Umstrittene Aktion

Trient: Wenig Freude mit Schützen-Stahlkreuzen

Dienstag, 21. April 2015 | 12:00 Uhr

Bozen/Trient – Die Aktion der Südtiroler Schützen mit den Stahlkreuzen stoßt im Trentino auf wenig Gegenliebe. Der Verband der Tiroler Schützen, der Dachverband der Schützenbünde von Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol, will am 8. und 9. August entlang der Südfront des Ersten Weltkriegs insgesamt 70 Stahlkreuze, die 1,65 Meter hoch sind, samt Gedenktafel aufstellen. Der Präsident des Trentiner Alpenvereins SAT, Claudio Bassetti, zeigt sich kritisch, wie das Tagblatt Dolomiten berichtet. Er sei nicht gegen die Aktion, weil sie von den Schützen komme, sondern weil die Kreuze eher trennen als verbinden würden.

Auf den Gedenktafeln soll in deutscher, italienischer, ladinischer und englischer Sprache „Im Gedenken an unsere Tiroler Standschützen; 1915-1918 – Die Tiroler Schützen im Gedenkjahr 2015“ stehen.

Laut Bassetti handle es sich bei der Aktion um einen Versuch, das Territorium zu markieren. Der Trentiner Landeshauptmann Ugo Rossi erklärt auf eine Anfrage vom Landtagsabgeordneten Filippo Degasperi von M5S im Trentino ausweichend. Bei ihm liege derzeit kein Antrag vor. Sollte es so weit kommen, dann werde er in dem Geiste beurteilt, wonach aller Gefallenen gedacht werden sollte, betont Rossi laut „Dolomiten“.

Rossi kann sich allerdings einen Seitenhieb zur zeitlichen Einschränkung von 1915 bis 1918 nicht verkneifen. „Meines Wissens starben Trentiner bereits 1914 in Galizien“, so Rossi.

Der Südtiroler Schützenbund zeigt sich durch den Widerstand im Trentino jedoch nicht beunruhigt. Von den 42 Kreuzen, die im Trentino aufgestellt werden, habe man bereits für 27 die Genehmigung der Eigentümer der Gründe bzw. auch schon die Zusatzgenehmigung der jeweiligen Gemeinde, wenn das Ansuchen noch gemäß altem Raumordnungsgesetz erfolgt ist, erklärt der Schützenbundgeschäftsführer Florian von Ach laut „Dolomiten“.

Probleme gebe es „an einigen wenigen Standorten“, und zwar wenn es um den Nationalpark und um sonstige Landschaftsschutzgebiete gehe. In solchen Fällen wollen die Schützen auf Privatgründe ausweichen.

Auf die Frage, warum wird nur der Tiroler Standschützen und nicht aller Gefallenen gedacht wird, erklärt von Ach laut dem Dolomiten-Bericht: „Man kann immer alle einschließen, keine Frage. Aber die Standschützen sind unsere Vorfahren, sie waren kein reguläres Militär, sondern eine Volksmiliz. Des regulären Militärs gedenken die offiziellen Stellen. Die Trentiner Standschützen sind bisher immer durch den Rost gefallen, weil sie weder von Italien noch von österreichischer oder deutscher Seite als ihre Toten betrachtet wurden.“

Von: ©mk

Bezirk: Bozen