„Hans Heiss irrt“

STF: “Alto Adige hat in Südtirol nichts zu suchen”

Montag, 04. Juli 2016 | 15:43 Uhr

Bozen – Die Süd-Tiroler Freiheit bezeichnet die entbrannten Diskussionen rund um die vom Landtag genehmigte Streichung des Begriffes „altoatesini“ als nationalistisch aufgebauschte Polemik italienischer Neofaschisten und unverbesserlicher Grünen. Fakt sei laut der Bewegung, dass die Bezeichnung „Alto Adige“ nur einen Zweck verfolge, nämlich jedweden Bezug zu Tirol in der Namensgebung des Landes zu leugnen.
 
Im Rahmen des Omnibusgesetzes hatte die Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Myriam Atz Tammerle, mit einem Abänderungsantrag erreicht, dass der Begriff „altoatesini“ nicht mehr verwendet und stattdessen durch die neutrale Herkunftsbezeichnung „della Provincia di Bolzano“ ersetzt wird, so wie diese vom Gesetz vorgesehen ist. Der offizielle Name des Landes lautet nicht „Alto Adige“, sondern „Provincia autonoma di Bolzano“. Die Bezeichnung „Alto Adige“ gilt nur in Bezug auf den Namen der Region „Trentino-Alto Adige/Südtirol“. „Die adjektivische Ableitung „altoatesino“ existiert rechtlich nicht und muss daher auch nicht verwendet werden“, so die Bewegung.
 
In diesem Zusammenhang weist der Sprachwissenschaftler und ehemalige Landestoponomast Dr. Cristian Kollmann die Aussagen von Hans Heiss und Andrea Di Michele entschieden zurück, wonach die Streichung des Begriffes „Alto Adige“ eine Form von „ethnischer Verfolgung“ darstelle. „Es ist erschreckend festzustellen, wie die Wissenschaft immer wieder dafür missbraucht wird, um mit historisch nicht fundierten Argumenten das tolomeisch-faschistische Konzept des „Alto Adige“ zu relativieren und zu legitimieren. Die Behauptung, „altoatesino“ sei bereits seit napoleonischer Zeit gebräuchlich, ist historisch schlichtweg falsch. Selbst in der königlich-faschistischen Verordnung vom 8. August 1923 ist nur von „Alto Adige“ und „atesino“, nicht jedoch von „altoatesino“ die Rede. Erst im Laufe des Faschismus etablierte sich das Adjektiv „altoatesino“ und ist somit eindeutig als faschistisch zu bezeichnen“, erklärt die Bewegung.
 
„Geflissentlich verschweigen Heiss und Di Michele auch, dass „Alto Adige“ unter Napoleon ein völlig anderes Gebiet als das heutige Südtirol bezeichnete. Zwischen 1797 und 1798 bezeichnete „Alto Adige“ ein kleines Gebiet südöstlich von Verona, und zwischen 1810 und 1814 weite Teile der heutigen Provinz Trient sowie den südlichen Teil der heutigen Provinz Bozen bis zur Linie Gargazon-Kollmann. Erst 1906, also über 90 Jahre nachdem der Begriff „Alto Adige“ von der Bildfläche verschwunden war, grub ihn Ettore Tolomei aus und übertrug ihn auf das zu annektierende Gebiet des heutigen Südtirols. Dabei schloss er aber das Pustertal östlich vom Toblacher Feld von dieser Namensgebung aus, beanspruchte dafür aber das schweizerische Münstertal“, so die Bewegung.
 
„Wenn man historisch und wissenschaftlich argumentieren will, dann bitte seriös und auf der Grundlage von Fakten. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass „Alto Adige“ nicht „Südtirol“ ist und daher hierzulande auch nichts verloren hat“, erklären Atz Tammerle und Cristian Kollmann.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen