Training im Wald

Werden Endurofahrer zur Plage?

Montag, 13. Juli 2015 | 22:25 Uhr

Bozen – Das Phänomen der Enduro- und Trial-Fahrer, die im Wald und auf Wiesen unterwegs sind, beschränkt sich im Moment zwar nur auf einige Gebiete in Südtirol, ist aber im Steigen begriffen.

Vor allem scheinen die Villanderer Alm und das Sarntal betroffen zu sein. Auch Kontrollen der Förster haben kaum abschreckende Wirkung.

Grund dafür sollen mangelnde Trainingsmöglichkeiten sein, berichtet das Tagblatt Dolomiten.

Der Direktor der Abteilung Forstwirtschaft, Paul Profanter, spricht sich deshalb für mehr Trainingsorte aus. Er kritisiert, dass man Übungsplätze für Motorradfahrer abgeschafft habe – etwa in Vahrn.

Eine Trainingsmöglichkeit für Motorradfahrer wäre zwar der Safety Park in Pfatten. Aber angeblich ist diese Möglichkeit ei Brixnern und Pustertalern wenig beliebt. „Ich weiß nicht warum“, meint Profanter. Einigen dürfte wohl die Entfernung zu groß sein. Laut Safety Park-Direktorin Erica Furini sind aber auch einige Motorradfahrer bereit, weite Wege in Kauf zu nehmen, um im Safety Park zu trainieren.

„Diese Plage der Motorradfahrer zu kontrollieren, ist sehr schwierig“, erklärt der Leiter des Forstinspektorates Brixen, Georg Mitterrutzner, gegenüber den „Dolomiten“. 2014 und heuer habe die Zahl der Enduro- und Trialfahrer zugenommen.
 
Unterwegs seien sie unter anderem auch auf der Plose und im Schalderer Tal – vor allem am Wochenende. Betroffen sei auch das Grödner Tal.

Laut dem Amt für Forstverwaltung sei es auch nötig, nachts Kontrollen durchzuführen. Doch die Motorradfahrer verdecken ihre Kenntafel oder montieren sie ab. Falls man erwischt wird, kann das Motorrad beschlagnahmt werden und es droht eine hohe Verwaltungsstrafe. 2014 kam es zu elf verwaltungsrechtlichen Beschlagnahmen, 2013 waren es sieben.

2014 wurde einmal sogar eine Försterin, die einen Motorrad-Rowdy auf dem Salten stellen wollte, so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden musste, während der Fahrer die Flucht ergriff.

Auch die Carabinieri haben nicht immer Zeit für solche Kontrollen.

„Was für eine Erkenntnis!“

Auch Walter Kofler, Gemeinderat in Vahrn, schließt sich der Kritik an. „Was für eine Erkenntnis! Nach dem Zusperren von Moto-Cross-Pisten  wie jene von Vahrn, ist man nun zur Erkenntnis gekommen, dass diese Maßnahme dahin geführt hat, dass die Motocrosser plötzlich im Wald ihrem Hobby nachkommen. Bereits die Schließung der Moto-Cross-Piste in der Nähe vom Vahrner See war eine Geschichte für sich! Denn trotz eines positiven Umweltberichtes, Einhaltung der strengsten Lärmvorschriften, kurze Öffnungszeiten der Piste, trotz des positiven Ausgangs der eigens dafür abgehaltenen Bürgerrunde, Schließung der Piste im Juli und August usw. wurde die nunmehr seit 30 Jahren bestehende Moto-Cross-Piste mittels Gemeinderatsbeschlusses, trotz einfacher Mehrheit gegen eine Schließung, geschlossen. Grund dafür soll der störende Lärm für die Besucher des anliegenden Biotops Vahrner See gewesen sein“, schreibt er in einer Aussendung.

Natürlich mache eine Moto-Cross-Piste auch Lärm. „Aber was ist verantwortbar und was nicht? Ist der Lärm einer Motocross-Maschine im Wald zu verantworten? Ich glaube nein! Eine Crossbahn wie in Vahrn, welche seit 30 Jahren niemand gestört hat, zu schließen, ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein, bzw. den Sportlern Alternativen zu bieten (Pfatten wird nie eine Alternative sein), war unverantwortlich und ein Schuss nach hinten“, ist Kofler überzeugt.

Des Weiteren sei es laut Kofler unverantwortlich, wenn Landespolitiker und Gemeindepolitiker das Problem seit Jahren kennen, dazu reine Lippenbekenntnisse abliefern, aber nicht bereit seien, Kompromisse einzugehen.

„Der genannte Vorschlag, drei bis vier Übungsplätze errichten zu wollen, klingt vielversprechend. Wenn aber gleichzeitig der Gemeindenpräsident davon spricht, dass es wohl schwierig werden würde, einen geeigneten Platz (nicht in der Nähe von Anrainern, Freizeiteinrichtungen u.a.), ausfindig zu machen, dann wird es wohl ein Ding der Unmöglichkeit sein, etwas Passendes zu finden. Es besteht also große Gefahr, dass dieses Thema über das derzeitige ‚Sommerloch‘ nicht hinauszukommen scheint“, erklärt Kofler abschließend.

Anfrage der Freiheitlichen

Die Freiheitlichen zeigen sich unterdessen über die Aussagen des Präsidenten des Gemeindeverbandes, Andreas Schatzer, verwundert. „Man reibt sich die Augen: der Präsident des Gemeindeverbandes, Andreas Schatzer, kann sich vorstellen, in Südtirol drei bis vier Übungsplätze für Motorradfahrer (Moto Cross u. a,) zur Verfügung zu stellen. Dabei war es gerade Schatzer, der als Bürgermeister von Vahrn vor nicht allzu langer Zeit die Schließung einer Moto-Cross-Piste auf seinem Gemeindegebiet verfügt hat!“, kritisiert der Landtagsabgeordnete Pius Leitner. Es stimme zwar, dass die dortige Bahn in der Nähe eines Schutzgebietes (Vahrner See) lag, es stimme aber ebenso, dass die Bahn 30 Jahre lang niemanden sonderlich störte. „Natürlich haben die Hobbyfahrer nicht auf diese Freizeitbeschäftigung verzichtet und nun weichen sie eben in den Wald aus, was wiederum in mehreren Orten des Landes auf Widerstand stößt“, so die Freiheitlichen.

Sie wollen im Rahmen einer Landtagsanfrage von der Landesregierung wissen, welche Ausrichtung die Landesregierung bezüglich der Errichtung von Pisten für Motorradfahrer (Moto-Cross u. a.) verfolgt. „Haben sich auch Vereine bzw. Organisationen an die Landesregierung gewandt, um diesen Freizeitsport ausüben zu können? Gibt es Absprachen mit dem Gemeindeverband, wo solche Anlagen errichtet werden können? Wenn ja, wo und innerhalb welchen Zeitrahmens können solche verwirklicht werden? Zu welchen Bedingungen kann das Fahrsicherheitszentrum in Pfatten für Motorradfahrer genützt werden?“, fragen die Freiheitlichen.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen, Eisacktal, Salten/Schlern