Finanzpolizei zieht Bilanz

Steuerbetrug: Happige Summen in der Region

Donnerstag, 23. Juni 2016 | 16:54 Uhr

Bozen/Trient – Die Finanzpolizei feiert am Donnerstag auch in unserer Region ihr 242. Gründungsjubiläum. Regionalkommandant Marcello Ravaioli hat sich am Vormittag bei den Ordnungshütern für ihren Einsatz bedankt.

Einsatz war heuer auch nötig. Die Finanzpolizei wurde in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres von der Justiz und dem Rechnungshof mit 551 Untersuchungen betraut. 440 davon wurden bislang abgeschlossen.

45 Einsatzpläne wurden erstellt, um illegalen Finanzmachenschaften vorzubeugen. Außerdem ist die Finanzpolizei auch für Fälle von Schmuggel zuständig und sie unterstützt die anderen Ordnungskräfte bei der Wahrung der öffentlichen Sicherheit.

Öffentlicher Bereich

36 Personen wurden angezeigt, weil sie unrechtmäßig Unterstützung mittels öffentlicher Gelder beantragt oder erhalten haben. Insgesamt geht es um einen Wert von 5,5 Millionen. Die Gelder stammten dabei aus staatlichen, aber auch aus lokalen Töpfen.

33 Personen wurden wegen Betrugs zulasten der öffentlichen Hand angezeigt. Auch in diesem Bereich ging es um einen Betrag von insgesamt rund fünf Millionen Euro.

Im Auftrag des Rechnungshofs ermittelte die Finanzpolizei in 18 Fällen. Laut Finanzpolizei ist dem Staat ein mutmaßlicher Schaden von 19 Millionen Euro wegen Verschwendung von öffentlichen Geldern entstanden. 57 Personen wurden in den ersten fünf Monaten des Jahres angezeigt.

Auch öffentliche Aufträge im Wert von insgesamt drei Millionen Euro wurden von der Finanzpolizei unter die Lupe genommen. 21 Personen wurden in diesem Zusammenhang angezeigt.

In Zusammenhang mit der Ausstellung des Tickets für die Sanität wurden 56 Kontrollen durchgeführt. In 87,5 Prozent der Fälle gab es Unregelmäßigkeiten. Der Schaden für die öffentliche Hand wird mit 44.000 Euro beziffert.

Kampf gegen Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft

Im Bereich der Steuerhinterziehung ist die Finanzpolizei insgesamt 483 Mal eingeschritten, um Kontrollen vorzunehmen. 122 Personen wurden wegen 117 Vergehen angezeigt. Rund 77 Prozent fallen in die Kategorie der schwersten Arten von Vergehen in diesem Bereich, wie etwa das Ausstellen von Rechnungen für nicht erbrachte Dienstleistungen, betrügerische Angaben, unterlassene Steuererklärungen oder die Verdunkelung von steuerlich relevanten Unterlagen.

Drei Fälle von internationaler Steuerhinterziehung wurden aufgedeckt. Vorwiegend handelte es sich um die vermeintliche Verlegung des Firmensitzes oder des Wohnorts ins Ausland.

95 Personen, die ein Einkommen hatten, schienen beim Fiskus überhaupt nicht auf. 59 Arbeitgeber haben insgesamt 85 Personen „schwarz“ angestellt. In 154 Fällen gab es Unregelmäßigkeiten beim Arbeitsvertrag.

Insgesamt wurde in der Region ein Vermögen im Wert von fünf Millionen Euro beschlagnahmt, um Steuerbetrug zu sanieren. Zudem wurde die Beschlagnahmung von weiteren 37 Millionen Euro beantragt.

Im Bereich Treibstoff wurden fünf Personen angezeigt.

Das organisierte Verbrechen

In Kampf gegen das organisierte Verbrechen hat die Finanzpolizei in der Region 62 Überprüfungen vorgenommen. Betroffen waren in erster Linie Personen, die wegen organisierter Kriminalität bereits verurteilt waren oder die verdächtig werden, einer kriminellen Bande nahezustehen.

228 Personen und Firmen sind ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Immobilien, Geld und andere Güter im Wert von rund 10.000 Euro wurden beschlagnahmt.

In Zusammenhang mit Geldwäsche hat die Finanzpolizei 16 Kontrollen durchgeführt. Für 13 Personen wurde eine Verwaltungsstrafe fällig, weil sie mit einer größeren Bargeldmenge unterwegs waren.

Wegen betrügerischen Bankrotts wurden 23 Personen angezeigt, wegen Wucherei hingegen nur drei.

Bei Kontrollen an Grenzübergängen wurden 30 Personen erwischt, die insgesamt 700.000 Euro bei sich hatten.

Markenfälschung

Elfmal ist die Finanzpolizei wegen Markenfälschung eingeschritten. Zwei Personen wurden angezeigt. Insgesamt wurden 1.300 Produkte beschlagnahmt, bei denen es sich um Markenfälschung handelte, bei denen keine korrekte Ursprungsbezeichnung angegeben war oder die als gefährlich eingestuft wurden.

750 Kilogramm landwirtschaftliche Lebensmittelprodukte wurde beschlagnahmt, da es Verstöße in Zusammenhang mit der Aufschrift „Made in Italy“ gab.

Illegales Glücksspiel, Drogen und Bergrettung

Bei sieben Einsätzen in Spielhallen wurden in zwei Fällen Verwaltungsstrafen ausgestellt.

Insgesamt hat die Finanzpolizei außerdem 154 Kilogramm Drogen beschlagnahmt. Ins Visier der Ermittler gerieten 67 Personen, 30 davon wurden festgenommen.

Die Bergrettung der Finanzwache eilte unterdessen 600 Personen in einer Notsituation zu Hilfe.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen