ASGB meldet sich zu Wort

Reform des Gesundheitssystems: “Nicht nur nach Zahlen vorgehen”

Freitag, 17. Juli 2015 | 11:33 Uhr

Bozen – Der Autonome Südtiroler Gewerkschaftsbund (ASGB) fordert die Sanitätsführung auf, bei der Reorganisation des Südtiroler Gesundheitssystems nicht ausschließlich nationale und internationale Standards anzuwenden, sondern die besonderen Gegebenheiten Südtirols zu berücksichtigen und im Rahmen der primären Gesetzgebungsbefugnis eine auf Südtirol zugeschnittene Lösung zu finden.

Mit Skepsis begegnet der Autonome Südtiroler Gewerkschaftsbund (ASGB) den Plänen des neuen Generaldirektors Thomas Schael zur Reorganisation des Südtiroler Gesundheitssystems. „Die alleinige Anpassung an staatliche und internationale Standards scheint in diesem Falle zu kurz gegriffen. Der Umstand, dass Südtirol im Sanitätswesen organisatorisch und strukturell die primäre Gesetzgebungsbefugnis hat, sollte Anlass dafür sein, von seinen Rechten Gebrauch zu machen und eine auf Südtirol zugeschnittene Lösung zu finden. Es gilt zu bedenken, dass die Situation in den Krankenhäusern im restlichen Staatsgebiet in Bezug auf die erbrachten Leistungen und auf die geografischen Gegebenheiten eine vollkommen andere ist. Ein Vergleich zwischen Porta Susa in Piemont und Sterzing zeigt, dass eine Pauschalanwendung von starren nationalen Reglementierungen nicht fair ist und somit kein Kriterium sein kann: 120 gegen 488 Geburten sprechen eine klare Sprache.“

Diesen Tatsachen müsse unbedingt Rechnung getragen werden, denn in erster Linie misst sich der Erfolg der anstehenden Sanitätsreform nicht an den erzielten Einsparungen für den Landeshaushalt, sondern an der Qualität der Leistungen, am Versorgungsgrad der Bevölkerung in der Peripherie und an den Arbeitsbedingungen des Sanitätspersonals, so der ASGB.

„Wir möchten dem neuen Generaldirektor auch nahe legen, zukünftig einige seiner Aussagen und deren Wirkung auf das Personal zu überdenken. Vergleiche zur Qualität der Leistungen wie etwa jener, dass niemand mit einem Piloten in ein Flugzeug steigen wolle, der seit zwei Jahren nicht mehr geflogen ist, sind sehr herablassend gegenüber dem Personal in den Geburtsabteilungen von Sterzing und Schlanders. Auch stimme seine Aussage, dass gesetzlich 1000 Geburten Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Geburtenabteilungen sei, sondern 500. Des weiteren fordern wir Herrn Schael auf, manche Aussagen besser zu begründen: Wenn jemand vom Personal maximale Flexibilitätsbereitschaft fordert, dann muss er das Ross beim Namen nennen und begründen was genau damit gemeint ist. Das Personal ist aufgrund solcher wagen Aussagen noch mehr verunsichert“, heißt es weiter.

„Uns erscheint es außerdem unglaubwürdig, wenn sich der neue Generaldirektor einerseits über das Gesundheitssystem gut informiert gibt, ihm aber andererseits der akute Personalmangel in der Abteilung Medizin am Krankenhaus Sterzing entgangen ist, wie aus einem Interview mit dem „Erker“ hervorgeht. Außerdem fordert der ASGB, dass die Primariatsstelle in der Medizin Abteilung ehestens nachzubesetzen ist, wie dies von der Politk bereits schriftlich zugesichert wurde. Das Vorhaben 100 Millionen Euro für EDV-Investitionen aufzutreiben scheint auch utopisch, vor allem vor dem Hintergrund, dass seit dem Einfrieren der Gehälter 2010, scheinbar kein Geld für Lohnerhöhungen vorhanden war“, erklärt der ASGB.

„Wir werden die neue Sanitätsführung nicht allein nach Zahlen bewerten, mindestens genauso wichtig sind eine Reform zum Wohle der Bevölkerung und die Bereitschaft der Führung auch Vorschläge des Sanitätspersonals in den Reformprozess aufzunehmen. Dem Sanitätsbetrieb lediglich ein vorgefertigtes Organisationsmodell nach staatlichen oder internationalen Standards überzustülpen, das kleineren Strukturen, die bisher gut gearbeitet haben, von vornherein keine Chance lässt, kommt für uns nicht in Frage“, schließt der ASGB.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen