Ermittlungen zu möglichem Ärztepfusch brauchen Zeit

Rätselhafter Todesfall: Mailänder Arzt führt Autopsie durch

Mittwoch, 08. April 2015 | 09:31 Uhr

Bozen – Beim Todesfall der 62-jährigen Inderin Shakuntala Lal, die bei einem Aufenthalt im Bozner Krankenhaus verstorben ist, soll der Mailänder Arzt Marco Scaglione für Klarheit sorgen. Am Freitag soll er vor Gericht seinen Schwur leisten, um anschließend die Autopsie durchzuführen, berichtet die Tageszeitung Alto Adige.

Die Obduktion soll darüber Gewissheit bringen, was genau geschehen ist und was zum Tod der Frau geführt hat. Derzeit wird gegen 17 Personen ermittelt. Die Frau, die seit mehreren Jahren in Bozen lebte, verstarb in der Abteilung für Allgemeinmedizin am vergangenen 15. Dezember.

Nach einer ersten Begutachtung und Überprüfung des Leichnams konnte die Todesursache nicht mit Gewissheit festgestellt werden. Nun soll eine tiefergehende Obduktion im Rahmen eines gerichtlichen Beweissicherungsverfahrens für Klarheit sorgen.

Marco Scaglione wurde vom Richter als Gutachter ernannt. Die betroffenen Parteien haben die Möglichkeit, sämtliche Phasen der Obduktion zu verfolgen und auch eigene Gutachter einzuschalten.

Wie berichtet, tauchte die Frau vor ihrem Tod in der Notaufnahme des Krankenhauses auf und verlangte nach einer Untersuchung, weil sie sich nicht wohl fühlte. Laut Alto Adige wurden unter anderem Blutanalysen durchgeführt. Insgesamt handelte es sich um zwei Untersuchungen.

Anschließend wurde die Frau entlassen, wobei die Prognose durchaus beruhigend ausfiel. Den Ärzten, die im Dienst waren, war laut Alto Adige allerdings entgangen, dass der Frau drei anstatt zwei Befunde ausgehändigt worden waren. Laut den Ermittlern hätte dieser Umstand die Zuständigen alarmieren sollen. Nun wird befürchtet, dass der Frau die Befunde einer anderen Patientin gegeben wurden. Der Umstand könnte dadurch herrühren, dass Proben vertauscht wurden.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (28.02.2015)

Die Familie der 62-jährigen Shakuntala Lal, deren Tod von der Staatsanwaltschaft näher beleuchtet werden soll, muss voraussichtlich etwas Geduld mitbringen, bis die Leiche freigegeben wird und nach Indien überführt werden kann.

Einige Verteidiger der 17 Ärzte und Pfleger haben nämlich beantragt, die Autopsie im Rahmen eines Beweissicherungsverfahren durchzuführen, berichtet Alto Adige online.

Das bedeutet, dass die Autopsie nicht in wenigen Tagen, sondern vermutlich erst in einigen Wochen durchgeführt wird.

BISHER (Todesfall: Familie will Leiche nach Indien bringen)

Die Angehörigen der 62-jährigen Inderin, deren Tod Gegenstand von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geworden ist, hoffen auf eine schnelle Klärung der Todesursache und eine baldige Überstellung des Leichnams nach Indien.

Dies könnte sich allerdings verzögern, da die meisten Verteidiger der 17 Ärzte und Pfleger eigene Gutachter hinzuziehen wollen, berichtet das Tagblatt Dolomiten.

Vor dem Untersuchungsrichter werden sie heute deshalb den Antrag stellen, die Autopsie im Rahmen eines Beweissicherungsverfahrens durchzuführen. Der Termin dürfte sich damit nach hinten verschieben.

Für die Familie der Toten bedeutet dies eine Verlängerung der Wartezeit, berichtet Rechtsanwältin Amanda Cheneri, die ihre Interessen vertritt.  „Die Familie lebt seit zwei Monaten einen Albtraum – mit der Ungewissheit und der Frage, wann sie ihre Frau bzw. Mutter endlich in die Heimat überführen und ihr die letzte Ehre erweisen können“, sagt Cheneri.

Bekanntlich war die 62-jährige mit Magenbeschwerden in die Notaufnahme des Krankenhauses in Bozen gekommen. Derzeit wird ermittelt, ob die Untersuchungsbefunde, die die Ärzte angeordnet haben, womöglich vertauscht wurden.

Dafür soll sprechen, dass die Inderin zwar heimgeschickt, aber nach einigen Tagen mit einem Krankenwagen abgeholt werden sollte.

Demnach dürfte der Fehler von den Ärzten selbst bemerkt worden sein. Das Leben der 62-Jährigen konnte allerdings nicht mehr gerettet werden.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (26.2.2015)

Aufgrund eines schweren Anfalls von Übelkeit suchte eine 62-jährige indische Frau das Bozner Krankenhaus auf. Nachdem ihr versichert wurde, dass sich ihr Gesundheitszustand erheblich gebessert hat, wurde sie aus dem Spital entlassen. Wenige Tage später kam sie erneut ins Krankenhaus zurück und starb. Laut einem Bericht der Tageszeitung Alto Adige hat sich der Vorfall im vergangenen Dezember ereignet. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 17 Personen. Ursprünglich war von einem Mann berichtet worden.

Konkret handelt es sich um Ärzte und andere Personen, die im Gesundheitsbezirk Bozen tätig sind.

Die Staatsanwaltschaft versucht herauszufinden, ob Missstände im Gesundheitswesen für den Tod der Frau verantwortlich sind. Laut den Anschuldigungen, die noch überprüft werden müssen, sollen Proben im Krankenhaus vertauscht worden sein. Deshalb sei die Frau frühzeitig entlassen worden, weil die zuständigen Ärzte von falschen Daten ausgingen.

Der Vorfall hat auch eine gesundheitspolitische Dimension, da er sich ereignet hat, als die Debatte über die Privatsphäre von Patienten einen ersten Höhepunkt erreichte. Wie berichtet, war es behandelnden Ärzten laut Vorschriften nicht möglich, Einsicht in die Patientenakten zu erhalten.

Derzeit befindet sich der Leichnam der Frau in Bozen und soll dann zur Bestattung nach Indien gebracht werden. In den kommenden Stunden wird eine Autopsie durchgeführt, die von der Bozner Staatsanwaltschaft angeordnet wurde.

Gesundheitsbezirk Bozen ersucht um Zurückhaltung in der Berichterstattung

In Bezug auf den im heutigen Alto Adige erschienenen Artikel über einen verstorbenen Patienten ersucht der Gesundheitsbezirk Bozen um Verständnis, wenn derzeit keine Erklärungen abgegeben werden, angesichts der Tatsache, dass die Ermittlungen noch im vollen Gange sind. Die Bezirksdirektion ersucht auch, vor etwaigen Mutmaßungen und Vorverurteilungen Abstand zu nehmen. Der Gesundheitsbezirk Bozen steht den ermittelnden Behörden zur vollen Verfügung, um die genauen Umstände zu klären.

Von: ©mk/lu

Bezirk: Bozen