FH: "Bedürfnisse des ländlichen Raums erscheinen eher nachgereiht"

Was tun mit den Problembären?

Dienstag, 07. Juli 2015 | 08:02 Uhr

Bozen – Besorgniserregende Zwischenfälle mit Braunbären sowohl im Trentino als auch in Südtirol warfen viele Frage über die bestehende Situation des Neuansiedelungsprogramms im Alpenraum auf.

In dicht besiedelten Gebieten, wie in Südtirol, kreuzen sich unvermeidlich die Wege von Menschen und Bären – Schäden an Haustieren und am Eigentum mit inbegriffen.

Der Freiheitliche Landtagsabgeordnete und Obmann Walter Blaas hat Informationen zum Schutz der Bevölkerung und der entstandenen Schäden der letzten Jahre eingeholt.  

„Wegen der geltenden Bestimmungen durch das römische Umweltministerium und der äußerst restriktiven Auslegung fehlten vielfach das juridische und folglich auch das praktische Instrumentarium für ein aktives Bärenmanagement. Es überwiege der Schutzgedanke der Tiere, die Bedürfnisse des ländlichen Raumes erscheinen eher nachgereiht“, entnimmt der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Blaas einleitend aus der Antwort auf seine Anfrage.

„Völlig offen scheint die Frage, wie eine künftig wachsende Bärenpopulation reguliert werden soll“, hält Walter Blaas fest und bemängelt die „Konzeptlosigkeit bei der Neuansiedelung von Bären“, was generell zu hinterfragen sei. Die Südtiroler Kulturlandschaft sei zu engmaschig für eine Bärenpopulation.

„Die Sicherheit der unmittelbar betroffenen Bevölkerung hängt auch vom Bärenbestand ab“, so der Landtagsabgeordnete, „denn mögliche Nahrungsquellen in den Siedlungen können Bären anlocken, welche folglich vermehrt die Nähe des Menschen aufsuchen werden. Aktuell arbeite das Amt für Jagd und Fischerei an Informationstafeln mit Verhaltensregeln im Umgang mit Bären. Die Tafeln werden den Gemeinden angeboten und können an Wanderwegen mit regelmäßiger Bärenpräsenz platziert werden. Sollten sich Bären in Siedlungsnähe aufhalten, so leiten die Mitarbeiter des Landesforstkorps Vergrämungs- oder andere Maßnahmen ein. Nur wenige Tiere wurden bisher mit einem Sender zur Klärung ihres Aufenthalts versehen, sodass die Ermittlung ihrer Standorte kaum möglich ist.“

„Die jährlichen Schäden und deren Vergütungen belaufen sich auf mehrere Tausend Euro. Im Jahr 2012 beliefen sich die Vergütungen auf 15.830 Euro und weitere 25.651 Euro mussten für einen Pkw-Schaden aufgebracht werden. Das abgelaufene Jahr 2014 weist an sieben Haustieren und 27 Bienenstöcken Schäden auf und eine Vergütungssumme von 9.405 Euro musste bereitgestellt werden. Bis Juni 2015 sind Schäden in der Höhe von 2.026 Euro entstanden“, beschreibt Blaas und sieht nicht nur in den Vergütungskosten ein Problem, sondern auch bei den Kosten für das Personal, das sich mit den Bären auseinandersetzen muss.

„Wenn sich ein Bär öfters bewohnten Gebieten nähert, so gibt es eine ausgebildete Bäreneinsatzgruppe“, entnimmt der Freiheitliche Landtagsabgeordnete abschließend aus den vorliegenden Antworten, „welche mittels Gummi- und Knallgeschossen das Tier vertreiben.“ Der Aufwand und die Schäden sind laut Blaas beachtlich und auch ein Einlenken der römischen Politik werde auf sich warten lassen.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen