Furchterregende Begegnung in Vezzano im Trentino

Was tun, wenn der Bär angreift?

Donnerstag, 18. Juni 2015 | 12:05 Uhr

Bozen/Vezzano – In Vezzano im Trentino ist es Medienberichten zufolge erneut zu einer furchterregenden Begegnung zwischen einem Menschen und einem Bären gekommen.

Ein 62-jähriger Rentner, der mit seinem Jeep nach Hause gekommen war, sah eine Bärin mit zwei Jungen. Die Tiere fraßen gemütlich Kirschen von einem Baum in seinem Garten.

Der Mann verbarrikadierte sich sofort in seinem Fahrzeug. Obwohl er mehrmals auf die Hupe drückte und mit den Scheinwerfern aufgeblendet hatte, zeigten sich die Tiere kaum verschreckt.

Stattdessen beendeten sie ihren Schmaus und zogen dann in aller Ruhe davon.

Aufgrund der Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit steigt die Unsicherheit bei der Bevölkerung in der Region und es kommen Fragen auf: Wie soll man sich verhalten, wenn man im Wald zufällig einem Bär begegnet und dieser zu einem Angriff startet. Der Geschäftsführer des Jagdverbandes, Heinrich Aukenthaler, rät in einem „Dolomiten“-Interview: „Wenn ein Bär angreift, dann sollte man nicht flüchten, sondern sich stellen – wie beim Angriff eines aggressiven Hundes.

Aukenthaler zitiert dabei Studien von skandinavischen Braunbärforschern, die Begegnungen zwischen Mensch und Bär eigens provoziert haben, um die bestmöglichen Lehren daraus zu ziehen.

Sich einem Bären zu stellen, bedeutet konkret: Wenn das Tier auf jemanden zu rennt, dann sollte man nicht flüchten und nicht übertriebene Bewegungen machen. Hals über Kopf zu flüchten sei das falsche Rezept, da dies den Verfolgungsinstinkt des Bären auslöse. Allerdings sollte man sich auch nicht allzu aggressiv zeigen.

Auf nahen Distanzen wirke auch Pfefferspray abschreckend. Laut einem Dekret von 2011 gibt es in Italien aber Einschränkungen. Pfefferspray ist demnach nur dann freigegeben, wenn die Spraydosen nicht mehr als 20 Milliliter Flüssigkeit mit Peperoncino-Öl enthalten. Der Anteil des Peperoncino-Öls in der Flüssigkeit darf maximal nur zehn Prozent betragen und der Wirkstoff im Öl darf 2,5 Prozent nicht überschreiten. Die Reichweite beim Sprühen darf drei Meter betragen.

Auckenthaler erklärt auch, dass das Mitführen eines Hundes bei der Begegnung mit einem Bär ein Risiko darstellen könne. Auch wenn ein Tierkadaver in der Nähe liegt, könne das Risiko eines Angriffs erhöht werden.

Außerdem sollte man von der Winterhöhle eines Bärs Abstand halten. Auch Bären finden Hausfriedensbruch störend. In Skandinavien sei es deshalb zu einem Angriff gekommen, erklärt Auckenthaler laut „Dolomiten“.

Von: ©mk