der Verteidigung

Die Verteidigung hat hingegen Professor Domenico De Leo als Experten ernannt. Er kommt wie die Gutachter der Anklage zu ähnlichen Schlüssen, allerdings fällt seine Interpretation der Ereignisse gänzlich anders aus. Er bestreitet, dass die Wunden von der Tatverdächtigten zugefügt wurden.

Da die Stichwunden nicht tief sind und keine lebenserhaltenden Arterien getroffen wurden, geht er  davon aus, dass sich das Opfer selbst verletzt hat, um seine Lebensgefährtin moralisch zu erpressen. Auch die Anzeichen des Kampfes, bei dem sich Quici die Fingernägel gebrochen haben soll, deutet der Gutachter der Verteidigung anders. Seiner Meinung habe Quici versucht, dem Mann das Messer zu entreißen.

Als Heuschreck aufgrund des hohen Blutverlustes zu Boden stürzte, habe die Frau versucht, die Blutungen zu stillen, indem sie den Mann gegen die Mauer lehnte. Als sie feststellte, dass ihre Bemühungen vergebens waren, habe sie die Rettungskräfte alarmiert.

In diesem Fall seien zwei Krankheiten, von denen der Organismus des Mannes betroffen war, erschwerend hinzu gekommen und hätten zum Tod geführt. Verteidiger Enrico Lofoco wird deshalb vermutlich die Haftentlassung seiner Mandantin beantragen.

BISHER (Suche nach möglichem Tatmotiv)

Der Todesfall von Alessandro Heuschreck (50), der vor einer Woche in einer Wohnung in Bozen durch mehrere Messerstiche ums Leben gekommen ist, beschäftigt weiter die Ermittler. Eine Autopsie, die heute durchgeführt wird, soll bekanntlich Aufschluss darüber geben, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt.

Die Staatsanwaltschaft glaubt indes jedoch aus mehreren Gründen eher daran, dass Ester Quici ihren Lebensgefährten ermordet hat.

Suche nach Tatmotiv in der Vergangenheit

Derzeit suchen die Ermittler mit Hochdruck nach einem möglichen Tatmotiv und blicken dabei in die Vergangenheit, berichtet die Tageszeitung Alto Adige.

Es handelt sich um eine komplexe Geschichte, die das Familienleben von Ester Quici betrifft. Alessandro Heuschreck könnte dieses Wissen und das Aufbäumen dagegen mit seinem Leben bezahlt haben. In diesem Zusammenhang wurde – wie gestern berichtet – eine dritte Person ins Ermittlungsregister eingetragen.

Gegen diese dritte Person wird nicht wegen Mordes ermittelt, jedoch wird angenommen, dass seine Bekanntschaft mit der Familie Quici zum Tatmotiv führen könnte.

Streit aus Eifersucht nur vorgespielt?

Laut den Behörden ging es bei dem Streit zwischen Heuschreck und seiner Lebensgefährtin nämlich nicht um Eifersucht. Das spiele die 34-Jährige nur vor, um das „Familiengeheimnis“ zu verdecken. Konkret soll es dabei um die Kontakte zwischen Ester und Alessandro in der Vergangenheit gehen. Nach einem kurzen Zusammensein waren sie für mehrere Jahre bis 2014 getrennt. Genau in diesem Zeitraum soll etwas vorgefallen sein, was der Auslöser und somit das Motiv für die Tat gewesen sein könnte, vermuten die Ermittler.

Es wurde die Theorie aufgestellt, dass das Opfer, als es die Wahrheit erfuhr, am vergangenen Samstag damit drohte, sich selbst mit dem Messer zu erstechen. Dies ist bekanntlich schon mehrmals vorgefallen. Ester Quici könnte die Situation ausgenutzt haben.

Warten auf Autopsie-Ergebnis

Bislang handelt es sich jedoch nur um Hypothesen. Derzeit warten Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf die Autopsie-Ergebnisse. Liegen diese vor, wird feststehen, ob der 34-Jährigen tatsächlich Mord vorgeworfen werden kann, oder ob sich Heuschreck die Verletzungen selbst zugefügt hat.

Wie finanzierte Quici ihr Leben?

Die Ermittler befassen sich zeitgleich auch mit der Frage, wie Ester Quici ohne Arbeit und regelmäßiges Einkommen über die Runden kam. Dazu werden die Bewegungen auf ihrem Bankkonto beleuchtet. Die Behörden wollen wissen, ob Quici von jemand finanzielle Zuwendungen erhielt und von dem Heuschreck erst wenige Tage vor der Tat erfuhr.

Von: ©lu/mk

Bezirk: Bozen