Primare verlangen mehr Bemühungen

Suizid: Prävention zu teuer?

Mittwoch, 09. September 2015 | 12:00 Uhr

Bozen – In Südtirol nimmt sich im Durchschnitt pro Woche ein Mensch das Leben. Zwei bis drei Selbstmordversuche, die scheitern, soll es unterdessen täglich geben.

Den Welttag der Suizidverhütung am Donnerstag nehmen die Primare der psychiatrischen Abteilungen von Bruneck und Brixen, Dr. Roger Pycha und Dr. Josef Schwitzer, zum Anlass, Bilanz über zehn Jahre „Europäische Allianz gegen Depression in Südtirol“ zu ziehen. Gleichzeitig fordern sie die Wiederaufnahme des Projekts, das inzwischen eingestellt wurde, berichtet das Tagblatt Dolomiten.

Denn: In Südtirol ist die Suizidrate doppelt so hoch wie im übrigen Staatsgebiet und deutlich höher als im Trentino. Im Jahr 2012 starben 52 Südtiroler durch Selbstmord, 2013 waren es 47. Doch wie die Primare erklären, gibt es auch Erfolge.

Ein ganzes Netzwerk an Hilfsangeboten sei mittlerweile entstanden, allen voran psychiatrische Bereitschaftsdienste rund um die Uhr und psychiatrische Abteilungen an den vier Krankenhäusern von Bozen, Meran, Brixen und Bruneck. Die Stärken des Netzwerks, das in zehn Jahren „Europäische Allianz gegen Depression in Südtirol“ besonders intensiv aufgebaut worden ist, seien Telefonberatungsstellen, Selbsthilfegruppen, gut informierte Seelsorger, Lehrer und Ordnungskräfte, Notfallseelsorge, Notfallpsychologie und bestens ausgebildete Hausärzte, erklären die Experten laut „Dolomiten“.

Aber auch wissenschaftlich habe man versucht, dem Thema weiter auf den Grund zu gehen. Zehn Jahre lang habe die „Südtiroler Arbeitsgruppe für Suizidprävention“ Daten gesammelt und wertvolle Informationen erhoben, erklären die Primare.

Am Höhepunkt des Projekts „Europäische Allianz gegen Depression“ im Jahr 2007 beklagte Südtirol nur mehr 38 Opfer. Doch diese Zahl stieg 2008 erneut, als das Projekt zu Ende ging.

Für die Primare steht deshalb fest: Es brauche mehr Bemühungen. Seit 2010 bestehe in zwar ein freiwilliges „Netzwerk zur Krisenverhütung“, allerdings ohne jede finanzielle Unterstützung.

„Manche Anliegen sind wohl zu teuer, um sie gut zu verwirklichen, aber auch zu wichtig, um sie brachliegen zu lassen“, betonen die Experten laut „Dolomiten“ abschließend.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen