SEL kann jetzt erlittenen Schaden einklagen

Wie teuer wird’s für Stocker und Pircher?

Donnerstag, 17. September 2015 | 12:00 Uhr

Bozen – Am Dienstagabend wurde das Urteil gegen Ex-SEL-Präsident Klaus Stocker und Ex-SEL-Aufsichtsratspräsident Franz Pircher über jeweils eineinhalb Jahre bedingte Haft wegen Betruges vom Kassationsgerichtshof in Rom bestätigt. Damit wurde ein Schlussstrich unter das verkürzte Verfahren zum Kraftwerk Mittewald gesetzt und der erste Teil des „Stein an Stein“-Prozesses abgeschlossen.

Jetzt ist es für die Landesenergiegesellschaft SEL auch möglich, etwaige Schadensansprüche einzuklagen. Und das dürfte für die beiden ehemaligen Funktionäre so richtig teuer werden: Sie sollen für den materiellen Schaden, den die SEL durch den Nicht-Erwerb des Kraftwerks Mittewald erlitten habe, sowie auch für den Imageschaden gerade stehen. Eine Millionenklage dürfte auf die Stocker und Pircher zurollen.

Das zumindest deutet SEL-Anwalt Giacomo Gualtieri an. Er hatte laut dem Tagblatt Dolomiten in erster Instanz 500.000 Euro als Anzahlung gefordert, Richter Carlo Busato hatte ans Zivilgericht für die Feststellung der Schadenssumme verwiesen.

Stocker und Pircher wurde bekanntlich vorgeworfen, den SEL-Verwaltungsrat über den wahren Wert des Kraftwerks Mittewald getäuscht zu haben. Das Motiv sei die Hoffnung auf persönlichen Gewinn gewesen. Gekauft habe das Kraftwerk letztlich die Gesellschaft „Stein an Stein Italia“, welche mit Stocker, Pircher und mit Ex-SEL-Direktor Maximilian Rainer in Verbindung zu bringen sei.

Roberto Pallaver, der Gutachter der Staatsanwaltschaft, geht davon aus, dass der Kraftwerk Mittewald jährlich 100.000 Euro abwirft. Mit der Genehmigung des Ausbaus durch die Landesregierung im August 2009 wurde der Weg frei für eine Verdreifachung der Stromproduktion. Mit mehr Ertrag würde auch die Schadenssumme ansteigen. Hinzu komme laut dem SEL-Vizepräsidenten Giovanni Polonioli der Imageschaden.

Bis die SEL aber mit potenziellem Schadenersatz rechnen kann, dürften bei einem Durchlaufen aller Instanzen im Zivilverfahren mehrere Jahre vergehen. Unklar ist derzeit, ob auch die Staatsanwaltschaft am Rechnungshof bei Stocker und Pircher anklopfen wird.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen