Landesgesundheitsbericht nimmt chronisch Kranke unter die Lupe

Südtirols Gesundheit in Zahlen

Freitag, 01. Juli 2016 | 12:36 Uhr

Bozen – Die demographische Entwicklung und die chronischen Krankheiten standen im Mittelpunkt der heutigen Vorstellung des Landesgesundheitsberichts. 

Die Epidemiologische Stelle des Landes nimmt laufend den Gesundheitszustand der Südtiroler Bevölkerung unter die Lupe. Die wichtigsten Daten über die Gesundheit, die Lebensweise und die gesundheitlichen Bedürfnisse der Südtiroler werden jährlich im Landesgesundheitsbericht zusammengefasst. Die demographische Entwicklung in Südtirol, die damit verbundene Zunahme von chronisch kranken Patienten und die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem standen im Mittelpunkt der heutigen Vorstellung des Gesundheitsberichtes 2015 mit Gesundheitslandesrätin Martha Stocker und der Koordinatorin der Epidemiologischen Beobachtungsstelle des Landes Carla Melani.

Südtirols Gesundheit in Zahlen

Pro Jahr werden laut dem Landesgesundheitsbericht 2015 in Südtirol 3 Millionen Medikamentenrezepte, 203.000 Zugänge zur Notaufnahme, 470.000 akute und 61.000 postakute Aufenthaltstage sowie 8,2 Millionen fachärztliche Leistungen verzeichnet. Die Leistungsempfänger sind zu einem Drittel chronisch Kranke (32 Prozent der Bevölkerung), darunter unter anderem Diabetiker (4 Prozent) sowie Patienten mit Bluthochdruck (15 Prozent), mit Atemwegserkrankungen (4 Prozent) oder mit einem Tumor (5 Prozent). Die Gesundheitsversorgung der Südtiroler schlägt in Summe mit einer öffentlichen Pro-Kopf-Ausgabe von 2.300 Euro pro Jahr zu Buche.

Demographischer Wandel: chronisch Kranke nehmen zu

“Es sind die chronisch kranken Patienten, die im Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung verstärkt in den Mittelpunkt rücken”, erklärte Gesundheitslandesrätin Stocker im Zusammenhang mit dem diesjährigen Schwerpunkt der Vorstellung des Landesgesundheitsberichtes. “Die hohe Lebenserwartung in Südtirol begründet sich sicher auch in den Investitionen für den Sport, in Sensibilisierungsmaßnahmen für Bewegung und in der Gesundheitsförderung”, so die Landesrätin zur durchschnittlichen Lebenserwartung der Südtiroler (80,9 Jahre) sowie der Südtirolerinnen (85,6 Jahre). Der Altersindex liegt hingegen bei 120, dies bedeutet dass auf 100 Kinder unter 14 Jahre insgesamt 120 Senioren über 65 kommen. In den nächsten Jahren ist ein weiterer Anstieg der Anzahl älterer Menschen zu verzeichnen: Waren in den 1930er Jahren noch 6 von 100 Menschen älter als 65 Jahre, sind es aktuell insgesamt 19. Bis zum Jahr 2045 werden 30 Prozent der Südtiroler Bevölkerung Senioren sein. Diese Entwicklung wirkt sich unweigerlich auf das Gesundheitssystem aus. „Wenn bereits heute mindestens zwei Drittel der Über-65-Jährigen von einer chronischen Krankheit betroffen sind und dieser Prozentsatz weiter steigt, dann ist klar, wo der Schwerpunkt liegen muss“, sprach Landesrätin Stocker die Herausforderungen für das Gesundheits- und Sozialsystem an. Laut dem aktuellen Südtiroler Landesgesundheitsbericht sind 32 Prozent der betreuten Menschen von chronischen Krankheiten betroffen und beanspruchen 79 Prozent der finanziellen Mittel. 59 Prozent der Ausgaben für chronisch Kranke Patienten betreffen die Aufenthalte im Krankenhaus.

Chronisch kranke Patienten im Betreuungsprofil

Die Koordinatorin der Epidemiologischen Beobachtungsstelle Melani stellte die Betreuungsprofile des Landesgesundheitsdienstes mit besonderem Augenmerk auf die 165.000 chronisch kranken Patienten in Südtirol vor. “Die insgesamt sieben unterschiedlichen Profile helfen uns, um zu verstehen, wer sich wofür an den Landesgesundheitsdienst wendet und welche Ressourcen es braucht”, erklärte Melani einleitend.

Die knapp 131.000 chronisch Kranken in Südtirol sind dabei im Durchschnitt 60,1 Jahre alt, benötigten 31 Medikamentenpackungen, 22 fachärztliche Leistungen und 34 Hilfsmittel im Jahr. Die Ausgaben für diese Patienten, die in ihrer Betreuung und Behandlung auf keine Krankenhausaufenthalte angewiesen sind, belaufen sich auf jährlich 864 Euro pro Kopf.  Die 31.000 schwer chronisch kranken Patienten sind hingegen durchschnittlich 65,6 Jahre alt, liegen jährlich 19 Tage im Krankenhaus, benötigen 54 Packungen Medikamente, 47 fachärztliche Leistungen und 68 Hilfsmittel. Die von diesen Patienten jährlich beanspruchten Ressourcen belaufen sich auf 9.520 Euro pro Kopf. Die 2.773 chronisch Kranken im letzten Lebensabschnitt sind durchschnittlich 79,8 Jahre alt, werden 26 Tage im Krankenhaus behandelt, brauchen 41 Packungen Medikamente, 43 fachärztliche Leistungen und 125 Hilfsmittel. Die Pro-Kopf-Ausgaben liegen bei 14.705 Euro im Jahr.

“Es ist wichtig zu verstehen, wo man einschreiten kann, um das Gesundheitssystem unter Kontrolle zu halten”, zog die Koordinatorin Melani abschließend einige Schlussfolgerungen aus den vorgestellten statistischen Daten. Um die durch die demographische Entwicklung bedingten Kostensteigerungen unter Kontrolle zu halten, gelte es neue Formen der Betreuung von chronisch Kranken zu finden, die – immer unter Berücksichtigung einer qualitativ hochwertigen und sicheren Betreuung – die hohe Anzahl von Krankenhausaufenthalten reduziert. Ein Augenmerk liegt laut Melani zudem auf die Initiativen in der Prävention von Risikofaktoren und in Selbstmanagementkursen für chronisch kranke Patienten.

“Es geht zusammenfassend darum, den Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtige Versorgung zu ermöglichen”, nahm Landesrätin Stocker Stellung. “Wir müssen dabei jetzt die Voraussetzungen schaffen, um die hohen Versorgungsstandards zu erhalten, in einigen Bereichen neue Alternativen finden und in anderen Bereichen noch zulegen”, so die Landesrätin.

Der vollständige Landesgesundheitsbericht 2015 der Epidemiologischen Beobachtungsstelle des Landes kann unter http://www.provinz.bz.it/eb/ eingesehen und heruntergeladen werden.

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen