Groß-Auftrag an Bozner Unternehmensberater vergeben

Sanität: “850.000 Euro für sparsames Denken”

Donnerstag, 30. Juni 2016 | 11:38 Uhr

Bozen – "Es kling wie ein Witz: Der Sanitätsbetrieb hat einen 850.000 Euro-Auftrag an einen Bozner Unternehmensberater vergeben, um sparsames und kundenorientiertes Denken im Sanitätsbetrieb einzuführen", kritisiert der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion, Andreas Pöder.

"Der Betrag setzt sich aus der Auftragssumme von 680.000 Euro plus Mehrwertsteuer plus Sozialbeiträge zusammen (insgesamt 857.000 Euro) und wird für die Schulung, Moderation und Supervision für die Einführung des Lean-Tinking-Prinzipien im gesamten Sanitätsbetrieb ausgegeben. Das Lean-Thinking wurde ursprünglich vom japanischen Autobauer Toyota entwickelt und hat sich in unterschiedlichsten Formen weltweit verbreitet. Nun soll auch der Sanitätsbetrieb diese Management-Prinzipien verinnerlichen", so Pöder.

Bereits in Vergangenheit habe der Bozner Unternehmensberater Aufträge vom Sanitätsbetrieb und der öffentlichen Hand erhalten, unter anderem ebenfalls für die Lean Management Schulung in einigen Bereichen des Sanitätsbetriebes.  Der Zuschlag erfolgte mit einem Beschluss von Generaldirektor Schael am Dienstag dieser Woche (28.06.2016), so Pöder.

"Eigenartig ist, dass wir noch keineswegs die Sanitätsreform vorliegen und beschlossen haben und schon werden solche gigantischen Summen an einen Unternehmensberater ausbezahlt, um ein für den Gesundheitssektor nicht ganz unumstrittenes Managements- und Produktionssystem zu implementieren. Nicht alle Prozesse in einem Krankenhaus und bei den Basisärzten lassen sich nach reinen Effizienz- und Ablaufkriterien präzise planen und vorhersagen", so Pöder.

"Grundsätzlich sind die Lean-Management-Prinzipien nicht abzulehnen, aber zuerst müssen wir definitiv wissen, wohin wir mit der Sanitätsreform wirklich wollen, bevor wir solche Summen für Unternehmensberatung vergeben." Für Pöder ist diese Maßnahme einer Phase der Diskussion über die Schließung von Geburtenabteilungen zynisch. "Die definitive Absicherung der Geburtenabteilung in Sterzing mit der Bereitstellung einer ausreichenden Zahl von Kinderärzten für einen 365-Tage- und 24-Stunden-Dienst würde weitaus weniger Kosten als dieses Summe, die an einen Unternehmensberater bezahlt wird."

Von: ©luk

Bezirk: Bozen