BZG spricht von "Lügen-Schlammschlacht"

Wirbel um Altenheim St. Ulrich

Montag, 21. September 2015 | 16:21 Uhr

St. Ulrich – Verwundert und fassungslos nehmen die Verantwortlichen der Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern die Aussagen derjenigen Personen zur Kenntnis, die bis vor kurzem für die Führung des Altenheimes in Gröden verantwortlich waren und am Sonntag die derzeitige Führung des Hauses "grundlos heftig angegriffen haben".

„Hier ist wohl jemand von den bisherigen Betreibern bereits im Gemeinderatswahlkampf und will mit völlig aus der Luft gegriffenen Unterstellungen und Unwahrheiten kurzfristig punkten,“ meint dazu der Präsident der Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern, Albin Kofler. “Schade ist nur, dass diese Lügen-Schlammschlacht auf dem Rücken der Heimbewohner und all derer ausgetragen wird, die die ihnen anvertrauten Heimgäste heute vorbildhaft betreuen.“

Und Günter Staffler, Direktor der Sozialdienste und als solcher seit Anfang dieses Jahres auch verantwortlich für die Führung des Altersheimes von St. Ulrich, fügt dem hinzu: „Wir haben dieses Seniorenwohnheim in einem sehr schwierigen Moment übernommen. Vor etwas über zwei Jahren, als der Wunsch der Grödner Gemeinden, die Führung des Altersheimes in etwas sicherere Gewässer zu bringen, konkret wurde, ergab unsere Analyse der betrieblichen Situation ein zum Teil recht besorgniserregendes Bild: So verfügten über ein Drittel der als soziale Pflegekräfte angestellten Mitarbeiter nicht über die gesetzlich vorgesehene Ausbildung und auch in anderen Bereichen wie der Küche arbeiteten Personen ohne die Qualifikation für die sie bezahlt wurden. Von der mangelnden Zweisprachigkeit sehr vieler dieser Mitarbeiter gar nicht zu reden.“

So habe die Bezirksgemeinschaft bereits vor Übernahme des Heimes alle administrativen und inhaltlichen Vorbereitungsarbeiten für eine Sanierung dieser Situation und für einen reibungslosen Übergang der Führung des Seniorenwohnheimes vom bisherigen privaten Träger auf die Bezirksgemeinschaft ergriffen. “Durch die Abhaltung von über einem Dutzend Wettbewerben innerhalb kürzester Zeit für die verschiedenen Berufsbilder des Seniorenwohnheimes konnte rund 80 Prozent der bisherigen Belegschaft als Stammrollenbedienstete der Bezirksgemeinschaft angestellt werden. Und die zirka 15 Mitarbeiterinnen, die neu dazugewonnen wurden, haben sich alsbald aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation und ihres frischen und hochmotivierten Engagements als qualitative Bereicherung für das ganze Haus herausgestellt. Dies – verbunden mit einer internen Neuorganisation und Neubesetzung auf den verschiedenen Führungsebenen (Direktion und Heimleitung, Pflegedienst- und Hauswirtschaftsleitung) – hat bewirkt, dass heute die sicherlich nicht leichten Herausforderungen hausintern mit einem neuen Geist und mit viel Schwung und Enthusiasmus angegangen werden, zum Vorteil und zur Freude vor allem der 75 Bewohnerinnen des Hauses“ zeigt sich der Direktor des Hauses, Günter Staffler, sichtlich erfreut.

„Vor allem die Vermeidung jedweder negativen Auswirkung dieses Wechsels auf die Heimgäste und die Weiterbeschäftigung eines größtmöglichen Teiles der Belegschaft unter der neuen Führung bei gleichzeitiger qualitativer Aufwertung der gebotenen Betreuung war uns ein großes Anliegen“, fügt dem auch Ewald Moroder, langjähriger Bürgermeister und Vizepräsident der Bezirksgemeinschaft hinzu, „im Nachhinein betrachtet kann mit guten Gewissen gesagt werden, dass diese beiden Ziele über Erwarten gut erreicht wurden.“

