Kein ganzjähriger Aufenthalt

Zwei bis fünf männliche Bären in Südtirol

Montag, 15. Juni 2015 | 11:29 Uhr

Bozen – "In Südtirol gibt es keine Bären, die sich ganzjährig hier aufhalten", erklärt der geschäftsführende Direktor des Amtes für Jagd und Fischerei Andreas Agreiter. Deshalb sei es nicht möglich, zu jedem Zeitpunkt die Anzahl der in Südtirol anwesenden Tiere zu kennen.

Die Zahl der Bärenvorfälle sei im laufenden Jahr ähnlich wie in den Vorjahren, erklären Amtsdirektor Agreiter und sein Mitarbeiter Martin Stadler. Seit Jahresbeginn wurden acht Haustierrisse und Angriffe auf Bienenstände durch Bären nachgewiesen: im Jahr 2014 waren es insgesamt neun, im Jahr davor zwölf. Daraus könne man schließen, dass die Zahl von Bären in Südtirol Land in etwa in derselben Größenordnung von aktuell zwei bis fünf Bären liegen könnte.

In Südtirol halten sich männliche Bären auf, die weit umherstreifen und dabei das ans Trentino angrenzende Gebiet des Mendelkammes bis Deutschonsberg-Ulten-Unteres Vinschgau regelmäßig durchwandern (wie die Grafik zeigt). Im Trentino beläuft sich die aktuelle Zahl an Bären auf rund 50, heuer konnten sieben Würfe mit zwölf bis 13 Jungbären bestätigt werden.

Die Anzahl in Südtirol schwankte in den letzten zehn Jahren zwischen drei und sieben Bären, die genetisch nachgewiesen werden konnten und sich demzufolge zumindest einen Teil des Jahres in Südtirol aufgehalten haben. Die weiblichen Nachkommen der weiblichen Bären im Trentino lassen sich in nächster Nähe der Muttertiere nieder, sodass die Ausbreitung vom Trentino nach Südtirol schleppend ist.

Aufgrund des Bärenmonitorings werden im Laufe des Jahres die allermeisten Bären zumindest einmal genetisch nachgewiesen, und zwar anhand gefundener Haare, von Kot oder Speichel. In Einzelfällen kann ein bekannter Bär ein Jahr lang nicht erfasst werden, auch bei Jungbären erfolgt die Ersterfassung teilweise im zweiten Lebensjahr. Durch die spätere Kenntnis der Erfassungslücken im Nachweis von einzelnen Individuen kann die Dunkelziffer als gering betrachtet werden, heißt es aus dem Amt für Jagd und Fischerei. Nur einzelne verhaltensauffällige Bären wurden mit einem Senderhalsband ausgestattet, um ihren Standort laufend überwachen zu können. Bei den übrigen Bären weiß man nicht dauernd, wo sie sich aufhalten.

Bären kommen in der Regel nicht zufällig in menschliches Gebiet und auch nicht, weil sie von sich aus die Scheu verloren haben. Vielmehr sind es attraktive Nahrungsquellen, die Bären anziehen und – sofern sie immer wieder gefahrlos zu Nahrung kommen – langsam die Scheu vor den Menschen verlieren lassen. Daher ist es unverzichtbar, Abfälle und Biomüll in Hausnähe bärensicher zu lagern. Auch Bienenstände müssen unbedingt bärensicher eingezäunt werden, da sie von Bären gerochen werden.

"Bären", erklärt Amtsdirektor Agreiter, "werden anhand der Kriterien des Managementplanes eingestuft, ihre Verhaltensweisen werden aufgelistet". Graduell steigt bei kritischem Vorfall auch die Intensität der Maßnahme bis hin zur Entfernung des Bären. Strengere Überwachung des Bären und Schutzvorkehrungen gehen bei den meisten Vorfällen als erster Schritt voraus, bei Angriffen aufgrund der Gefährlichkeit des Bären beschließt das Umweltministerium unverzüglich deren Entnahme.

Bezüglich des Verhaltens von Menschen im Wald weist Amtsdirektor Agreiter darauf hin, man solle sich bevorzugt an vielbegangenen Wegen aufhalten und nicht lautlos unterwegs sein, keinen Bärenspuren folgen und Hunde an die Leine nehmen. Sollte es zu einer Begegnung mit einem Bären kommen, rät er: Ruhe bewahren und sich langsam entfernen.

Laufend aktualisierte Neuigkeiten zu den Bären in Südtirol finden sich auf der Homepage des Amtes für Jagd und Fischerei: http://www.provinz.bz.it/forst/wild-jagd/2724.asp

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen