Dem Sohn droht eine Anzeige wegen Verleumdung

Stiefmutter unter Mordverdacht entlastet

Samstag, 12. September 2015 | 12:00 Uhr

Bozen – Mit einem schrecklichen Verdacht hat ein Südtiroler vor zwei Monaten Ermittlungen wegen Mordes ausgelöst. Die Stiefmutter habe seinem Vater Beruhigungstabletten gegeben und dadurch seinen Tod verursacht, meinte er laut einem Bericht des Tagblatts Dolomiten.

Das Ergebnis der Obduktion hat die Stiefmutter nun jedoch entlastet. Der Sohn riskiert jetzt eine Anzeige wegen Verleumdung.

Nachdem der 65-jährige Vater mit einem Krebsleiden in fortgeschrittenem Stadium aus der Palliativtherapie nach Hause entlassen worden war, pflegte ihn seine Frau. Doch als der Mann starb, erhob der Sohn des 65-Jährigen die Anschuldigungen gegen seine Stiefmutter.

Auch erklärte der Sohn, dass sein Vater erwähnt habe, er würde im Fall eines langen Leidens eine schnelle Erlösung vorziehen. Obwohl nur wenig für die Schuld der Stiefmutter sprach, waren die Ermittler gründlich und ordneten eine Autopsie an. Gestern erhielt die Bozner Staatsanwaltschaft das Ergebnis.

Demnach hat kein Medikament einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf des Vaters gehabt und dessen Tod verursacht. Der Mann war seinem schweren Krebsleiden erlegen. Das Beruhigungsmittel, das ihm verschrieben worden war, wurde ihm regulär verabreicht.

Die Staatsanwaltschaft will deshalb die Archivierung der Ermittlungen gegen die Stiefmutter beantragen. Während dem Sohn nun eine Anzeige wegen Verleumdung droht, könnten hingegen auf eine Witwe in einem anderen Fall Ermittlungen wegen Vortäuschung einer Straftat zukommen.

Auch die Witwe hatte auf einer Autopsie ihres verstorbenen Mannes bestanden. Die Frau erklärte, dass ihr Mann als Bauarbeiter oft mit Asbest in Kontakt gekommen sei. Dies habe seinen Tod verursacht. Doch die Vermutung erwies sich als haltlos.

Der Mann, der einem schweren Lungenleiden erlegen war, hatte – wie sich dann herausstellte – seit seinem 14. Lebensjahr rund 40 Zigaretten am Tag geraucht. Diese Information hat die Frau den Ermittlern allerdings nicht mitgeteilt. Wäre dies gleich bekannt gewesen, hätten sich die Autopsie und die damit verbundenen Kosten möglicherweise erübrigt.

In Italien gibt es allerdings keine Rechtsgrundlage, um einem Bürger eine Untersuchung, die durch seine falsche oder unvollständige Aussage ausgelöst wurde, in Rechnung zu stellen.

Von: ©mk