„Überschüsse durch zu hohe Tagessätze“

Und was die „Überschüsse“ der privaten Führung betrifft, so seien diese laut Aussagen der heutigen Verantwortlichen des Hauses vor allem dadurch zustande gekommen, dass jahrelang auf Kosten der Heimbewohner und deren Angehöriger überhöhte Tagessätze verlangt wurden. „Von 2010 bis 2013 lag der vom privaten Träger verlangte Tagessatz des Altersheimes von Gröden mit 56 Euro im absoluten landesweiten Spitzenfeld. Erst als den Betreibern im Laufe des Jahres 2013 klar wurde, dass sie die Führung abgeben müssen, haben sie den Tagessatz über Nacht um fünf Euro gesenkt. Bei 75 Betten und 365 Tagen im Jahr machen allein diese fünf Euro rund 135.000 Euro jährlich aus“ rechnet Direktor Staffler vor.

„Diese etwas seltsamen Profite eines no-profit-Vereines gehören also nicht dem Verein, sondern eigentlich den Heimgästen und sollten deshalb auch wieder für diese verwendet werden. Wenn deshalb ein Bruchteil davon für Freizeitaktivitäten dieser Heimgäste verwendet würde, wäre das lediglich eine kleine Wiedergutmachung für das ihnen abgezwackte Geld“, schließt Staffler seine Ausführungen.

Präsident Albin Kofler richtet schließlich einen Appell an die Verantwortlichen des Vereines, „diese haltlose Hetze zu beenden und sich statt dessen Gedanken zu machen, wie sie das derart ‚erwirtschaftete’ Geld wieder einem sinnvollen sozialen Zweck zuführen könnten.“

WAS BISHER BERICHTET WURDE (20.9.2015)

Der Präsident des Vereins Altersheim Gröden, Dr. Walter Kasslatter, übt Kritik an der neuen Führung des Altersheims. Vor ein paar Monaten ist die gesamte Struktur der Bezirksgemeinschaft Salten Schlern übergeben worden.

„Diese öffentliche Institution, hieß es, hätte mehr Geld und würde die Struktur viel großzügiger führen können", so Kasslatter einleitend.

"Vor ein paar Tagen war ein Freiwilliger bei mir, der mich gebeten hat, als Präsident des Vereines, der noch besteht und einige Rückstellungen hat, einen Kaffeeausflug der Senioren zu finanzieren.“ Die jetzige Direktorin des Altersheimes, eine Vertreterin der Bezirksgemeinschaft, habe ihm mitgeteilt, dass die Heimleitung keine Gelder für die Freizeitgestaltung der Senioren des Altersheimes Gröden mehr hat, so Kasslatter.

Er kritisiert die Auslagerung sämtlicher Sozialdienste. „Wir haben das Heim vorbildlich geführt, hatten mehr Beschäftigte als die jetzige Führung, hatten jede Art von Freizeitgestaltung  und erzielten dennoch jedes Jahr einen beträchtlichen Überschuss.“

„Angesichts dieser Erfahrung und der offensichtlichen katastrophalen Entscheidung diesen Dienst, wie auch andere Sozialdienste, nach außen zu geben, hoffe ich, dass die neuen Verwaltungen der Gemeinden Wolkenstein, St. Christina, Kastelruth und die zukünftige Verwaltung der Gemeinde St. Ulrich den Kurs radikal ändern, damit die ausgelagerten Dienste wieder nach Gröden zurückkommen und von Gröden aus organisiert werden.

„Da das Seniorenheim Gröden für 29 Jahre, sprich bis zum Jahre 2043, unentgeltlich der Bezirksgemeinschaft gegeben wurde, wir aber ‚bedauerlicherweise’ einen Überschuss von 300.000 Euro jährlich erwirtschaftet haben, kann man sich vorstellen, welchen Schaden diese Entscheidung der Auslagerung der örtlichen Gemeinschaft gebracht hat.Es wird dem Grödner Tal eine Summe von rund 8,5 Millionen Euro genommen, die man anderenfalls wieder in die sozialen Dienste zugunsten unserer bedürftigen Bürger einfließen lassen könnte“, so Kasslatter abschließend.

Von: ©lu

Bezirk: Salten/Schlern