Er war 73 Jahre alt

Südtirolaktivist Peter Kienesberger verstorben

Mittwoch, 15. Juli 2015 | 20:15 Uhr

Bozen – Der gebürtige Oberösterreicher Peter Kienesberger, der wegen eines Anschlags im Jahr 1967 mit vier toten italienischen Militärs im Jahr 1971 von einem Schwurgericht in Florenz in Abwesenheit mehrfach zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden ist, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. Dies berichtete der Südtiroler Heimatbund am Mittwoch.

Der gebürtige Welser, der zuletzt in Deutschland lebte, studierte nach der Matura in Innsbruck. Dort wurde er Mitglied der Burschenschaft Brixia und schloss sich dem Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) an. Bereits als 19-Jähriger beteiligte er sich 1961 an einem Überfall mit Georg Klotz auf das Stauwerk Rabenstein im Sarntal.

In Folge soll er an zahlreichen Aktionen und Anschlägen des BAS beteiligt gewesen sein. Ein Fernsehauftritt von Kienesberger zusammen mit Norbert Burger in der Sendung Monitor am 29. Juni 1966 führte zu einer Verstimmung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Italien. Kienesberger wurde verdächtigt, in den Anschlag auf der Porzescharte in Italien verwickelt gewesen zu sein und wurde 1967 von einem Gericht in Florenz in Abwesenheit zu mehrfach lebenslänglicher Haft verurteilt.

Vor österreichischen Gerichten erzielte Kienesberger in derselben Sache, nach einer ersten Verurteilung, in der Berufungsverhandlung einen Freispruch. Er war 1967 zusammen mit Norbert Burger einer der vier Gründer der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei (NDP). Kienesberger übersiedelte schließlich nach Nürnberg, wo der Diplom-Kaufmann seit den 1970er-Jahren lebte und als Verleger und Publizist tätig war. Laut Bayerischem Verfassungsschutz verbreitete er über seinen "Buchdienst Südtirol" rechtsextremistisches Gedankengut.

Die Südtiroler Freiheitlichen betonten in einer Aussendung, dass die heutige Südtirol-Autonomie "nur unter schwersten Opfern errungen" werden konnte. Kienesberger habe sich "gegen nationalistische Italianisierungsmaßnahmen und gegen staatliches Unrecht" eingesetzt, erklärte die Landtagsabgeordnete Ulli Mair.

Südtiroler Schützenbund zum Tod von Peter Kienesberger

Der ehemalige Südtiroler Freiheitskämpfer Peter Kienesberger ist am 14. Juli 2015 verstorben. "Peter Kienesberger war in den 1960er Jahren gemeinsam mit Jörg Klotz, Heinrich Oberleiter, Luis Amplatz, Erhard Hartung einer jener selbstlosen Idealisten, dessen Liebe und Einsatz Zeit seines Lebens einem vereinten Tirol galt", meint der Südtiroler Schützenbund(SSB).

"Er wurde dafür in fragwürdigen Prozessen in Italien zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und konnte bis zu seinem Lebensende nicht mehr nach Südtirol einreisen. Er stand in Österreich ob der gleichen Vorwürfe in mehreren Südtirol-Prozessen vor Gericht und wurde jedes Mal freigesprochen", unterstreicht der SSB.

"Sein publizistisches Engagement für die Südtiroler Sache brachte ihm weitere Verfolgung durch die italienischen Behörden ein, die bis Ende der 1980er Jahre andauerten", so der SSB weiter.

"Der Südtiroler Schützenbund bedauert, dass nun nach Wolfgang Pfaundler und Gerd Bacher ein weiterer Zeitzeuge und maßgeblicher Protagonist der 1960er Jahre verstorben ist. Ihr Einsatz für unser Land war in jeder Hinsicht prägend und hat wesentlich dazu beigetragen, dass die deutsche Volksgruppe in Südtirol sich bis heute gehalten und weiterentwickelt hat. Mit Peter Kienesberger geht zudem ein Mann, dessen Sorge und dessen Gedanken bis zum letzten Atemzug Südtirol galten", abschließend der Südtiroler Schützenbund.

Der Südtiroler Schützenbund drückt den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Von: ©apa/ka

Bezirk: Bozen