Medienkonferenz

Start der Sensibilisierungskampagne “barrierefrei. ich bin dabei”

Mittwoch, 30. September 2015 | 17:02 Uhr

Bozen – "barrierefrei. ich bin dabei" ist das Motto einer Sensibilisierungskampagne, die das Landesamt für Menschen mit Behinderungen anlässlich des diesjährigen nationalen Tages zum Abbau architektonischer Barrieren startet. Bei einer Medienkonferenz am heutigen Mittwoch wurden die Aktionen und Schwerpunkte der dreijährigen Kampagne vorgestellt.

Barrierefreie Lebensräume sind für etwa zehn Prozent der Bevölkerung zwingend notwendig. Für viele andere bedeuten sie jedoch einen Mehrwert und eine gesteigerte Lebensqualität: Eltern mit Kinderwägen oder Kleinkindern, Senioren, Menschen mit vorübergehenden Einschränkungen etwa durch ein Gipsbein. Das Motto der heute vorgestellten Sensibilisierungskampagne des Landesamtes für Menschen mit Behinderungen bezieht sich daher nicht nur auf einen barrierefreien, öffentlichen Raum, sondern schließt auch die eigenen vier Wände mit ein. "Wir werden immer älter und müssen uns früher oder später mit dem Thema der Barrierefreiheit auseinandersetzen. Barrierefreiheit geht uns alle an", unterstrich Soziallandesrätin Martha Stocker anlässlich der Medienkonferenz am Bahnhof von Bozen, wo bereits Schritte zum Abbau architektonischer Barrieren gesetzt worden sind.

Die Direktorin des Landesamtes für Menschen mit Behinderungen Luciana Fiocca und Architektin Verena Oberrauch stellten die Kampagne, ihre Schwerpunkte und die geplanten Aktionen vor. Mit einer Plakataktion auf den Bushaltestellen und den öffentlichen Bussen mit vier verschiedenen Motiven und den Aussagen "Unnatürlich sind Barrieren, nicht das Alter", "Barrieren behindern, nicht der Rollstuhl", "Barrieren behindern, nicht die Orientierungsmittel" und "Barrieren behindern, nicht die visualisierte Sprache" sollen in den nächsten Wochen die Bedürfnisse von Senioren, Menschen mit Gehbehinderungen, Blinden- und Sehbehinderten sowie Hörgeschädigten in den Mittelpunkt gerückt werden. "Wir wollen dabei nicht nur an einem Tag im Jahr – den nationalen Tag zum Abbau architektonischer Barrieren – auf das Thema aufmerksam machen, sondern über eine dreijährige Kampagne immer wieder sensibilisieren", unterstrich Amtsdirektorin Fiocca. "Es ist ein altes Thema, das immer wieder aktuell ist", unsterstrich der Präsident des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit Martin Telser im Rahmen der heutigen Medienkonferenz. Telser erinnerte auch daran, dass in Südtirol in Sachen Barrierefreiheit bereits eine gewisse Sensibilität geschaffen worden sei und nannte als Beispiel die Zugänglichkeit der Südtiroler Züge.

Am Freitag, 2. Oktober anlässlich des nationalen Tages zum Abbau architektonischer Barrieren, der jährlich am ersten Sonntag im Oktober stattfindet, informieren das Landesamt für Menschen mit Behinderung gemeinsam mit dem Dachverband für Soziales und Gesundheit, Independent L., der Arche im KVW, dem Blindenzentrum St. Raphael und dem Elternverband hörgeschädigter Kinder von 11 bis 16 Uhr auf den Bahnhöfen von Bozen, Meran, Brixen, Bruneck, Schlanders und Auer zum Thema Barrierefreiheit. Dabei werden Informationsflyer und Buttons verteilt. Zudem hat die Bevölkerung die Möglichkeit, sich selbst in das Thema hineinzufühlen und mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Weitere Informationen zur Sensibilisierungskampagne und zu den geplanten Aktionen werden laufend auf der Internetseite der Landesabteilung Soziales unter www.provinz.bz.it/soziales veröffentlicht.

Mussner: „Barrieren im öffentlichen Nahverkehr weiter abbauen”

Als eine wichtige Initiative bezeichnet LR Florian Mussner die Sensibilisierungskampagne „barrierefrei – ich bin dabei“, die das Landesamt für Menschen mit Behinderung mit dem Dachverband für Soziales und Gesundheit am 30. September gestartet hat. Im öffentlichen Nahverkehr sei in den vergangenen Jahren viel getan worden, um Zugangsbarrieren zu beseitigen; einiges sei noch zu tun, so Mussner.

„Den Menschen mit eingeschränkter Mobilität gilt im öffentlichen Nahverkehr ein besonderes Augenmerk", unterstreicht Mobilitätslandesrat Florian Mussner. Bei der Modernisierung der Bus- und Bahninfrastrukturen in Südtirol sei, so Mussner, großer Wert auf eine möglichst barrierefreie Zugänglichkeit gelegt worden, etwa durch die Erhöhung der Bahnsteige auf mittlerweile fast allen Bahnhöfen, durch den Einsatz von Niederflurzügen, den Bau von Aufzügen, der Anbringung von taktilen Leitsystemen, durch den Ankauf von Bussen mit ausklappbaren Rampen oder mit elektrischen Hebebühnen, um nur einige Initiativen zu nennen. „Überall dort, wo es möglich war bzw. wo wir die Genehmigung hatten, haben wir für bequeme, sichere Zugänge, für barrierefreies Ein- und Aussteigen und für sichere, wenn auch begrenzte Transportmöglichkeit für Kinderwägen oder Rollstühle gesorgt", so Mussner.

Barrierefreies Ein- und Aussteigen werde auch beim Ankauf weiterer neuer Züge und Busse ein wesentliches Kriterium sein, sagt der Landesrat. In den kommenden Monaten werde in Abstimmung mit der italienischen Betreibergesellschaft für das Schienennetz (RFI) der Bahnhof Franzensfeste mit Aufzügen und erhöhten Bahnsteigen versehen, sodass dann auch dieser wichtige Verkehrsknotenpunkt den Anforderungen entspricht, so Mussner. Für die Zukunft gilt es laut Mussner die noch ausständigen Bahnhöfe anzupassen bzw. die Serviceleistungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu verbessern und vor allem auch eine spezifische Fahrgastinformation für diese Zielgruppe einzurichten.

„Jeder von uns kann – auch nur vorübergehend – in die Situation geraten, dass selbst unscheinbare Barrieren im Alltag zu unüberwindbaren Hürden werden", betont Landesrat Mussner. Solche Initiativen wie die Sensibilisierungskampagne „barrierefrei – ich bin dabei" seien daher willkommen, um auf breiter Ebene Sensibilisierungsarbeit zu leisten und den konstruktiven Austausch zwischen allen Beteiligten zu verstärken, so Mussner.

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen