„Abzocke pünktlich zur Reisezeit“

Urlaubszeit – und schon klettern die Treibstoffpreise

Samstag, 25. Juni 2016 | 08:31 Uhr

Bozen – Die Benzin- und Dieselpreise steigen in Südtirol wieder deutlich an – pünktlich zu Beginn der Reisezeit „Jetzt beginnt wieder die Urlaubsabzocke bei den Autofahrern“, kritisiert der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion, Andreas Pöder.

„Diesel kostet an vielen Tankstellen wieder weit über eineinhalb Euro, Benzin hat wieder die 1,50-Euro-Grenze durchbrochen, Diesel liegt schon wieder bei Preisen deutlich über 1,30 Euro. Das sind Preissteigerungen in nur zwei Monaten von zehn bis 15 Euro je Tankfüllung und mehr“, gibt der Abgeordnete zu bedenken.

„In Österreich und Deutschland sind die Preise  vergleichsweise verhaltener angestiegen bzw. in der letzten und vorletzten Woche sogar wieder leicht gesunken, dort liegen die Preise überdies immer noch 20 bis 30 Cent unter dem Südtirol-Niveau. Die Sommerabzocke der Benzin- und Diesel-Konzerne ist besonders in Südtirol spürbar und trifft natürlich nicht nur die Reisenden sondern auch die einheimische Bevölkerung“, so der Abgeordnete der BürgerUnion.

Vor über einem Jahr hatte der Landtag einen Antrag Pöders genehmigt, mit dem das Land von der Brennerautobahn verlangt hat, dass die extreme Sprit-Preisspirale an der Brennerautobahn eingedämmt wird und dass man bei den Kartell- bzw. Wettbewerbsorganen auf Staatsebene gegen die extrem hohen Treibstoffpreise interveniert.

„Eine Tankfüllung ist mittlerweile schon wieder zehn bis 15 Euro teurer als noch vor ein bis zwei Monaten. Die Landesregierung muss aktiv werden, um die Kartellbehörden zum Einschreiten zu bewegen. Die Benzin- und Diesel-Konzerne zocken die Autofahrer und somit die Familien und Betriebe regelmäßig zu Reisebeginn ab“, so Pöder.

Die hohen Treibstoffpreise würden auch daraus resultieren, dass der Preis bei Benzin zu 64,5 Prozent und bei Diesel zu 65 Prozent aus Steuern besteht. „Steuern, welche ins Land der Historie gehören. So leisten wir mit jedem Tank unseren Beitrag zum Äthiopienkrieg von 1935 oder zur Suez-Krise im Jahre 1956“, erklärt Pöder weiter.

Doch der Benzinpreis enthalte noch weitere Überraschungen. So finanzieren Autofahrer weiterhin die Schäden nach der Überschwemmung von Florenz im Jahre 1966 und dem Erdbeben im Friaul 1976. Doch auch der Krieg im Libanon 1983 und der Bosnienkrieg 1996 würden weiter mit den Benzinpreisen finanziert, ebenso der Ankauf von Autobussen im Jahre 2005. „Hier wird klar ersichtlich, dass die Bürger an der Nase herumgeführt werden. Wenn der Staat Steuern auf Benzinpreise einhebt, um ein kurzfristig auftretendes Phänomen zu finanzieren, ist dies sein Recht. Doch nach Beendigung derselben muss der Aufschlag wieder entfernt werden“, fordert Pöder.

Seiner Ansicht nach geht die derzeitige Sommerabzocke allerdings zur Gänze auf das Konto der Konzerne. „Die Konzerne erhöhen damit ihre Gewinnspanne, während die Tankstellenpächter weiterhin nur zwei bis drei Cent vom Gesamtpreis erhalten. Die Gewinner der Sommerabzocke sind also Staat, Land und Konzerne“. Lautet Pöders Fazit.
 
Pöder hatte im Landtag einen Gesetzentwurf zur Senkung der Treibstoffpreise eingebracht. Damit hätte der Treibstoffpreis für in Südtirol ansässige Bürger deutlich gesenkt werden können. Die Landesregierung hat diesen Vorschlag jedoch abgelehnt.

Außerdem listet der Landtagabgeordnete due Abgaben pro Liter Treibstoff auf. Demnach zahlen Bürger 0,000981 Euro für den Äthiopienkrieg von 1935 bis 1936, 0,00723 Euro für die Suez-Krise im Jahr 1956, 0,00516 Euro für die Behebung der Schäden in Vajont aus dem Jahr 1963, 0,00516 Euro für Schäden bei der Überschwemmung in Florenz im Jahr1966, 0,00516 Euro für den Wiederaufbau nach Erdbeben in Belice im Jahr 1968, 0,0511 Euro für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben im Friaul im Jahr 1976, 0,0387 Euro für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben in Irpinien 1980, 0,106 Euro für den Libanon-Krieg im Jahr 1983, 0,0114 Euro für die Mission in Bosnien im Jahr 1996, 0,02 Euro für die Erneuerung der Verträge der sogenannten autoferrotranvieri im Jahr 2004, 0,005 Euro für den Ankauf von Ökologischen Bussen im Jahr 2005 und 0,0051 Euro für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben in Aquila im Jahr 2009.

Beiträge für Kultur aus dem Jahr 2011 machen zwischen 0,0071 und 0,0055 Euro aus. 0,04 Euro waren für die Ankunft von Flüchtlingen nach der Libyenkrise im Jahr gedacht. 0,0089 Euro zahlen die Bürger für die Behebung der Schäden nach Überschwemmung in Ligurien und Toskana, 0,082 Euro (0,113 auf Diesel) werden für das Dekret “Salva Italia” aus dem Jahr 2011 fällig und 0,02 Euro für den Wiederaufbau nach Erdbeben in der Emilia im Jahr 2012.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen