Werden die Abschussdekrete ausgesetzt?

Schonfrist für Amseln und Drosseln: Kein Abschuss

Mittwoch, 02. September 2015 | 12:00 Uhr

Bozen – Amseln, Eichelhäher, Wacholder- und Singdrosseln müssen sich bis auf Weiteres vor keinem Jäger mehr fürchten: Das Verwaltungsgericht in Bozen hat mit Präsidialverfügung drei Sonderabschussdekrete bis auf Weiteres ausgesetzt, berichtet das Tagblatt Dolomiten.

Die Liga gegen Tierversuche LAV hatte Rekurse gegen die Dekrete, die die Reviere Bozen, Leifers und Girlan betreffen und deren Wirksamkeit am 30. September ausläuft, eingereicht. Am 6. Oktober entscheidet das Gericht, ob es die Aussetzung bestätigt, oder nicht.

Die Tierschützer kritisieren, dass das Land die Abschüsse nicht ausreichend begründet habe. Stattdessen sei nur von einer allgemeinen Schadensvorbeugung die Rede. „Gerade einmal drei Fotos wurden beigelegt, um Schäden an den Äpfeln zu belegen“, schreibt Rechtsanwalt Mauro Depascalis in dem Rekurs. Die genannten Vögel dürften nur vom 1. Oktober bis 15. Dezember gejagt werden.

Das Land argumentiert hingegen, dass die Verluste durch Vogelfraß – je nach Größe der Anlage – bis zu zehn Prozent der Ernte betragen könnten. Die Schäden könnten laut Aussagen des zuständigen Experten des Amtes für Jagd und Fischerei durch den Abschuss der betreffenden Vogelarten eingedämmt werden.

Nun muss das Gericht entscheiden. Das Verwaltungsgericht hatte in Zusammenhang mit den Abschüssen von Hirschen, Füchsen und Dachsen erst kürzlich den Tierschützern Recht gegeben, die sich über die zu allgemeine Begründung der Abschüsse beklagt hatten.

Laut Landesgesetz sind Sonder-Abschussdekrete nur zum Schutz der Landwirtschaft, des ökologischen Gleichgewichts, der Sicherheit oder Gesundheit gerechtfertigt. Außerdem muss das Ausmaß der Schäden muss konkret angegeben werden.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen