Rachid Ouramdane zu Gast bei Tanz Bozen

15 Tänzer in einer Bewegungsspirale

Montag, 20. Juli 2015 | 11:38 Uhr

Bozen – Zum ersten Mal ist Rachid Ouramdane, der Star der französischen Choreografie-Szene, bei Tanz Bozen zu Gast. Im Stadttheater zeigt er Tenir le temps, seine neueste Arbeit für 15 Tänzer seiner Kompanie L’A. zur Originalpartitur von Jean-Baptiste Julien.

Rachid Ouramdane, vierundvierzigjähriger französischer Choreograf algerischer Abstammung, ist bei Tanz Bozen mit dem Stück Tenir le temps zu Gast. Er setzt sich darin mit dem Gefühl der Übersättigung auseinander. Kreativ entwickelt er das Thema weiter, mit dem er sich schon in seinem vorhergehenden zwanzigminütigen Werk Tout autour für das Ballet de l’Opéra de Lyon im Jahre 2014 beschäftigt hat. Tenir le temps für 15 Tänzerinnen und Tänzer seines Tanzensembles L’A. / Rachid Ouramdane wird nach der Uraufführung am 1. und 2. Juli anlässlich des Festival de Montpellier bei Tanz Bozen zum ersten Mal in Italien aufgeführt. Zum sich wiederholenden Rhythmus der Originalpartitur für Pianoforte und weitere Musikinstrumente des Komponisten Jean-Baptiste Julien ist Tenir le temps ein minimalistisches Stück, das das Thema Übersättigung zum Inhalt hat. Wie bei einem gigantischen Glockenspiel weichen die Körper zurück, sie berühren sich, werden schneller, springen, flüchten in einem unaufhörlichen Spiel von Synchronisierung zwischen Dichte und Leere. Sie unterliegen einer gewissen „Mechanik“, die über sie hinausgeht.

Die eindrucksvollen Arbeiten des Choreografen kreisen häufig um historische und politische Ereignisse und persönliche Zeugnisse. In Tenir le temps zeugen ausschließlich die sich kreisförmig bewegenden Körper von einer gewissen Krisensituation.“

„An der Grenze zur Übersättigung und des Fassbaren möchte ich die außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit des Menschen darstellen. Ich stelle mir eine jungfräuliche, reine Bühne vor, am besten ohne Rand und Kanten. Darauf stelle ich mir im Idealfall ein gewisses Chaos vor, rhythmische, musikalische Handlungen, im Dominoeffekt…“, erklärt der Choreograf.

Als Inspiration diente der Kunstfilm Der Lauf der Dinge (1988) der Schweizer Medienkünstler Peter Fischli und David Weiss: Eine Explosion bringt einen Reifen zum Drehen, dieser stößt an eine Palette, die ihrerseits eine mit Säure gefüllte Flasche zum Umstürzen bringt. Mit diesem Prinzip will Ouramdane die Körper auf der Bühne in Zusammenhang bringen, damit Ursache und Wirkung nicht voneinander unterschieden werden können.

Vor der Aufführung im großen Saal wird im Studio Theater (20.00 Uhr) die 15-minütige Performance Europa von Mara Cassiani gezeigt. Die Künstlerin widmet sich der Ikonografie, den Ausdrucksformen und den Regeln, die aus den neuen Medien hervorgehen. Mara Cassiani setzt sich in „Europa“ mit den Erwartungen ans Leben und den Beziehungen zwischen Körper und Raum auseinander. Ihr Körper, der in Dunkelheit getaucht ist, bricht das Licht, das ihn umgibt, er zeichnet den Raum pulsiert und überträgt seine „Energie“ auf sein Umfeld.

Rachid Ouramdane. Nach dem Abschluss an der CNDC in Angers im Jahre 1992 arbeitet er mit Emmanuelle Huynh, Odile Duboc, Hervé Robbe, Meg Stuart, Christian Rizzo, Alain Buffard und Julie Nioche, mit der er zwischen 1996 und 2007 gemeinsam die Tanzkompanie Fin Novembre leitet. 2007 gründet Ouramdane seine Tanzkompanie L’A./Ouramdane und kreiert das autobiografische Solo Loin…(2008), dann Des Témoins ordinaires (2009) nach einer Reise in Brasilien, Sfumato (2012) nach einer Reise in China, Polices! (2013) zu einem Text von Sonia Chiambretto und der Musik von Jean-Baptiste Julien. 2014 schafft er Tout autour für 24 Tänzerinnen und Tänzer des Ballet de l’Opéra de Lyon.

In Zusammenarbeit mit La Francia in scena, Französische Botschaft, Institut Français d’Italie, Nuovi Mecenati

www.tanzbozen.it

Stadttheater, Großer Saal, 21. Juli um 21.00 Uhr. Im Anschluss findet das Künstlergespräch im Foyer des Stadttheaters statt.

Kommende Veranstaltungen

Mittwoch, 22. Juli
21.00 Uhr | Stadttheater Bozen, Studio
Roy Assaf
Six Years Later

Donnerstag, 23. Juli
20.00 Uhr | Stadttheater, Studio
Anastasia Kostner
Into another body

21.00 Uhr | Stadttheater – Großer Saal
Alessandra Ferri
Evolution (Galaprogramm)

22.00 Uhr | Museion
Cristina Rizzo / Riccardo Benassi
Techno Casa Plus

Vorverkauf

Mo – Fr 11.00 – 14.00, 17.00 – 19.00
Sa 11.00 – 14.00

Stadttheater Bozen
Verdiplatz 40 – 39100 Boze
Tel. + 39 0471 053 800
Fax +39 0471 053 801

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