Europas Bildungssystem für Flüchtlinge zugänglich machen

Südtiroler Designer unterstützen Flüchtlings-Universität “KIRON”

Sonntag, 13. September 2015 | 17:41 Uhr

Bozen/Berlin – Ab heute können sich Flüchtlinge weltweit gratis bei der neu gegründeten Online-Universität “Kiron University” anmelden und ihre Ausbildung beginnen oder fortsetzen, während sie auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge warten. Die Crowdfunding-Kampagne (Schwarmfinanzierung) der Kiron University läuft erst seit fünf Tagen und bereits jetzt haben die Gründer knapp 100.000 Euro an Spenden gesammelt, um Flüchtlingen einen akademische Abschluss zu ermöglichen.

An diesem Erfolg sind auch drei Südtiroler maßgeblich beteiligt. Unter der Leitung des Designers Andreas Trenker (25, Niederdorf) entstand in Zusammenarbeit mit Raphael Di Biase (26, Lana) und Alexander Indra (26, Lana), allesamt Absolventen der Freien Universität Bozen, das Video zur Kampagne, welches in den ersten 48 Stunden über 30.000 Mal angeklickt und über 1.000 Mal auf Facebook geteilt wurde. Trenker, der auch das Logo für die Uni entworfen hat, meint zu den ersten Reaktionen: „Das ist ein sehr guter Start und wir sind stolz darauf, dass unsere freiwillige Arbeit einen Beitrag zum Erfolg dieses großartigen Projektes leistet.”

Vor zwei Wochen waren die drei Südtiroler nach Berlin gereist um den kurzen Spot zu drehen. „Wir mussten unter großem Zeitdruck und ohne Budget das Video drehen und umso mehr freut es uns, dass es einen so großen Anklang findet”, sagt Di Biase. Die Spendenaktion dauert noch weitere 55 Tage an und um das gesetzte Finanzierungsziel von 1.200.000 Euro zu erreichen und den ersten 1.000 Flüchtlingen das Bachelor-Studium zu gewährleisten, braucht die junge Universität noch einige Unterstützung. Indra gibt sich zuversichtlich: “Dieses Projekt wird die größte Crowdfunding-Kampagne die es je in Deutschland gab. Wir sind uns sicher, dass Kiron das Ziel erreichen wird und dass auch aus Südtirol einige Spenden zusammenkommen.”

Warum überhaupt eine Universität für Flüchtlinge notwendig ist erklärt Trenker: “Viele Flüchtlinge mussten ihre akademische Ausbildung abbrechen und dürfen in Europa diese nicht fortsetzen und auch nicht arbeiten. Bis ihr Asylantrag bearbeitet ist stehen sie für zwei bis drei Jahre still. Viele Flüchtlinge die wir getroffen haben sind hoch motiviert und wollen ihre Wartezeit nutzen um was zu lernen um später auf eigenen Beinen stehen zu können.” Kiron hat sich zum Ziel gesetzt genau an diesem Punkt anzusetzen und Studienplätze für Flüchtlinge zu schaffen. Di Biase wirft ein: “Besonders Flüchtlinge aus Syrien haben oft einen hohen Akademischen Grad, sind Medizinstudenten, Doktoren, Architekten. Kiron sorgt dafür, dass diese Talente nicht auf der Strecke bleiben, sondern fördert sie und gibt ihnen Hoffnung.”

Die Motivation für ihr sozialen Engagement formuliert Indra wie folgt: “Nachdem ich mit Trenker letztes Jahr ein Rechercheprojekt auf Lampedusa und Sizilien abgeschlossen habe, haben wir uns weiter mit der Thematik beschäftigt und gemerkt, dass die europäische Politik mit den Flüchtlingen völlig überfordert zu sein scheint. Deswegen haben wir uns entschlossen unsere Ideen und Kräfte einzusetzen um selbst aktiv zu werden.“

Jeder der einen Beitrag leisten möchte, findet unter www.startnext.com/kironuniversity alle Angaben und das Video der Südtiroler Gestalter.

Von: ©mh