Bewegung will das Thema weiter verfolgen

STF spricht von Diskriminierung deutschsprachiger Versicherungsnehmer

Donnerstag, 16. Juli 2015 | 16:20 Uhr

Bozen – Wer in Südtirol eine Pflichtversicherung (z.B. Autoversicherung) abschließt, hat das gesetzlich verankerte Recht, alle Vertragstexte und Mitteilungen in deutscher Sprache zu erhalten. „Derzeit ist dies aber bei kaum einer in Südtirol tätigen Versicherung möglich“, so Werner Thaler, Mitglied der Landesleitung der Süd-Tiroler Freiheit. „Obwohl die Gesetzeslage eindeutig ist, weigern sich Versicherungsgesellschaften den Kunden die Vertragstexte in deutscher Sprache vorzulegen.“ Dies ergab eine Umfrage der Arbeitsgruppe "Recht auf Muttersprache" der Süd-Tiroler Freiheit.

Die Süd-Tiroler Freiheit spricht indessen sogar von einer eklatanten Diskriminierung der deutschsprachigen Versicherungsnehmer. Nun will die Bewegung auf mehreren Schienen versuchen, dieses Recht für die Südtiroler umzusetzen: Zunächst wird die Problematik der Landesregierung mittels detaillierter Anfrage der Abgeordneten der Südtiroler Freiheit unterbreitet. Gleichzeitig soll die Landesregierung dazu aufgefordert werden, eine Erhebung des Ist-Zustandes zu machen, um bei Bedarf bei der italienischen Aufsichtsbehörde zu intervenieren.

Vor wenigen Tagen wurde auch dem Regierungskommissariat, zuständige Behörde für die Verwaltungsstrafen bei Verletzung von Zweisprachigkeitsbestimmungen, eine Sachverhaltsdarstellung übermittelt. Darin wurde die Regierungskommissärin anhand eines konkreten Falles einer Versicherungsgesellschaft aus Auer ersucht, die vom Gesetz vorgesehene Strafe in der Höhe von 2.500 Euro zu verhängen.

Zudem hat das Leitungsmitglied der Süd-Tiroler Freiheit, Werner Thaler, auch Kontakt zur Südtiroler Verbraucherzentrale aufgenommen und hofft auf derer Unterstützung, da die Sprache eines der elementarsten Rechte des Bürgers darstellt.

Warum stehen die Texte nicht in Deutsch zur Verfügung?

„Grundsätzlich ist den Versicherungsgesellschaften bekannt, dass sie die Verträge auch in Deutsch ausstellen müssen, zumal es auch eine Verordnung des Aufsichtsorganes dazu gibt. Die Versicherungsanbieter in Südtirol sind größtenteils von gesamtstaatlichen Versicherungen abhängig und werden von diesen im Stich gelassen“, erklärt die Bewegung. Dies zeige auch eine Rückmeldung einer Südtiroler Versicherung. „Die Versicherungsprodukte werden ständig überholt, was zur Folge hat, dass auch die Vertragstexte angepasst werden müssen. Und sagen wir so: Mit der Übersetzung dieser Vertragstexte ins Deutsche, lassen sich die Gesellschaften sehr viel Zeit. Im Moment steht uns wie gesagt keine Übersetzung zur Verfügung“, habe ein Versicherungsagent erklärt.

Die Süd-Tiroler Freiheit sieht in dieser Thematik dringenden Handlungsbedarf und wird sich weiterhin entschlossen für das Recht auf Gebrauch der Muttersprache einsetzen.

Von: ©mk